In den späten 60er Jahren war Hammer an einem kreativen Scheideweg angekommen, der immer mehr nach Sackgasse aussah. Die großen Erfolge – Dracula und Frankenstein – hatten sich endlose Serien verwandelt oder waren im Begriff, als solche notgedrungen ausgebeutet zu werden und so war man auf der Suche nach neuen Ideen oder Mythologien, um Angst und Schrecken im Publikum zu sehen, sei es nun in der griechischen Sagenwelt („The Gorgon“) oder der östlichen Mythologie („The Black Reptile“).
Da lag es nahe, daß man sich auch mit moderneren Themen befaßte, die relativ moderne Horrorautoren boten.
Einer von ihnen: Dennis Wheatley, der die Vorlage für „The Devil rides out“ verfaßt hatte, eher der Phantastikfachmann Richard Matheson daraus ein Drehbuch machte. Wheatley sollte, auf Drängen Christopher Lees, ein neues Markenzeichen werden, aber die Serie endete schon nach den ersten beiden (im selben Jahr produzierten) Filmen (der andere: „Bestien lauern vor Caracas“), da das Publikum ausblieb.
Es war, vermutlich, eine zu starke Umstellung für das Publikum, das den eher viktiorianisch geprägten Horrorplüsch schätzte, als Hausregisseur Terence Fisher Hammer mit diesem Film in den Bereich des satanischen Okkulthorrors schob.
Das ist mehr als schade, denn der Film nicht nicht nur thematisch eine Ausnahmestellung ein, er ist auch weitestgehend hervorragend produziert und bietet eine Atmosphäre ständiger Bedrohung durch dunkle Mächte, die andere Menschen fernlenken. Und er hat einige sehr intensive und dichte Sequenzen zu bieten, die im direkten Gegensatz zu dem wohligen Schauer stehen, den sonst die Vampire verursachen konnten.
Die Story stürzt den Zuschauer direkt ins Geschehen, ein Wiedersehen alter Freunde, des Duc de Richleau und von Rex van Ryn, wird durch die Abwesenheit des Dritten, Simon, getrübt, der sich, wie sich in Kürze in dessen Haus herausstellt, als Mitglied eines Satanszirkels verdingt, der von dem charismatischen Mocata geführt wird.
Sowohl Simon wie auch die junge Tanith sind noch nicht geweiht, doch trotz der schnellen Reaktionszeit und zahlreicher Bemühungen, die jungen Leute außer Reichweite zu bringen, scheint das Böse seine Augen überall zu haben und niemand scheint sicher zu sein.
Fisher arbeitet außerordentlich präzise und mit klaren, dunklen Bildern, in die jederzeit das Böse einbrechen kann. Er beläßt es aber nicht beim Unsichtbaren, sondern visualisiert das Böse in Abständen dann immer wieder, um kleine Höhepunkte zu setzen. Eine Hausdurchsuchung läßt einen Dämon (im Gestalt eines satanisch blickenden Farbigen) erscheinen, bei einem satanischen Bacchanal im Wald erscheint der bocksköpfige Teufel selbst aus dem Nichts und der atmosphärische Höhepunkt ist ein fast zwanzigminütiges Duell von Gut gegen Böse, in dem sich die Verteidiger in einem magischen Kreis gegen Angriff und Illusionen wehren, so z.B. eine riesenhafte Spinne oder den von Mocata gerufenen Engel des Todes.
Zu ihrer Zeit waren die Special Effects sicherlich „state of the art“, heute sind sie, wie in so vielen alten Filmen, etwas angejahrt, wie die Vergrößerungstricks bei der Spinne oder die Kamerarückläufe beim Todesengel, aber die technische Sorgfalt (sogar die Rückprojektionen bei den Autofahrten sind wunderbar klar) läßt das schnell wieder vergessen.
Unterstrichen werden die Bemühungen von einem solide Cast, bei dem Christopher Lee (als Duc) endlich mal den Guten mimen darf, auch wenn er sich dramaturgisch bedingt, ständig aus der Handlung verabschiedet, um so Platz für neue Bedrohungen zu machen. Sein Gegenspieler ist der wie immer großartige Charles Gray (der später als Blofeld „Diamantenfieber“ veredelte und später in der „Rocky Horror Picture Show“ einen Sprung nach links erklärte), dessen Mischung aus Arroganz, Charme, Bedrohlichkeit und Herablassung geradezu legendär war.
Leon Greene gibt einen knuffigen, wenn auch immer leicht begriffsstutzigen Partner ab und schlägt sich damit auf die Seite des Publikums, die den ganzen magischen Mumpitz auch schlucken muß.
Und genau da hakt es ein wenig, denn hier werden so viele mystische Strömungen zusammengeschmissen, daß der belesene Horrorfan ein wenig schmunzeln muß. Und wenn es einen Schwachpunkt in der Geschichte gibt, dann das an das große Duell angeklatschte Extrafinale in Form einer Art Zeitschleife, die nicht nur penetrant nach christlichem Kirchenkompromiss stinkt, sondern auch technisch (die Teufelsanbeter verbrennen) und dramaturgisch eher antiklimatisch ist.
Wer nölen will, der mag natürlich auch gern noch darauf achten, daß der Duc offenbar von Verstärkung nichts hält und stattdessen lieber Verwandte von sich in Gefahr bringt (weil er sie nur bedingt einweiht) und niemand in dem Film mal so gewitzt ist, sich gegen Übermassen von Satanisten mal eine bis zwei Schusswaffen einzustecken.
Leider floppte der Film an der Kasse und da der zweite Wheatley-Film mit seinen übergroßen und doch eher albernen See- und Krabbenmonster mehr zum Lachen reizte (immerhin kann man da Hildegard Knef beschmunzeln), war der Autor schon sehr schnell wieder „draußen“, was schade ist, denn irgendwie wirkt „Die Braut des Teufels“ auch heute noch enorm reizvoll und für die Zeit einfach „anders“. Und anders ist gut! (7,5/10)