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Die den Tod nicht fürchten

Laut Truffauts berühmten Buch Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?  soll Hitchcock selber mit diesem Projekt geliebäugelt, es aber schließlich fallengelassen haben. Seine Begründung klingt durchaus nachvollziehbar:  Die Ausgangssituation sei einfach zu stark, zu misteriös, und gegen Ende würde es dann zu schwerfällig. Die Aufklärung sei nicht auf dem Niveau der Overtüre.

Und tatsächlich ist das erste Drittel des Filmes eine bemerkenswert spannende Angelegenheit:  In einer Sturmnacht auf dem Meer stößt der Kapitän eines Bergungsbootes auf das scheinbar völlig verlassene, havarierte Frachtschiff Mary Deare. An Bord befindet sich nur noch der Kapitän Patch, der offensichtlich die Absicht hat, einige Ungereimtheiten zu vertuschen und das Schiff an einem Felsenriff zerschellen zu lassen.

Die klaustrophobische Atmosphäre auf dem verlassenen Schiff könnte nicht stimmiger sein:  ein finsteres, stählernes Ungetüm, das sich seinen Weg durch die nächtliche See bahnt.
Doch irgendwann verlagert sich die Handlung dann an Land, wo wir unter anderem Zeuge einer Gerichtsverhandlung werden, und der Film beschreitet von nun an konventionellere Wege, bis es zum Finale wieder zum Wrack der Mary Deare hinausgeht, wo es zur tödlichen Auseinandersetzung mit einigen Killern (u.a. Richard Harris) kommt.

Hitchcocks Begründung ist nicht von der Hand zu weisen, was aber nichts daran ändert, daß wir es hier mit einem fabelhaften, teilweise hochspannenden Abenteuer-Thriller zu tun haben, der zudem mit zwei charismatischen Hauptdarstellern und einem vorzüglichen Musikscore von George Duning aufwarten kann.
Sehr empfehlenswert.

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