Dieses Kritik enthält Handlungsspoiler
„Forrest Gump“ ist einer dieser Filme mit ziemlich sicherer Tränengarantie. Nein, kein triefender Hollywood-Kitsch wie „Schlaflos in Seattle“ und Konsorten, sondern ein wirklich ehrlicher und aufrührender Film. Das Genre ist nicht einfach zu bestimmen, er ist irgendwo zwischen Drama und Komödie angesiedelt, verschmilzt diese beiden aber nahtlos, so das man für den Film eigentlich eine neue Bezeichnung erfinden müsste.
Die Handlung dreht sich um den geistig zurückgebliebenen Forrest Gump und dessen Versuche, mit seiner naiven Art alle Situationen des Lebens zu meistern (und dies auch mit Bravour schafft). Ganz nebenbei wird dabei noch Amerikas Geschichte, von Vietnamkrieg bis zur Watergateaffäre abgehandelt, die auf wundersame, aber doch liebenswerte Weise mit der Geschichte von Forrest verknüpft sind. Im Kern der Handlung dreht sich jedoch alles um die Liebesgeschichte mit seiner Jugendfreundin Jenny, die erst, als ihr Ende unabwendbar ist, zu ihm zurückkehrt. Diese Liebesgeschichte ist es auch, die einen als Zuschauer zu Tränen rührt, wenn zum Beispiel Forrest seinem Fischerboot den „schönsten Namen der Welt“, nämlich Jenny gibt oder er vor ihrem Grab mit sich selbst redet. Die wunderschöne, gefühlvolle und in keinem Fall kitschige oder zu laute Musik von Alan Silvestri (für Filmmusikfans als auch einzelne CD sehr empfehlenswert) unterstützt das natürlich noch. Aber auch die nicht extra für den Film komponierte Musik, nämlich Oldies aus der Zeit, in denen die Handlung gerade verläuft (von Elvis bis zu den „Streets of San Francisco“) fügt sich perfekt in das Gesamtbild ein, und manchmal, wenn Forrest von der Zeit erzählt (als Off-Kommentator) und dabei Originalaufnahmen ablaufen, bekommt der Film fast schon den Stil einer Dokumentation.
Bei einer Handlung, die sich zu 90% auf ihre Hauptperson, Forrest Gump, stützt, war ein guter Schauspieler natürlich enorm wichtig und mit Tom Hanks hat Zemeckis diesen auch gefunden. Ich könnte mir einfach niemand anderen in dieser Rolle vorstellen, er spielt seine Person zwar so geistig zurückgeblieben, wird für den Zuschauer aber gleichzeitig so liebenswert und es passiert das, was nur wenigen Schauspielern gelingt: Der Zuschauer identifiziert sich mit einem Behinderten, er leidet mit ihm und freut sich über das, über was sich Forrest freut. Hanks ist einfach nur die Idealbesetzung für diese Rolle gewesen.
Obwohl die Rolle kleiner ist, ist Jenny eine handlungstechnisch fast genauso wichtige Person und auch Robin Wright meistert ihre Rolle mit Bravour. Das sie stellenweise dennoch etwas blass bleibt, liegt nicht an ihr, sondern eher am Drehbuch, welches sich nun mal ganz auf den Hauptdarsteller konzentriert.
Auch die anderen Rollen, meist Personen, die Gump eine kurze Zeit in seinem Leben begleiten, sind perfekt besetzt. Von seiner liebenswürdigen Mutter, gespielt von einer genialen Sally Field, über Lt. Dan, dargestellt von Gary Sinise, der hier glaubwürdig den Wandel vom stolzen Soldaten bis zum heruntergekommenen, versoffenen Krüppel darstellt, bis hin zu Bubba, Forrest’s besten Freund in Vietnam gibt es hier schauspielerisch nichts zu bemängeln.
Ein weiterer, von vielen nicht beachteter Pluspunkt sind die Computereffekte. Warum sie von vielen nicht beachtet werden? Ganz einfach, weil man sie nicht sieht (und das macht ja einen guten CGI-Effekt aus). Ich empfehle zu diesem Thema die Bonus DVD des Films.
Zemeckis Regie ist einfach nur...traumhaft. Er zeigt mit diesem Film, dass er von der Regie eigentlich alle Genres, von Kriegsfilm über Liebesfilm bis hin zu Komödie beherrscht und diese auch noch, wie oben schon gesagt, verbinden kann. Von der ein- und ausführenden Feder bis zur Flucht der Kinder durch das Maisfeld vor Jennys gewalttätigen Vater stimmt hier alles. Und wo wir gerade bei Kinder sind, auch die beiden Jungdarsteller, also Forrest und Jenny in ihren jungen Jahren, meistern ihre Rolle mit Bravour, was ja leider eine Seltenheit ist.
Nach all diesen Lobeshymnen: Gibt es eigentlich negative Aspekte an diesem Film? Ehrlichgesagt fallen mir im Moment absolut keine ein. Man kann ihn sich sehr oft ansehen und entdeckt immer wieder was neues, langweilig wird er nie. Außerdem ist er keiner dieser Filme, die man anschaut und wieder vergisst. Er bleibt einem noch lange im Gedächtnis (mir jedenfalls).
Und am Ende weiß man, das an dem Werbeslogan doch etwas wahres dran sein muss:
„Die Welt wäre besser, wenn es mehr Menschen wie Forrest Gump gäbe.“
10/10