Ich habe mich bereits als Fan von „Caligula“ geoutet. Deshalb war ich immer an einer würdigen, verfügbaren Fortsetzung interessiert, die aber bitte nicht so ein unsäglicher Schrott wie „Caligula und Messalina“, „Caligula 3“ oder Schlimmeres sein sollte.
Nun wusste der geneigte Zuschauer, dass es nur eine Frage der Zeit sein durfte, bis es eine deutsche Auflage von „Caligula – the untold story“ kommen würde. Um diesen Film ranken sich die tollsten Gerüchte, die nicht nur zwingend auf das Pferd zurück zu führen sind. Und vom guten Joe D’Amato konnte man ja so einiges erwarten.
Der Film ist vor allem im Anbetracht der Vorschusslorbeeren eine Enttäuschung. Die Story ist hohl, das Caligula-Bild unglaubwürdig. Und D’Amato ist eben doch kein Brass. Es wirkt so, als hätte sich D’Amato, der sich nun wirklich für nichts zu schade war, das Original vorgenommen, alles das gestrichen, was mit Anspruch zu tun hatte, den Sex und die Gewalt beibehalten und dann noch das Pferd im wahrsten Sinne des Wortes draufgesattelt. Dieser Plan ging aus meiner Sicht nicht auf.
Wobei wir schon attestieren müssen, dass D’Amato Sex und Gewalt recht gut beherrscht. Ich persönlich finde den Boxkampf bei der Orgie und das Pfählen schon herrlich widerlich. Aber leider ohne Klasse. Das wird beim Sex besonders deutlich. Bei Brass wirken die Orgien wie eine erotische Veranstaltung, die irgendwie aus dem Ruder läuft. Bei D’Amato wirken selbst harmlose Erotikszenen pornografisch. Vielleicht wäre mehr Sorgfalt bei Beleuchtung, Kamera und vor allem Casting doch ein Weg, sich von dem Stil dänischer Western zu entfernen. D’Amatos Leistungen im Horror-Genre in allen Ehren, aber die Art von Film war nicht seine Stärke. Provozieren ist gut, aber nur Gutes provoziert. Dazu gehört kein Kotzen und vor allem nicht das Pferd. Ich bin ein strikter Gegner der Zensur, aber Sodomie ist doch strafbar, oder? Und vor allem einfach nur eklig!
Aber ich denke, D’Amato war nicht in der gleichen, komfortablen Situation wie Brass es war. Die Geschichte war im Prinzip schon abgefrühstückt. Er musste mehr schockieren, um Geld einzuspielen. Und er hatte mit Sicherheit nur Buchteile des Etats zur Verfügung gehabt, was die Auswahl der wirklich schwachen Schauspieler verdeutlicht. Nun gut, mit Laura Gemser scheint er ja eine Lebenszeitverpflichtung gehabt zu haben. Aber schauspielerisch reißt die Gute nun wirklich nichts.
Dieser Film ist eine Enttäuschung, auch wenn er etwas besser ist als die anderen Versuche, noch einmal mit Caligula Kasse zu machen. Aber ich hatte entschieden mehr erwartet. So bleibt nur die Gewissheit, von dem nagenden Gefühl befreit zu sein, es könnte noch eine gute, leider unbekannte Fortsetzung geben, und die Erkenntnis, dass nur der erste Caligula der wahre Caligula ist. Nur 6 von 10 Punkten.