Review

Robert Zemeckis' "Forrest Gump" erzählt die Geschichte eines Toren mit gutem Herz und nebenbei noch die Geschichte der Vereinigten Staaten von den fünfziger Jahren bis hinein in die achtziger. Dabei stolpert der Titelheld, dem es eigentlich immer nur darum geht, seine Jugendliebe Jenny wiederzusehen, durch die Jahre und wird eher unabsichtlich immer wieder in historische Ereignisse verwickelt. Dabei versucht der Film gar nicht, glaubwürdig oder realistisch zu sein, was eine seiner größten Stärken ist; so wird der amüsierte Zuschauer Zeuge, wie Forrest Gump noch als Junge Elvis Presley zu seinem berühmten Hüftschwung inspiriert oder viele Jahre später fast versehentlich zum Auslöser der Watergate-Affäre wird.

Aus diesem Stoff hätte man sowohl einen satirischen Blick auf die jüngere amerikanische Geschichte als auch ein modernes Märchen machen können, doch "Forrest Gump" ist leider keines von beidem. Für eine Satire ist er zu melodramatisch, andererseits überzeugt er (mich zumindest) auch nicht als modernes Märchen, da es ihm an der dafür erforderlichen Poesie mangelt und er nicht konsequent genug seine eigene Welt erschafft (wie dies Jean-Pierre Jeunets "Die fabelhafte Welt der Amelie" auf so wunderbare Weise gelingt).

Der Film kann sich nie so recht entscheiden, welchem Genre er angehören möchte; ich weiß, daß gerade das vielen Leuten sehr gefallen hat, doch ich konnte mich dafür nicht so recht begeistern. Außerdem gelang es dem Film mit seiner episodischen Struktur nicht, mein Interesse die vollen 142 Minuten lang aufrechtzuerhalten.

Daß "Forrest Gump" trotzdem ein recht guter Film ist, ist vor allem Tom Hanks zu verdanken, der den Film mit seiner großartigen Leistung vor der Mittelmäßigkeit bewahrt. Hanks ist wirklich in allen Szenen und Situationen überzeugend, insbesondere auch deshalb, weil es für diese Figur keinerlei reales Vorbild gab, an dem er sich hätte orientieren können, er mußte Forrest Gump in gewisser Weise selbst erfinden. Das ist ihm ganz ausgezeichnet gelungen, wofür er zu Recht mit einem Oscar belohnt wurde; keine andere der goldenen Statuen, die der Film gewonnen hat, war so berechtigt wie die Auszeichnung für Hanks.

Trotzdem muß ich insgesamt feststellen, daß ich den Film für überschätzt halte, auch auf die Gefahr hin, mich mit dieser Kritik im Forum unbeliebt zu machen. "Forrest Gump" ist meiner Meinung nach ein durchaus guter Film, aber als Meisterwerk kann ich ihn guten Gewissens nicht bezeichnen.

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