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Ein Mann erwacht in einem finsteren, labyrinthartigen Schacht, in dem er sich nur kriechend vorwärts bewegen kann, ohne Erinnerung daran, wer er ist und wie er hierher gekommen ist. Auf seiner verzweifelten Suche nach einem Ausgang sieht er sich einer unsichtbaren, höllischen Gefahr ausgesetzt. Ein albtraumhafter Überlebenstrip beginnt...

Der kaum 50 Minuten laufende japanische Albtraum-Schocker mit Mystery- und Splatter-Elementen dampft die Story auf das Allernotwendigste ein. Es gibt keinerlei Vorgeschichte oder Einleitung, keine Rückblenden oder inhaltliche Atempausen. Das mag anfangs ein wenig irritieren, ebenso wie die extrem dunklen Bilder, die mitunter nur schwer erkennen lassen, was gerade geschieht, und die teils stark verwackelte Kamera, die sich in Detailaufnahmen und plötzlichen Schnittfeuerwerken verwirbelt und teilweise durch diese unkenntlichen Ereignisse nerven kann. Aber mit der Zeit entpuppt sich dieser minimalistische Stil als grandioses Mittel, um den Zuschauer konsequent und gnadenlos in die kaum erträgliche Atmosphäre dieses Albtraums hineinzuziehen.

Bei aller surrealen Ausstattung des Settings bleiben die Reaktionen des Mannes durchgehend realistisch - in der ersten Filmhälfte gibt es bis auf wenige aus dem Off eingesprochene Gedanken keinerlei Dialog, dafür extreme Nah- und Detailaufnahmen auf sein Gesicht, während er verzweifelt ums Überleben kämpft. Erst später, als er in seinem Martyrium einer fremden Frau begegnet, gibt es einige Dialoge, die ebenso glaubhaft und überschaubar bleiben. Und wenn man als Zuschauer schon glaubt, hier lediglich einem formalen Experiment ausgesetzt zu sein, liefert das drastische und tragische Finale dann plötzlich eine zwar im Genre bekannte, aber intensiv inszenierte und emotional mitreißende Auflösung für das gezeigte Grauen. Damit erweist sich das Drehbuch als bedeutend cleverer, als man es anfangs für möglich hält.

Neben der kurzen Laufzeit sorgen auch die zwar manchmal zu dunklen, aber immer wieder albtraumhaften Bilder für fast durchgehende Spannung, die sich zum Ende hin durch unheimliche Andeutungen und heftige Ekelszenen rapide steigert - allein das Waten der beiden durch mit Leichenteilen und Blut verpestetes Wasser ist so dicht und hautnah inszeniert, dass sich die Übelkeit der Bilder direkt auf den Zuschauer überträgt. Auch wenn die wenigen direkten Gewaltszenen nur angedeutet werden, entwickelt sich schnell eine düstere Atmosphäre der unmenschlichen Brutalität und Grausamkeit, verstärkt durch das dunkle, dreckige und enorm klaustrophobische Setting, von dem nur Wände und schmutzige Böden zu erkennen sind. Anfangs erinnern einige Fallen noch ein wenig an „Saw", auch wenn diese hier nicht so tödlich und konsequent ausfallen. Mit dem Auftreten der Frau verlagert sich der Schwerpunkt jedoch hin zum mysteriösen, subtileren Gruselschocker, der einen permanent eine schreckliche Eskalation befürchten lässt.

„Haze" ist ein visuell nicht immer gelungener, aber insgesamt doch starker Horror-Schocker, der die Konsequenz seiner Handlung mit einem so klugen wie tief emotionalen Finale auflöst und dank unheimlicher Bilder, Geräusche und Andeutungen gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Wer sich auf dieses bizarr-surreale Stück Film einlässt, wird mit einem finsteren Trip in tiefste Albtraumwelten belohnt, wie sie selbst ein David Lynch nicht besser hätte kreieren können.

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