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Und wieder geht er um: Der „große Mann“.

Mit deutlich mehr Geld im „Säckl“ macht sich Don Coscarelli auf, die Geschichte des „Tall Man“, der mir immer noch nicht so sonderlich groß vorkommen will, weiter zu erzählen. Dabei schließt Teil 2 der immer noch nicht abgeschlossenen Saga direkt an den ersten Film an.

*Spoiler für Leute die den ersten Teil noch nicht gesehen haben* Wir erinnern uns. Am Ende von „Das Böse“ wurde Mike, dem mädchenhaften 13-jährigen, von seinem Freund Reggie offenbart, dass seine Erlebnisse mit dem eigenartigen Bestatter, eben dem „großen Mann“, der Leichen zu Ewoks schrumpfte und wiederbelebte um sie in einer anderen Dimension Sklavendienste verrichten zu lassen, nur in seiner Fantasie (vgl. „Phantasm“) stattgefunden hatten. Tatsächlich wollte sein Unterbewusstsein damit nur den Tod seines Bruders Jody verdrängen. Hirngespinste hin oder her, am Ende taucht der böse Bestatter plötzlich doch noch einmal auf und entführt Mike mit Hilfe seiner Zwergenkumpels. *Spoiler Ende*

Wie gesagt führt „Phantasm II“, nach einer kurzen Einleitung die Geschichte unmittelbar fort, indem nämlich Reggie seinen Freund Mike aus den Klauen des Bösen rettet – nicht ohne vorher sein gesamtes Haus in die Luft zu sprengen, was schön oldschoolig umgesetzt wurde. Nach einem längeren Aufenthalt in der Klapse wird Mike nun nicht nur von einem komplett anderen (und recht unsympathisch wirkenden) Schauspieler gemimt, auch bei Reggie hat sich einiges getan. Dieser hat nun nämlich Drehbuchbedingt alles vergessen. Warum wird nicht erklärt. Nach Mikes Entlassung, einer weiteren Explosion von Reggies Haus und dem damit verbundenen Tod seiner Familie, sind die Beiden fortan quer durch die Staaten unterwegs um dem „Tall Man“ endgültig das Handwerk zu legen.

Die sprunghafte Erzählweise von Teil I hat sich leider nur ein wenig verbessert. So folgen wir zwar endlich mal einem durchgehend roten Faden, dennoch werden viele Charakterisierungen und Handlungslücken nicht weiter erklärt und müssen als Gegeben hingenommen werden. Hinsichtlich des zähen Spannungsaufbaus jedoch hat sich so einiges getan. „Das Böse“ geht diesmal nämlich von Anfang an in die Vollen und präsentiert uns schon in den ersten Minuten einen ordentlichen Knalleffekt. Danach wird es auch nur für kurze Zeit ruhiger und spätestens wenn Kettensäge und vierläufige (!) Schrotflinte ausgepackt werden, ist klar, dass Coscarelli aus seinen Fehlern beim Erstling gelernt hat. Auch die Schauspieler machen ihren Job durchaus ok, auch wenn es ihnen, bis auf Reggie Bannister und Angus Scrimm, immer noch nicht so recht gelingen will den Figuren Leben einzuhauchen. Das mag aber auch dem abartig hässlichen Grinsen von Mike-Darsteller James LeGros geschuldet sein, der es aber immerhin mittlerweile in Streifen wie „Thursday“ oder David Fincher´s „Zodiac“ geschafft hat. Ich jedenfalls hab mit diesen 80er-Jahre-Boybandfressen einfach meine Probleme, aber das mag auch eine sehr subjektive Einschätzung sein. Hinzu kommen noch zwei Love-Interests in Form einer Anhalterin (für Reggie), mit der es eine herrlich komische Sexszene gibt, und einer mental begabten Tussi (für Mike), die eher eine Art MacGuffin darstellt als wirklich im Kontext Sinn zu ergeben.

Schön ist schon mal, dass Coscarelli deutlich mehr Kohle ausgeben konnte und sie auch dem Genre entsprechend sinnvoll genutzt hat. Wenn nicht gerade herumgeballert oder irgendetwas in die Luft gesprengt wird, versorgt uns der Libyer mit einigen tollen, atmosphärischen Bildern. Besonders hervorzuheben sei hier eine Szene auf einem großen Friedhof, bei dem alle Gräber offen stehen. Wirklich sehr cool! Endlich kommt auch ein wenig Blut vor und auch die Maske war nicht untätig. Der geneigte Actionhorrorfreund darf sich also freuen, zumal auch die Sphären jetzt nicht nur in der Mehrzahl sondern auch deutlich häufiger in Erscheinung treten. Auf ein paar knackige Oneliner wollte man wohl ebenso nicht verzichten, wobei ich befürchte, dass der ein oder andere der Synchronisation zum Opfer fiel.

Wenn nun die Geschichte auch noch durchgehend spannend inszeniert wäre, die Hauptperson einem endlich mal nicht auf die Nüsse gehen würde, die Handlung etwas weniger fragmentarisch wäre und dauernd auf Teufel-komm-raus irgendwelche neuen Personen in die Handlung quetschen würde, ja, wenn der Konjunktiv und Schachtelsätze endlich abgeschafft würden, „Phantasm II“ hätte sich einen netten Platz neben Genreklassikern wie „Evil Dead“ verdient. Aber man will ja nicht unzufrieden sein. Denn eigentlich kann man einem Film, in dem mit einem Schuss aus der Flinte vier kleine Zwerge zerlegt werden, in dem Höllendimensionen und Kettensägenduelle (sehr lustige Szene!!!) vorkommen, gar nicht böse sein. Denn Teil 2 der Reihe um den bösen Bestatter ist trotz seiner Schwächen äußerst kurzweilig, hat coole Effekte und liefert endlich mal ein paar Details zum Hintergrund von dit Janze (zum Beispiel, warum das Blut der Bösen immer so Gelb ist). Jedenfalls hätte ich mir, wäre es nicht schon Zeit fürs Bettchen gewesen, gerne noch den dritten Teil im Anschluss angesehen – und das ist ja nun nicht das schlechteste, was man über einen Film sagen kann.

7,5/10

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