Nachdem der Vorgänger gigantische Einspielergebnisse erzielte, entschloss sich Sylvester Stallone für ein weiteres Sequel. Diesmal schrieb Sly nur das Drehbuch, die Regie überließ er John G. Avildsen, der 1976 schon das Original inszenieren durfte. Sly will mit "Rocky V" an die alten Zeiten anknüpfen, verhaspelt sich hier aber nur in triefigen Klischees. Die "Rocky-Reihe" funktionierte so gut, bis zu diesem Teil, welcher mit Abstand am schwächsten ausfällt. Das Budget war wesentlich geringer als in den beiden Vorgängern, nur deswegen konnte man an den Kinokassen Gewinne verbuchen. Der Zuschauer war enttäuscht und erst 2006 wagte Sly mit "Rocky Balboa" den wahrhaft grönenden Abschluss, welcher den fünften Teil völlig ausser Acht lässt. Er ist ansehbar, für Kompletisten auf jeden Fall ein Sammlerstück, doch er unterbricht sehr ruppig die "Rocky-Erfolgssaga".
Nach dem knüppelharten Boxkampf gegen den russischen Champion Ivan Drago (Dolph Lundgren) muss Rocky (Sylvester Stallone) feststellen, dass er eine schwere Hirnschädigung erlitten hat. Dadurch erhält er keine Lizenz zum Boxen mehr. Gerade jetzt hat Paulie (Burt Young) noch das ganze Vermögen der Balboas dem Steuerberater überschrieben. Rocky, Adrian (Talia Shire) und Sohn (Sage Stallone) sind pleite. Das will sich der geldgierige Promoter George Washington Duke (Richard Grant) zu Nutze machen. Er versucht Rocky zu einem weiteren Kampf zu ermutigen, doch Dieser bleibt stur. Auch weil er gerade in dem jungen Tommy Gunn (Tommy Morrison) ein wahres Talent entdeckt hat. Rocky trainiert Tommy, schließt Freundschaft mit ihm und verhilft ihm zu mehreren Siegen. Doch Duke zieht Tommy mit Geld auf seine Seite. Tommy wendet sich gegen seinen Trainer und fordert Rocky sogar heraus.
Man mag es Sly zu Gute halten, dass er mit "Rocky V" back to the roots geht, doch gerade die Geschichte mit dem Steuerberater ist völliger Schwachsinn. Natürlich hat Sündenbock Paulie das mal wieder verbockt. Abermals ist Rocky pleite und mit Frau und Sohn geht er seine alte Wohngegend. Die Leute dort mögen ihren Champion immer noch und Rocky eröffnet Mickeys (Burgess Meredith) alte Boxhalle wieder. Das heruntergekommene Viertel erinnert an das Original aus den 70er Jahren. Man hat nicht viel verändert. Rocky erinnert sich an alte Zeiten, vor allem an seinen Trainer Mickey Goldmill, nur aus diesem Grund eröffnet er die Boxhalle wieder und entdeckt das Talent Tommy. Das Ganze hört sich gar nicht mal schlecht an, doch hier hat Sly die Suppe versalzen. Der Film beschäftigt sich mit zu vielen Elementen gleichzeitig. Da wäre einmal Tommy Gunn, durch den Rocky seinen Sohn völlig vernachlässigt. Der Vater Sohn Streit ist ein einziges Klischee, genauso Adrians Vernunftsreden, von denen es hier Zuviele gibt. Nebenbei muss Rocky samt family noch mit dem Leben in armen Verhältnissen klarkommen, obendrein versucht George Duke Rocky eins auszuwischen.
Der Zuschauer wird mit massig Storyelemente überollt, welche letztenendlich nur zu langweiligen Dialogen führen. Geboxt wird eher wenig, der Film beginnt, wie schon die Vorgänger, mit Teilen des Boxkampfes gegen Drago. Genau nach diesem Fight geht es dann storymäßig weiter, als Rocky seine Hirnschädigung feststellt. Ansonsten darf sich Tommy ein paar kurze Kämpfe leisten und das Finale Rocky vs Tommy wird nicht im Ring, sondern auf der Strasse ausgetragen. Ein herkömmlicher Streetfight, akzeptabel choreographiert, aber wesentlich unspektakulärer als die finalen Boxkämpfe. Bill Conti´s Score ist abermals eine geniale Musikuntermalung, nur diese rapartigen Melodien, die bei Tommys Kämpfen gespielt werden, passen überhaupt nicht. Als Schauspieler kann man Stallone hier kaum Vorwurf machen. Gewohnt sympathisch bringt er seine Paraderolle an den Mann, trotzdem wirkt er müde. Wie Rocky im Film, scheint auch Stallone ein wenig den Biss verloren zu haben. Talia Shire ist in diesen fünf Jahren unheimlich gealtert, Slys Sohn Sage macht einen ordentlichen Job. Tommy Morrison ist als Darsteller eine Null, doch Richard Grant nimmt man den geldgierigen Produzenten perfekt ab.
Ordentliche Darsteller in überfrachteter Story. Mit "Rocky V" erleidet die Boxerreihe einen Einbruch. Zuviele Klischees, genau das selbe gilt für die Durststrecken, immerhin Score und Kulisse erinnern an das Original. Nicht mehr als solide, nur für Kompletisten.