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Eine Feder schwebt durch die Luft, sinkt langsam auf die Erde zu, landet noch einem Mann auf der Schulter bevor sie endgültig vor einem merkwürdig dreinblickenden Menschen mit verdreckten Schuhen und weißer Hose, der auf einer Parkbank sitzt, liegen bleibt. Dieser Mann hebt die Feder auf und legt sie behutsam in ein Buch. Als eine Frau aus einem anhaltenden Bus steigt und sich neben ihn setzt, stellt er sich vor. "Mein Name ist Forrest, Forrest Gump." Von da an erzählt Forrest den vorbeikommenden Passanten seine Lebensgeschichte.

Spätestens nach 5 Minuten ist man schon mittendrin in der Geschichte und kann nicht mehr entrinnen. Dank Tom Hanks ist einem Forrest Gump auf Anhieb sympathisch, obwohl er geistig zurückgeblieben ist, oder gerade deswegen? Über diesen Menschen, der da so naiv auf der Bank sitzt, möchte man gleich mehr wissen und lauscht gebannt seinen Worten, wie er in Rückblenden phasenweise seinen Lebenslauf schildert. In den 50ern beginnt seine Geschichte, wo er sich als Gehbehinderter zurechtfinden muss und nebenbei Elvis Presley seinen legendären Hüftschwung beibringt. Trotz eines niedrigen IQ’s schafft er das College und wird gefeierter Footballspieler. In den 60ern wird er in die Army eingezogen, bald darauf kämpft er in Vietnam und kehrt als Kriegsheld zurück. Als Schrimpkutterkapitän gelangt er schließlich zu einem Vermögen. Während all dieser Jahre steht ihm seine Jugendliebe Jenny zur Seite, aber manchmal auch nicht.

Ist es das, was die Faszination an diesem Film ausmacht? Ich denke ja, es ist einfach interessant zu sehen, wie ein Simpel wie Forrest Gump 30 Jahre amerikanische Geschichte erlebt und selber sogar mitbestimmt, wenn auch eher unfreiwillig. Selbst schlimme Kapitel wie der Vietnamkrieg werden durch seine Augen erträglicher und können mitunter sogar erheitern. Durch seine Verdienste begegnet er auch immer wieder wichtigen Persönlichkeiten, etwa John Lennon oder John F. Kennedy. Diese Sequenzen gehören mit zu den witzigsten im Film und sind in Sachen Effekte eine Meisterleistung. Tom Hanks wurde hier mittels Bluescreen-Verfahren in Szenen hineinversetzt, die so wirklich geschehen sind. Solche historischen Anspielungen gibt es in "Forrest Gump" haufenweise und setzen ein gewisses Grundwissen in Geschichte voraus, um darüber lachen zu können.

Für Tom Hanks war es sicher nicht leicht, eine Person darzustellen, die so nur auf dem Papier des Drehbuchs existierte und keinerlei reale Vorbilder hat. Doch er erschuf mit einer Meisterleistung eine Figur zum Leben, die man sofort ins Herz schließt und die jetzt schon Kult ist. Sprüche wie "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: Man weiß nie, was man kriegt" oder "Mein Name ist Forrest, Forrest Gump" sind jetzt schon jedermann bekannt und in die Filmgeschichte eingegangen. Auch die weiteren Rollen wurden mit Sally Field, Gary Sinise, Mykelti Williamson und Robin Wright exzellent besetzt.

Der Soundtrack ist einer der besten der Filmgeschichte. Etwa zur Hälfte besteht der Film aus bekannten Oldies und Evergreens, die man sehr gut gewählt hat und die zu jeder Situation passen. Die andere Hälfte sind Instrumentalstücke von Alan Silvestri, der hier eine Meisterleistung abgeliefert hat. Die "Forrest Gump Suite" ist so schön, dass man schon beim Intro das Weinen anfangen könnte. Ich empfehle hier beide Soundtracks, die erscheinen sind (einmal Doppel-CD mit den Oldies und dann noch die Instrumentalstücke) uneingeschränkt.

"Forrest Gump" muss man einfach gesehen haben und das hat wohl schon jeder getan, Gelegenheiten gibt es aufgrund der häufigen Free TV Ausstrahlungen ja genug. Diesen Film sollte man sich am besten auch noch auf DVD sichern, denn "Forrest Gump" gehört schon jetzt zu den großen Hollywoodklassikern, der eine denkwürdige Figur hervorbrachte. Abwechselnd schön und traurig, mit unheimlich viel Liebe zum Detail inszeniert und außerdem für jede Altersstufe geeignet. Einfach nur wunderbar, Taschentücher bereithalten!

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