Mit „First Strike“ geht Jackie Chans populäre Police Story Reihe in die vierte Runde, auch wenn dieser auf internationale Ansprüche zugeschnittene Teil nur noch wenig mit seinen Vorläufern gemein hat. Nach dem weltweit äußerst erfolgreichen „Rumble in the Bronx“ mit dem Chan auch in Amerika endlich den Durchbruch schaffte, wollte man das Publikum bei der Stange halten und nichts wäre dafür besser geeignet als Jackie in der Paraderolle des Supercops.
Als direkte Fortsetzung der Police Story Filme sollte man dann „First Strike“ aber nicht betrachten, dafür fehlen ihm vor allem die halsbrecherischen Stunts und deftige Kampfszenen. Regisseur Stanley Tung versucht daher gar nicht erst den legendären 80’er Jahre Hongkong Actionkino nachzueifern, sondern bemüht sich vielmehr Chan auf ein turbulentes Abenteuer rund um den Globus zu schicken. Die oft zitierten Parallelen zu James Bond kommen nicht von ungefähr und werden auch im Film immer mal wieder aufgegriffen. In gewisser Weise kann man „First Strike“ daher als eine liebgemeinte Parodie auf den modernen Agentenfilm verstehen, indem sich Chan als unwissender Cop zwischen Geheimdiensten und Mafia behaupten muss. Für die nötige Lockerheit sorgt einmal mehr Jackies Charme, der besonders in brenzligen Situationen wieder für beste Unterhaltung sorgt. Dabei zeigt er sich hier gar nicht so komödiantisch wie man es aus anderen Filmen kennt, der Holzhammer Humor bleibt glücklicherweise auch außen vor. Es sind eher die kleinen Dingen die zum schmunzeln anregen, sei es nun Jackie mit Robbenmütze in den Bergen der Ukraine oder seine putzige Koala Unterwäsche.
Handlungstechnisch bietet Chans Erstschlag nichts sensationelles, orientiert sich aber recht erfolgreich an der James Bond Reihe. So wird Jackie als Agent auf eine Schmugglerin angesetzt und verfolgt sie in die Ukraine. Dort nimmt er die Verfolgung auf und vereitelt eine geplante Übergabe. Der Kopf der Bande entkommt aber und Jackie findet sich nach einer turbulenten Verfolgungsjagd auf russischem Terrain wieder. Der flüchtige Verbrecher plant einen Nuklearsprengkopf zu verkaufen, was in jedem Fall vereitelt werden soll. Jackie erhält den Auftrag mit dem russischen Geheimdienst zusammen zuarbeiten, der ihn prompt nach Australien schickt. Dort verschwimmen aber schon bald die Grenzen zwischen Gut und Böse…
Ausgestattet mit einem 40 Millionen Dollar Budget lassen sich weitaus größere Sprünge machen als es in einem klassischen Hongkong Actionfilm möglich wäre. „First Strike“ zeigt sich daher weitaus weltmännischer und besetzt auch große Teile des Cast mit westlichen Darstellern. Von Chans Rolle aus Police Story ist wenig geblieben, im Grunde nur das er wieder einen Cop aus Hongkong spielt. Bill Tung ist die einzige Konstante aller vier Filme (New Police Story mal ausgenommen), denn er ist wieder als Chans Vorgesetzter mit von der Party. Actionpuristen werden daher wohl etwas mit den Zähnen knirschen, denn von den harten Stunts und Kampfeinlagen ist nur wenig geblieben. Zwar darf Jackie wieder seine akrobatischen Fähigkeiten präsentieren, in erster Linie aber nur in Form von kuriosen Stunts. Nennenswert ist da auf alle Fälle der Verfolgung durch die verschneite Ukraine, wo Jackie auf Snowboard und Skijet die Hänge runter brettern darf. Chan ist die ganze Zeit über nur leicht bekleidet, die körperlichen Strapazen aufgrund der eisigen Kälte lassen sich nur erahnen. Witzig auch Jackies erster Unterwasserkampf, in dem er sich nicht nur mit Tauchern auseinandersetzen, sondern auch einen Hai außer Gefecht setzen muss. Interessant das Chan und sein Team auch unter Wasser noch eine recht sehenswerte Choreographie hingezaubert haben.
Das „First Strike“ nicht die Luft ausgeht, ist seiner flotten Inszenierung zu verdanken. Chan hetzt rund um den Globus, der Zuschauer bekommt kaum Zeit zum verschnaufen. Darunter leidet aber wiederum die Geschichte, welche in der zweiten Hälfte etwas zu kurz kommt. Jackies Fäuste kommen auch nicht so oft zum Einsatz wie man gern hätte, in punkto Action zieht er daher im Vergleich mit „Rumble in the Bronx“ klar den Kürzeren. Eigentlich gibt es nur eine wirklich herausragende Szene, in der Jackie mal wieder exzellent Alltagsgegenstände mit in die Schlägerei einbezieht. Definitiv sehenswert ist Chans Interpretation eine Klappleiter gegen seine Angreifer einzusetzen, die er durch die Luft wedelt als wäre sie leicht wie eine Feder.
Fazit:
Chans „First Strike“ orientiert sich in Stil und Ausstattung an seinen international ausgerichteten Produktionen made in Hongkong. Der Actionlevel wird zugunsten einer rasanten Jagd über mehrere Schauplätze etwas zurückgeschraubt, was den Spaß aber kaum mindert. Den älteren Police Story Filmen kann der inoffizielle vierte Teil aber nicht das Wasser reichen, dafür fehlt das Unverwechselbare. Gut das sich Chan in „New Police Story“ dann doch noch mal auf seine Wurzeln besann, aber das ist schon wieder ein anderes Kapitel.