Review

„Das Boot“ vom Regisseur Wolfgang Petersen ist nicht nur ein sehr aussagekräftig gefilmtes Kriegsdrama sondern auch einer der wenigen großen Klassiker des deutschen Kinos der frühen 80er Jahre. Ich kenne ihn seit vielen Jahren und schaue ihn mir auch alle paar Jahre immer wieder gerne im Fernsehen an (läuft manchmal ziemlich oft auf verschiedenen Sendern).

Der Film spielt im Jahre 1941, wo die Besatzung des deutschen U-Bootes „U 96“ in See sticht um einen neuen Auftrag zu erfüllen. Es sollen englische Kriegsschiffe versenkt werden. An Bord ist auch Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), dessen Aufgabe es sein soll, über diese bevorstehende Fahrt zu berichten. Nach anfänglicher Ruhe entwickelt sich die Fahrt jedoch sehr bald zu einer nervenaufreibenden Odyssee, die die gesamt Besatzung bis an die Grenze der physischen Belastbarkeit führt.

Was an dem Film als erstes bemerkenswert ist, ist, dass er weder kriegsverherrlichend ist, noch mit erhobenem Zeigefinger den Krieg anprangert. Vielmehr wird es dem Zuschauer überlassen, zu erkennen, wie die Erlebnisse den Beteiligten an die Substanz gehen. Dabei geht der Film zwar nicht an die Grenzen (Unmengen an Toten und Verletzten gibt es auf der Fahrt nicht), aber trotzdem wird hier eine echte Hölle gezeigt, und nicht zuletzt aufgrund der guten Schauspieler lassen die Geschehnisse den Zuschauer gewiss nicht kalt. Die Stimmung ist darüberhinaus düster und es gibt eine Menge spannender Szenen. Außerdem wäre da noch das Ende, welches absolut schonungslos und brutal ist und brillant inszeniert wurde.

Auch was die optische Umsetzung angeht, ist „Das Boot“ ziemlich gelungen. Da wäre z.b. das U-Boot selbst, ein enges Stahlmonstrum, indem sich jeder ungern aufhält, besonders in den kritischen und nervenaufreibenden Situationen, die die Mannschaft im Film durchlebt. Was mir ziemlich imponiert hat, sind die Außenaufnahmen des U-Boots auf hoher See, die übrigens mit Modellen aufgenommen wurden. Und die bekannte Titelmusik von Klaus Doldinger ist auch ziemlich klasse. Bekanntlich wurde diese Melodie in den 90er Jahren von einem Technofritzen für einen seiner Songs verwurstet, und er konnte mit dieser Version einige Erfolge feiern.

Zur Besetzung: Was soll man sagen? Lauter bekannte Namen aus dem deutschen Film und Fernsehen sind vertreten. Angefangen mit Jürgen Prochnow (der es auch zu internationalem Ruhm geschafft hat) wären da Uwe Ochsenknecht, Klaus Wennemann, Martin Semmelrogge und Heinz Hönig, um nur die bekanntesten zu erwähnen. Und genau so gut, wie sich diese Besetzung anhört, agiert sie auch. Es gibt keinen einzigen mittelmäßigen Schauspieler (!) alle sind klasse, spielen ihre Rollen glaubhaft und sorgen somit auch für ein authentisches Feeling.

Man kann vielleicht darüber streiten, ob „Das Boot“ insgesamt ein wenig zu lang ist. Gerade zu Beginn gibt es ein paar Phasen, in denen das Boot nur vor sich hin schippert und die Besatzung zum Nichtstun verdammt ist. Ich persönlich empfinde ihn aber trotzdem zu keiner Zeit als langweilig.

Zum Thema Fassungen: Über DVD-Fassungen kann ich mich nicht äußern, da ich „Das Boot“ bisher noch nicht auf DVD gesehen habe. Es gibt seit einigen Jahren einen Directors Cut, der auch schon einige Male im Fernsehen lief und den ich für eine sehr gelungene Fassung halte, auch wenn eine gute Szene, die mir noch im Hinterkopf geblieben war, im Directors Cut nicht enthalten ist.

Alles in allem also ein ziemlich guter deutscher Film, der seinerzeit verdientermaßen auch mehrmals für den Oscar nominiert wurde. Ich finde es vor allem gut, dass er aus Deutschland kommt.

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