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Im Hause des jungen und erfolgreichen Arztes Yukio, kommt es zu unheimlichen Todesfällen. Die mysteriösen Vorfälle scheinen in irgendeiner Weise mit einem benachbarten, seuchengeplagten Slum in Verbindung zu stehen, einer Gegend, die Yukio und andere Personen aus seinem aristokratischen Umfeld wie die Pest meiden. Da taucht plötzlich ein Mann auf, der Yukio zum Verwechseln ähnlich sieht...


Diesen japanischen Film von 1999 einem bestimmten Genre zuzuordnen, das fällt gar nicht so leicht. Es trifft die Sache wohl am ehesten, wenn man dieses Werk von Regisseur Shinya Tsukamoto als Genre-übergreifende Mixtur ansieht, denn hier treffen sich Elemente des Horror / Thrillers mit denen des Mystery-Films und auch dramatische Züge sind durchaus erkennbar.

Auf jeden Fall aber handelt es sich bei "Gemini" um einen sehr aussergewöhnlichen Film, der nicht jeden Geschmack treffen wird. Die große Stärke ist hier ganz eindeutig die Ästhetik des Films, der durch wunderbar in Szene gesetzte Bilder und ein gelungenes Spiel mit den Farben zu überzeugen weiss. Hinzu kommt die absolut beeindruckende Kameraarbeit und die perfekt auf den Film abgestimmte Sounduntermalung. So kann man den Film im handwerklichen Bereich nur in den höchsten Tönen loben, denn hier gibt es meiner Meinung nach überhaupt nichts zu kritisieren.

Die Schwächen liegen hier viel eher in der Story begründet, denn nachdem in der ersten Filmhälfte wirklich sehr viel Spannung und eine sehr dichte Atmosphäre aufgebaut wird, die dem Betrachter das Gefühl vermittelt, einen wirklich erstklassigen Mystery / Thriller zu sehen, so verzettelt sich "Gemini" in der verbleibenden Zeit viel zu sehr in einer dramatischen Liebesbeziehung. Im Prinzip wäre dagegen nichts zu sagen, wenn dieser totale Umschwung nicht den bis dahin aufgebauten Spannungsbogen etwas zerstören würde.

Ich will damit keineswegs ausdrücken, das die zweite Filmhälfte schlecht wäre, aber der Umschwung ist doch eher ziemlich gewöhnungsbedürftig und das äusserst gelungene Mystery-Feeling wird etwas zu stark in den Hintergrund gedrängt. Aber vielleicht sind gerade diese verschiedenen Teile des Films genau das, was dieses ungewöhnlichen Werk so auszeichnet.

Insgesamt gesehen hat man auf jeden Fall ein aussergewöhnliches und überdurchschnittlich gutes Filmvergnügen, das aber dennoch noch besser hätte ausfallen können, wenn man die etwas konfuse und teilweise verwirrende Beziehungsdramatik nicht so sehr in den Vordergrund gestellt hätte.


6/10

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