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kurz angerissen*

Wer mal einen Bericht über japanische 5-Quadratmeter-Wohnungen gesehen hat, in denen Kochplatten auf dem Toilettensitz aufgestellt werden, dem wird das perfide Steinlabyrinth aus den Hirnwindungen von Shinya Tsukamoto vielleicht gar nicht mehr so abstrakt vorkommen. Nach Silhouetten ausgeschnittene Gänge, so maßgeschneidert wie ein Hochzeitsanzug, limitieren den dreidimensionalen Agitationsbereich, den man als mündiger, freier Mensch gewohnt ist. Im experimentellen Kurzfilm "Haze" gibt es nur zwei Dimensionen, und selbst die Bewegungsrichtung wird oft wie von Geisterhand ferngesteuert. Als wäre das nicht genug, werden Sackgassen hinzuaddiert, in deren Winkeln sadistische Fallen warten; so lauert beispielsweise ein Hammer an der einzigen Stelle, die zumindest ein wenig Erholung verspricht, um mit konstanten Schlägen mürbe zu klopfen. Garniert wird der Horror, den klaustrophobisch veranlagte Zuschauer ohne Wenn und Aber vermeiden sollten, mit schwimmenden Körperteilen zerteilter Leidensgenossen. Deutet die schlauchartige Architektur der offenbar unterirdischen Konstruktion an, dass hier offenbar jemand ein "Spiel spielen" will - der Mainstream kennt es aus den "Saw"-Filmen - weisen die achtlos gesammelten Leichenreste darauf hin, dass dem Erbauer das Schicksal seiner Laborratten im Grunde egal zu sein scheint.

Wenn hier mal nicht ein drastisches Gesellschaftsbild gezeichnet wird! Mit einem Slasher der Marke "Saw" hat "Haze" daher auch viel weniger zu tun als beispielsweise mit einem "Eraserhead", der zwar einen anderen Weg nahm, um Beklemmung zu erzeugen, jedoch mit dem gleichen Resultat aus der Gleichung kam. Verquasten Kunstquatsch werden das viele genannt haben, denn Gestöhne der Erschöpfung, körniges Bild und null Erklärung der völlig kontextlos präsentierten Vorgänge verführen dazu, das Vorhandensein eines Sinnes zu hinterfragen. Dabei explodiert "Haze" regelrecht vor lauter Subtext. Ganz wie zu besten "Tetsuo"-Zeiten.

*weitere Informationen: siehe Profil

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