"Meine Mama hat immer gesagt, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt."
Forrest Gump (Michael Conner Humphreys / Tom Hanks) sitzt auf einer Bank an einer Bushaltestelle und erzählt einigen dort nacheinander zufällig wartenden Personen episodenhaft die wichtigsten Ereignisse seines Lebens. So wurde er als Junge wegen seines geringen Intelligenzquotienten von knapp unter 75 sowie seiner Beinschienen gehänselt. Nur seine Mutter (Sally Field) und seine Freundin Jenny Curran (Hanna R. Hall / Robin Wright) halten zu ihm. Eines Tages sprengt er beim Laufen seine Beinschienen. Ab diesem Zeitpunkt verbindet das Laufen besondere Ereignisse in seinem Leben. Im Laufe der Jahre begegnet er zahlreichen bekannten Personen aus Politik und Musik und verliebt sich in Jenny. Diese schafft es aber nicht ihr Leben in eine Richtung zu bringen.
"Forrest Gump" ist einer dieser Filme, denen man im Leben in irgendeiner Form begegnet. Selbst bei Nichtsichtung hat man das ein oder andere Zitat gehört oder kennt welche der eingebundenen, historischen Filmmaterialien.
Die ungewöhnliche Biographie dokumentiert ganz nebenbei das turbulente Zeitgeschehen der 50er, 60er und 70er Jahre. Mal brüllend komisch, mal zu Tränen rührend tragisch und oft auch beides gleichzeitig ist die Geschichte dieses fiktiven Protagonisten eine tragisch-heitere Lebens- und Liebesgeschichte.
Ein wenig erinnert es an ein Märchen, wenn der Protagonist mit schwerwiegenden Situationen konfrontiert wird und diese mühelos meistert. Glücklicherweise ist dies nicht bei allen Stationen seines Lebens so. Manche Dinge sind unveränderbar und entsprechend emotional in der Tragikkomödie präsentiert.
Mit vielfältigen Themen über Krieg, Erniedrigung, Oberflächlichkeit, ungleichen Verhältnissen und Vorurteilen deckt der Film seine Geschichte ab und behandelt sie mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit und Ironie. Nur die letzten 20 Minuten erscheinen etwas ernster und auch zäher als die temporeiche Inszenierung zuvor.
Die wichtigsten Figuren bekommen eine solide Figurenzeichnung, mal schnell nebenbei oder ausführlich ausgewalzt. Die sehr authentischen Figuren mit ihren greifbaren, individuellen Bedürfnissen sind der Kern von der Botschaft des Films, dass weder Geld noch Intelligenz die höchste Freude im Leben sind sondern Freundschaft, Liebe, Hilfsbereitschaft und die Kraft seinen Weg zu gehen.
In manchen Szenen begegnet der Protagonist bekannten Persönlichkeiten. Mit verblüffenden Schnittechniken ist dieser folgend im originalen Material zusätzlich zu sehen oder ersetzt eine dortige Person.
Die eindringliche Musikuntermalung erschafft sehr emotionale Momente und bewegt sich passend durch die prägenden Musikrichtungen der jeweiligen Jahre. Songs von The Mamas & the Papas, Elvis Presley, Simon & Garfunkel und The Byrds finden sich hier in kurzen Sequenzen genauso wieder, wie auch zahlreiche andere bekannte.
Tom Hanks ("Apollo 13", "The Green Mile", "Captain Phillips") spielt den titelgebenden, leicht zurückgebliebenen Protagonisten unglaublich variantenreich. Naivität und Gutherzigkeit sind in seinem Gesicht und seiner Haltung genauso wiederzuerkennen, wie die vorhandenen Einschränkungen.
Gary Sinise ("Kopfgeld - Einer wird bezahlen") und Sally Field ("The Amazing Spider-Man"-Reihe) schauspielern ähnlich ambitioniert. Nur Robin Wright ("Unbreakable - Unzerbrechlich") gerät etwas in den Hintergrund.
Beeindruckender Film mit lebensbejahender Botschaft, die niemals aufdringlich erscheint. "Forrest Gump" hält seine lustigen und tragischen Momente in Waage und präsentiert sie punktgenau. Die Darsteller sind ihren Figuren gewachsen, die Effekte überaus ansehlich. Ein paar Längen zum Schluss trüben etwas das Gesamtbild.
9 / 10