Ein weiterer, unbedeutender Teil der „No Retreat, No Surrender“ möchte man meinen, allerdings hält sich Teil 5 der ansonsten zusammenhangslosen Filmreihe im Gegensatz zu allen anderen Fortsetzungen noch recht dicht am Original.
Wieder steht ein Junge aus Amerika im Mittelpunkt, der durch die fernöstliche Kampfkunst, die vermittelten Werte und Traditionen, zu einem weit bessere Kämpfer und Menschen wird. Klingt an und für sich ziemlich altbacken und wurde in zahllosen US-Karatekloppern der Post-Karate Kid Ära auch schon bis zum Erbrechen verarbeitet, dennoch erweißt sich „American Shaolin“ vergleichsweise erfrischend.
An der Grundkonstellation hat sich formal erst einmal recht wenig geändert, was auf der einen Seite etwas ärgert aber nicht wirklich wundert: In Amerika gilt immer noch die Devise das die Kuh solange gemolken wird bis sie keine Milch mehr gibt. Überraschungen sollte man daher nicht erwarten, denn auch dieser Film hält sich penibel an die Grundformel:
Man stecke einen vorlauten Bengel in den Ring, wo ihm seine Grenzen aufgezeigt werden. In tiefer Frustration sucht er nach einer Möglichkeit seine Fähigkeiten zu verbessern und findet diese in den sagenumwobenen Künsten des Shaolin Klosters. Kurzerhand entscheidet sich der Knabe nach China zu reisen und dort sein Glück zu probieren, wird aber von den Mönchen abgewiesen. Nachdem er einige Nächte vor dem Tempel campiert hat, haben die Mönche erbarmen und belohnen ihn für seine Geduld und Durchhaltewillen, denn dies sind ebenfalls Tugenden die einen Mönch auszeichnen.
War es im ersten „Karate Tiger“ noch ein Bruce Lee Klon der den jungen Jason in die Kunst des Kung Fu einweihte, so sind es hier eben die Shaolin. In beiden Fällen ist die Aufmachung natürlich aberwitzung und entbehrt nicht einem gewissen Trash-Charme. Zwar haben die Shaolin Mönche nicht so coole Sprüche auf den Lippen wie der olle Lee, dennoch gibt es bei all den kuriosen Trainingsmethoden immer wieder was zu Schmunzeln. Da werden die Patschen in glühende Asche gesteckt, Steine durch die Pampa geschleppt oder gegen hölzerne Männer gekämpft. Natürlich haben alle Übungen eine tieferen Sinn, die ein schrulliger Meister dann auch an die jungen Schüler weitergibt.
Zumindest erwähnt werden sollte an dieser Stelle, das auch im echten Shaolin Kloster, sowie anderen chinesischen Kulturgütern wie Große Mauer und Verbotene Stadt gedreht wurde – für einen mehr oder weniger amerikanischen Film nicht die asiatische Kultur gegeben, was von den zahlreichen anderen Karate-Kloppern und Ninja-Streifen ja nicht wirklich behauptet werden kann.
Choreograph Corey Yuen, welcher auch bei Teil 1 und 2 der Reihe Regie führte, gibt sich alle Mühe die offensichtlich unerfahrenen Kidies beim Ausüben ihrer Kampfübungen nicht peinlich aussehen zu lassen, was meistens einiger Maßen gelingt, dennoch fehlt es doch deutlich an der Dynamik anderer Kampfsportfilme. Da die Zielgruppe aber in erster Linie im vorpubertären Bereich liegt, geht das Gezeigt in Ordnung und guckt sich auch besser weg als das Karate Kid.
Reese Madigan, der den jungen Ami Drew Carson mimt, ist allerdings alles andere als eine Idealbesetzung. Nicht nur das er permanent überfordert wirkt, so sieht der Milchbubbie mit Glatze und Shaolin-Hemdchen auch total bescheuert aus. Dagegen besitzt selbst ein Kurt McKinney mehr Ausstrahlung. Besonders nervig sind auch die ständigen Versuche sich gegen die Regeln des Shaolin Ordens aufzulehnen, was aber wohl eher den Autoren angekreidet werden muss. Das rebellenhaften Verhalten passt zwar vortrefflich ins Alter von jugendlichen Halbstarken, stört aber gewaltig. Was zieht der verzogene Bengel auch ins Shaolin Kloster, wenn er anschließend den Ausbildern Streiche spielt oder alle Regeln missachtet?
Er will natürlich in den angestaubten Laden etwas frische Luft bringen, was dann auch durch gemeinschaftlichen Gesang mit Unterstützung des Rock’n’Roll Klassikers „Summertime Blues“, der hier zum „Shaolin-Temple Blues“ wird, fetzig unterlegt wird. Wobei der Song wohl auch das einzige Highlight im Film bleibt.
Worauf es im Finale hinausläuft dürfte Jedem schon zu Beginn klar sein. Drew tritt natürlich wieder im Kampf gegen seinen Peiniger Travor an, der ihm doch zuvor beim Karatetunier im wahrsten Sinne die Hosen runtergezogen hat. Dass dabei alles so vorhersehbar bleibt wie der Rest des Filmes dürfte auch nicht wirklich überraschen. Travor ist natürlich ein Fiesling wie er im Buche steht, der obendrein auch noch fiese Tricks anwendet… wie gemein! Passend dazu auch der Pferdeschwanz, quasi ein Markenzeichen das jeder böse Kampfsportler so tragen muss. Allerdings ist der Knabe kein Van Damme, auch wenn er versucht grimmig auszusehen. Gegen die belgische Kampffritte zieht er in punkto Ausstrahlung und Fertigkeiten klar den Kürzeren. Das Ende kommt wie es kommen muss: gegen die überlegene Shaolin Kampfkunst hat Trevor natürlich keine Chance und bekommt erwartungsgemäß eins auf die Mappe. Aus die Maus und damit hoffentlich auch für diese nicht enden wollende Filmreihe!
Fazit:
„American Shaolin“ erfindet das Genre zwar keineswegs neu, ist für eingefleischte Fans des Jungen der auszog die Kampfkunst zu erlernen aber zumindest eingeschränkt empfehlenswert. Immerhin werden einige neue Elemente, in diesem Fall das Shaolin-Kloster, inklusive der Originalschauplätze mit einbezogen, was das ansonsten äußerst vorhersehbare Filmwerk zumindest einigermaßen sehenswert macht. Vom Gesamteindruck insgesamt also durchschnittlich, wenn dem einige Nostalgiker auch wehement wiedersprechen werden. Der erste Teil bleibt unerreicht.