Review

Robert Zemeckis schuf mit Forrest Gump eine moderne Version des Märchens Hans im Glück, etablierte Tom Hanks als absoluten Top-Schauspieler und sagte sich von seinem komödiantischen Background los.
So ganz nebenbei erteilt er dem Zuschauer eine kleine Lektion über Amerikas nicht ganz so weit zurück liegende Geschichte, vermischt diese mit sehr viel Fiktion und scheut sich nicht einmal davor, dem Zuschauer ein Happy End zu vorenthalten.
Dennoch wird Forrest Gump ein absoluter Blockbuster, der durch die ganzen gesellschaftlichen Schichten hindurch eigentlich nur positive Resonanz erfährt.
Denn obwohl Forrest Gump eine einzige Liebeserklärung an die USA ist, so ist er dennoch schelmisch genug, vieles was passiert ist, gründlich zu hinterfragen, und lediglich den Dummkopf Forrest Gump, der nichts hinterfragt, da er dazu gar nicht fähig ist, gerade durchs Leben gehen zu lassen.
Er ist sozusagen der perfekte Amerikaner, weil er als Soldat nur Befehle ausführt, ohne zu fragen. Er ist der perfekte Collegesportler, weil er ohne Rücksicht auf seine eigene person tut was man ihm sagt.
Er ist der perfekte Kamerad, weil er bedenekenlos für seine Freunde durchs feuer geht, er ist der perfekte Vater.
Er ist alles, nur nicht der perfekte Liebhaber, weil er einfach nur ein Simpel ist.
Man kann ihn mögen, man muß ihn sogar mögen, weil er so herzensgut ist, aber man möchte nicht er sein.

Tom Hanks, mögen viele meinen, spielt hier die Rolle seines Lebens und bekommt den Oscar völlig zu recht. Ich behaupte, dass sich der Oscar spätestens mit dieser Auszeichnung selbst disqualifiziert hat (in Wahrheit war er nie ein großer Indikator für herausragende Lesitungen, lediglich ein Spielball irgendwelcher Branchenpolitik): Erfolgreicher Film gleichbedeutend mit Oscar-Vegabe.
Die Wahrheit ist nämlich, dass es nicht sonderlich viel erfordert, immer mit der gleichen Fresse durch das Bild zu wackeln. Es gibt mit Sicherheit mindestens zwei Dutzend weiterer Schauspieler, die die gleiche Rolle mit dem gleichen Ausdruck über die Bühne gebracht hätten - Steven Seagal eingeschlossen (der vielleicht sogar am ehesten, weil er ja bekanntlich tatsächlich nur einen Gesichtsausdruck hat - Auch das  muß man mittlerweile revidieren, im Alter hat er tatsächlich einen zweiten Gesichtsausdruck erlangt: Früher halbwegs dickbackig, heute fett, aber das ist eine andere Geschichte).
Das soll Tom Hanks schauspielerische Leistung in keinster Weise schmälern, hat er doch bereits ein Jahr zuvor in Philadelphia und auch danach öfter bewiesen, dass er tatsächlich ein großer Schauspieler ist.
Also ist es nur löblich, dass es ihm gelang, sich endlich von seinem Image als Sonnyboy zu lösen (ich sage nur Splash oder Big).

Auch Robert Zemeckis tut gut daran sich von seiner Zurück in die Zukunft - Vergangenheit zu lösen.
Seine Inszenierung ist tadellos und über jeden zweifel erhaben, der Film ist überdurchschnittlich gut und bisweilen richtig klasse.
Und trotz seiner leisen satirischen Spitzen und Kritik am amerikanischen Way of Life, immer wieder eine wohltuende Prise patriotisch, Amerika wie es ist.
Forrrest Gump ist eine Ode an den kleinen einfachen Mann, der nicht weiß, was draußen vor sich geht, den es aber auch nicht die Bohne interessiert, weil er zwar keine anderen Sorgen hat, aber sich nicht unbedingt mit anderen Sorgen vollkleistern muß.
Im Prinzip: Nicht wirklich ein amerikanischer Prototyp, oder.

Dennoch, so richtig groß ist der Film dann doch nicht, irgendwie zu glatt, zu langgezogen, irgendwie zu Spielberg (Zemeckis Lehrmeister) ist der Film. Das macht ihn zwar ungemein populär, aber in einer sehr kalkulierten Art un Weise und ein klein bißchen seelenloser.

Und sehr widerstrebend vergebe ich daher 8 Punkte (eiegntlich möchte ich weitaus weniger geben....)

P.S.: Ein kleiner Diskurs nun noch am Rande zur Rolle der Frau in Hollywood: Spielte Sally Field Anfang der Achtziger noch die Freundin von Tom Hanks so spielt sie hier die Mutter. Sprich entweder bist du zwanzig Jahre alt und darfst die Freundin eines Vierzig bis Sechzig Jahre alten männlichen Superstars spielen oder bist du jenseits der dreißig, hast möglichewrweise sogar die 4 vor dem Komma, so kannst du, wenn du Glück hast, unter Umständen die Mutter des gleichen Superstars spielen.
Das war schon damals so in Hollywood, auch schon vorher, aber mittlerweile wurde dieses Prinzip mit Alexander ad absurdum geführt, indem Angelina Jolie mal die Mutter von Collin Farrel spielen durfte....

So, erst mal tschüss

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