Rocky Balboa (Sylvester Stallone) ist durch diverse Fehlinvestitionen pleite und muss mit seiner Familie zurück nach Brooklyn ziehen, wo damals seine Karriere begann. Dort trifft er den jungen Boxer Tommy Gunn, der ihn bittet ihn zu trainieren. Rocky trainiert diesen nach anfänglichen Widerstand und vernachlässigt für den zunehmend stärker werdenden Boxer nach und nach seine Familie. Als dieser dann jedoch bei einem anderen Manager unterschreibt, Rocky fallen lässt und ihn auch noch zum Kampf herausfordert, sieht Rocky rot.
Die Story ist eine Katastrophe. Stallone, der bereits das Drehbuch zum sensationellen ersten Teil schrieb, scheint an furchtbarer Ideenlosigkeit gelitten zu haben. Die Grundidee, Rocky zurück auf die Straße zu bringen, wo die Saga begonnen hat ist erst einmal nicht schlecht. Aber alles andere ist furchtbar. Rockys Privatleben und seine Familie werden mal wieder sehr lang und ausgiebig behandelt und bieten einmal mehr Spielraum für einige unwichtige und überflüssige Nebenhandlungen, die überhaupt keine Tiefe haben und es nicht einmal schaffen, Tiefe zu heucheln. Darüber hinaus gibt es einmal mehr schwache und haarsträubende Dialoge und eine schlechte Portraitierung von Brooklyn. Die Wendungen, die einmal mehr niemanden überraschen können, sind wenigstens gut platziert. Alles in allem ist dies die schlechteste Story der Rocky-Reihe.
Der Film läuft ein wenig langsam an. Der Anfang ist meiner Meinung nach etwas übertrieben melancholisch. Nachdem der Fall Rockys dann abgeschlossen ist, entwickelt der Film einen ordentlichen Unterhaltungswert. Durch diverse Kampf-Szenen und ein relativ schnelles Erzähltempo kann dieser Unterhaltungswert bis zum Schluss aufrechterhalten werden. Das Finale bietet dann einmal mehr Kampfszenen vom Feinsten und kann hervorragend unterhalten. Ursprünglich wollte Stallone seine Hauptfigur Rocky am Ende dieses Teils sterben lassen, das wäre wenigstens mal eine Überraschung gewesen. Alles in allem ist der Film unterhaltsam.
Die Umsetzung von Regisseur John G. Avildsen ist relativ schwach. Die Filmmusik ist einigermaßen solide und kann zumindest die Kampf-Szenen einigermaßen unterlegen. Die Kulisse von Brooklyn wirkt realistisch und stellt damit den Abstieg von Rocky gut dar. Auch das Erzähltempo gelingt ihm einigermaßen, das Hauptproblem bei seiner Umsetzung liegt jedoch darin, dass keiner der Darsteller mit ihm zurechtzukommen scheint. Nachdem er im ersten Rocky-Teil hervorragende Arbeit leistete, ist dies ein deutlicher Rückschritt, der das Ende seiner Karriere einläutete.
Sylvester Stallone, der bereits beim Drehbuch einiges an Potential verspielt, leistet wirklich schlechte Arbeit. Man sieht ihm den Spaß an dieser, seiner Paraderolle nicht mehr an, er wirkt sehr lustlos. Auch seine Mimik, die sowieso nie die beste war, ist eine Zumutung, sodass seine Muskeln im Prinzip seine einzige Qualifikation für die Rolle darstellen. Auch Talia Shire kann bei weitem nicht an ihre Leistungen in den anderen Rocky-Filmen anknüpfen. Nachdem sie in den Rocky- und "Der Pate"-Teilen eine wichtige Rolle spielen durfte, ist dies eine ihrer letzten großen Produktionen. Auch Tommy Morrison ist in der Rolle des Tommy Gunn eine Katastrophe. Der gesamte Cast leistet also unterirdische Arbeit.
Fazit:
Gut, dass Stallone sich schließlich doch noch entschied, "Rocky Balboa" zu drehen, denn dieser Ausgang wäre der Reihe auf keinen Fall würdig gewesen. Die Story ist grausam, genauso wie die Umsetzung und die unterirdisch schlechten Darsteller. Der Film ist durch die Kampfszenen und das ordentliche Finale dennoch einigermaßen unterhaltsam, weswegen ich ihn im Mittalmaß ansiedeln würde. Objektiv betrachtet ist der Film jedoch der letzte Schrott und definitv nur an die Fans der Reihe zu empfehlen.