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Shin'ya Tsukamotos Horrorkurzfilm "Haze" gehört zweifellos zu den außergewöhnlichsten Genrebeiträgen der letzten Jahre. Simpel wie faszinierend zugleich gibt sich die Story des extrem düsteren und farblosen Werks: Ein Mann fortgeschritteneren Alters (Tsukamotos höchst persönlich) kommt inmitten eines klaustrophobisch engen Betonlabyrinths zu sich, nicht wissend, wie er hierhin gelangt ist und warum man ihn hierher verbracht hat. Praktisch nur auf denTastsinn beschränkt, beginnt die Suche nach Ausweg und Erklärung.

Die im wahrsten Sinne des Wortes drückende Atmosphäre von "Haze" springt sofort über und nimmt den geneigten Zuschauer gefangen. Insbesondere die kniffelige Kameraarbeit innerhalb des höllisch-engen Labyrinths überzeugt und sorgt dank des innovativen Szenarios trotz aller Schlichtheit für knisternde Spannung und bisweilen munteres Rätselraten auf der finsteren Entdeckungstour. So manch schauriger Fund zeichnet dann auch konsequent den kräftezerenden Irrweg, bevor Shin'ya Tsukamoto seinen Horrortripp in einem überraschenden Finale münden lässt, das mitunter mehr Fragn aufwirft als es zu beantworten vermag - ganz nach japanischer Art eben. Zurück bleibt in jedem Falle ein verblüffter und idealerweise faszinierter Zuschauer.

Sowohl in schauspielerischer wie auch in technischer Hinsicht gibt sich "Haze" praktisch makellos, punktet zudem durch seine kreative Story und die angenehm kompakte Laufzeit. Dennoch wird Tsukamotos Horrorstück sicherlich nicht jedem gefallen, denn dazu ist er schlicht zu speziell. Wer sich jedoch gerne mal auf halb-experimentale japanische Genrekost einläßt, den erwartet ein durchaus denkwürdiges Horrorerlebnis, das man darüberhinaus am besten alleine und in völliger Dunkelheit genießt.

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