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Alfred Tetzlaff hatte Recht! Nun, nicht in grundsätzlich allen Bereichen, aber wenn es um die Schmähungen gegen seinen linken Schwiegersohn Michael ging hatte der deutsche TV - Urvater aller WutbürgerInnen durchaus so seine Vorahnungen: der herrlich plakativ betitelte Klaumauker "Die tollkühnen Penner" präsentiert uns genau den Menschenschlag, vor denen uns Ekel - Alfred immer gewarnt hat. Aber wir wollten ja nicht auf ihn hören! Zum Glück, sonst hätten wir dieses Kleinod des Deutschulks nie zu Gesicht bekommen.

So verschieden der aalglatte Choleriker Marius und der verpeilte Hypochonder Diether auch sein mögen, die Abneigung gegenüber Leistungszwang und Steuern eint die beiden überzeugten Arbeitslosen nicht nur freundschaftlich, sondern auch als Geschäftspartner: die beiden notorischen Schmarotzer haben ein einträgliches organisiertes Bettelgeschäft aufgebaut, dass ihnen sowie ihren Mitarbeitern (anderen Bettlern halt) ein durchaus einträgliches und vor allem steuerfreies Monatsgehalt einbringt. Skrupel kennen die beiden Betrüger, die sich in wechselnden Verkleidungen und an verschiedenen Standorten durch das schnieke Düsseldorf schmarotzen, keine, jedoch andere, tiefergehende Gefühle, als sie die (im Gegensatz zu ihnen) hart arbeitenden Schwestern Anne und Carola kennen lernen, die sich prompt in die beiden Sozialschmarotzer verlieben.

Eine Handlung so dünn wie das Nervenkostüm des Polizisten (Ernst Hilbich!), der sich im Laufe des Filmes ein paar Mal mit Marius und Diether anlegen darf, aber der filmische Beklopptenkosmos, durch den sich die Beiden schlagen müssen ist die Sichtung durchaus wert: Während Marius seine Freizeit mit Baggern im Sandkasten der holden Weiblichkeit verbringt ist Diether bekennender Sammler von Nasenplastiken und ungesund auf Gehirnkrankheiten fixiert, Anne und Carola wiederrum beherbergen ab Filmbeginn einen wildfremden Zitterspieler, passenderweise von allen nur "Der dritte Mann" genannt und auch die Mitarbeiter der beiden Chefschnorrer sind schillernde Persönlichkeiten mit liebenswerten Macken. Im Übrigen sind die Gründer der Penner - GmbH hervorragend vernetzt und erhalten ihre Geschäftszahlen aus Hamburg über einen Piratensender. Dinge, die man wie die Bett zu Bett - Telefonate (im selben Raum wohlgemerkt!) sowie den permanent den Wohnungseingang versperrenden Wandschrank als Zuschauer einfach akzeptieren muss, später sogar zu lieben lernt.

Leider hat es der Film außerhalb des Kinos bisher nur auf VHS zu höheren Ehren gebracht, was ich äußerst bedauernswert finde. Sollte hier zufällig ein Mitarbeiter von FilmArt mitlesen sei angemerkt, dass dieses durchgeknallte Werk, an dem neben den beiden Hauptdarstellern auch ein junger Marius Müller Westernhagen mitgeschrieben hat, PERFEKT in eure Edition Deutsche Vita passen würde! Und wenn dazu ein Crowdfunding erforderlich ist, dann sei es so! Einen Spender hättet ihr, dem die Veröffentlichung doch einige hundert Euro wert wäre. "Dagegen ist Schweinefleisch ein alter Eimer", um mal Marius zu zitieren. 

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