"Die Qualität des Kleinstadtlebens kann man nicht bei WAL-MART kaufen. Und ist sie erst mal weg, bekommst du sie nicht mehr zurück. Für keinen Preis."
Der Dokumentarfilmer Robert Greenwald, bekannt durch seine Dokumentationen über die Hintergründe des Irak Krieges, durchleuchtet mit "Wal-Mart - Der hohe Preis der Niedrigpreise" die Vorgehensweise des WAL-MART Konzerns, den Folgen daraus, sowie die Behandlung der Mitarbeiter.
Gut strukturiert zeigt Greenwald zuerst die Folgen eines neu eröffnetten Marktes in einer Kleinstadt an mehreren Beispielen, geht danach auf die Kollegialität und Behandlung der Angestellten ein und findet im letzten Drittel den Übergang zur Herkunft und Produktion der Güter.
Der erste Part konzentriert sich auf die Verarmung der Kleinunternehmer nachdem ein WAL-MART in deren Umgebung eröffnet hat. Meist mit offenen Armen empfangen zerstört der Konzern beständig kleinere Läden, da diese weder mit den Preisen noch mit den Angeboten mithalten können. Stattdessen bieten sie allerdings Service und Wissen über die Artikel, was in unserer schnelllebigen Welt aber nicht mehr sonderlich von Belang ist.
Danach gibt es aufschlussreiche Belege über die Vorgehensweise des Konzerns gegenüber seinen Angestellten. In Interviews mit zahlreichen ehemaligen Angestellten werden immer wieder die Probleme der niedrig gehaltenen Löhne, einer mangelhaften Krankenversicherung die sich die Masse nicht leisten kann sowie Mobbing untereinander und Aufhetzung der Angestellten durch Panikmache angesprochen.
Zuletzt besucht Greenwald Fabriken in China wo die Waren des Marktes unter rauhen Bedingungen hergestellt werden. Dies erfolgt meist durch junge Chinesinnen die mehr als 10 Stunden täglich arbeiten, und dies für einen derart niedriges Entgelt was man sich hierzulande noch nicht einmal vorzustellen vermag.
Zum Schluss gibt es noch einige unfreiwillig komisch wirkende Bilder von erfolgreichen Kampagnen bei denen sich Einwohner von verschiedenen Orten gegen einen Bau eines WAL-MART gewehrt haben.
Sehr informativ präsentiert sich die Doku, die vollständig WAL-MART Contra recherchiert wurde. Somit geht Greenwald ähnliche Wege wie Michael Moore. Letzterer schafft es allerdings seine Präsentation häufig mit einer gehörigen Portion Ironie und Sarkasmus zu versehen und somit wesentlich sympathischer zu verkaufen. Dies ist eine Komponente die man hier vermisst, soweit man die Dokus von Moore schon gewohnt ist. Stattdessen gibt es immer wieder kontroverses Archivmaterial auf dem ein WAL-MART Vorstand eine Rede über die soziale Struktur des Konzerns hält, welche kurz darauf widerlegt wird.
Das Zusammenspiel zwischen Musik und den Bildern geht auf, wirkt teils etwas überdramatisiert bleibt aber wirkungsvoll. Wie üblich in massentauglichen Dokumentationen wurde auf eine vollständige Synchronisation verzichtet und eine deutsche Spur über den englischen Ton gelegt. Teilweise muss man sich mit den Untertiteln behelfen soweit man keine guten englischen Kenntnisse hat, was aber nicht stört.
Glaubhaft sind die angesprochenen Probleme und Ereignisse auf jeden Fall, handeln aber teilweise auf Basis der freien Marktwirtschaft und den staatlichen Versäumnissen mehr Gesetze für beispielsweise eine geordnete Krankenversicherung zu erlassen. Das sich kleine Unternehmen gegenüber großen nicht behaupten können liegt im Rahmen der Globalisierung und den Gesetzmäßigkeiten. Wer viel Geld hat kann viel daraus gewinnen, wer wenig hat nur wenig. Um dies einzuschränken bedürfte es eines sinnvollen Models das zu einem gewissen Punkt eine Bremse ansetzt. Aber so etwas gibt es noch nicht. Somit unterliegt die freie Marktwirtschaft dem Verfahren der natürlichen Auslese.
Ausnahmslos punkten kann die Doku mit der erschreckenden Ausbeutung in China, die ebenfalls nur durch den staatlichen Hergang, in diesem Fall dem Kommunismus, funktioniert. Die Frage ist natürlich welche Konzerne dies ausnutzen.
Mit einer Moorschen Doku kann "Wal-Mart" nicht konkurrieren, dafür wurde der Stoff etwas zu trocken präsentiert. Trotzdem informiert Robert Greenwald sehr glaubhaft über die systematische Zerstörung der "Tante Emma" Läden und der Ausbeutung der Arbeitskräfte. Ob man sich davon manipulieren lässt bleibt jedem selbst überlassen. Ich für meinen Teil bleibe nach wie vor bei Aldi.
7 / 10