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"Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt."

Dieses Zitat kommt einem nach all der Zeit, seit Veröffentlichung des Films, wohl schon aus den Ohren raus. Und trotzdem kennt es (so gut wie) jeder und jeder vermag mit diesem Zitat diesen Film zu verbinden. Ein herausragender, authentischer und sympathischer Tom Hanks in seiner wohl größten Paraderolle, vielleicht sogar die Rolle seines Lebens.

Die Geschichte rund um den jungen Forrest Gump und seiner unerschütterlichen Liebe zu Jenny, ist über die weitesten Strecken schmerzhaft anzusehen, und trotzdem in manchen Momenten ebenso packend, traurig und berührend. Zum Beispiel, wenn er wieder mal klarstellen muss, dass er zwar ein kleines Problem hat, ihn das jedoch noch lange nicht zum Vollidioten macht. Packend ist in diesem Fall vorallem die Szene in der Forrest seiner Geliebten sagt, er weiß dass er etwas zurückgeblieben ist, weiß aber dennoch ganz genau was Liebe ist. Ein Moment, der auch nach Jahren immer noch bei mir haften geblieben ist.

Im Film werden auch immer wieder mal wichtige und unangenehme Themen angesprochen, traurige Momente....aber mit der Off-Stimme von Forrests auch schön und herzhaft. Solche Momente verteilen sich im gesamten Film. Auf bissigen Humor, folgt oft ein Moment der tief und aufrichtigen Berührung.
Folgendes Zitat ist z.B. genau das, was ich mit dem Wort schön und dem Wort herzhaft verbinde:

"Das müssen ja bequeme Schuhe sein. Ich könnte wetten, man kann mit denen den ganzen Tag herumlaufen und man spürt gar nichts. Ich wünschte, ich hätte solche Schuhe. Mama sagte immer, Schuhe könnten über einen Menschen sehr viel erzählen: wohin sie gehen, wo sie waren... Ich habe schon sehr viele Schuhe angehabt. Wenn ich mich anstrenge, erinnere ich mich vielleicht an mein erstes Paar Schuhe..."

Nichtsdestotrotz lebt der Film auch von seinen lustigen Momenten. Und mit diesen wird ebenfalls nicht gespart. Der Film verherrlicht die Figur Forrest Gump keines Wegs. Manchmal können wir mit ihm lachen, manchmal sogar über ihn, obwohl es bei genauerem Betrachten vielleicht garnicht so witzig war.

Der Film schafft es, wie wenige Filme das zu tun, das traurige und schwere Dasein eines Menschen wie Forrest Gump mit einer gesunden Prise Humor zu verknüpfen aber dennoch immer im richtigen Moment den Ernst der Sache klar zu machen und den roten Faden nicht zu verlieren. Dennoch muss man sagen, dass sich hier und da eine paar kleine Längen befinden, die den Film zwischendurch etwas ausbremsen. Ein paar wenige Sequenzen hätte man sogar weglassen oder kürzen können. Aber ich hab den Film auch schon sehr oft gesehen, also ist das mein subjektives Empfinden.
Aber trotzdem muss man dem Film zu Gute halten, dass er einen Spagat vollbringt, bei dem andere Filme große Probleme haben. Der Spagat zwischen einer herzlichen und berührenden Erzählweise und Inszenierung und einer zutiefst ernsthaften, packenden und berührenden Erzählweise. Es wechselt sich ständig Humor und lustige Szenen mit den ernsthaften, traurigen und gar schlimmen Momenten und Szenen ab.

Die Freundschaft mit Baba, der Traum mit ihm auf einem Kutter zu arbeiten und das Leben zu genießen. Zusammenhalt, Vetrauen, Schicksal, Unterdrückung, Rassismus, Ungleichheit und und und. Der Film erzählt neben der Geschichte Forrest Gump auch eine kleine Geschichte der USA und schneidet Kernthemen an, die sich problemlos und harmonisch mit der Figur des Gump verknüpfen lassen. So ist es vielleicht nicht Rassismus, was Forrest Gump wiederfährt, aber dass ihn jeder für dumm hält und ihn niemand als normal-denkenden Menschen anerkennen will kommt dem in vielen Punkten gleich. So ist es ein weiteres Kunststück eine Geschichte über eine Person zu erzählen und diese dann auch noch quer durch die Geschichte zu jagen. Dabei wird so vieles auch traumatisches wieder aufgewärmt, was viele eigentlich garnicht mehr hören wollen. Der Film erinnert so an Werte, die für alle Menschen wichtig sind.
Die da wären: Gleichheit, Zusammenhalt, Freiheit etc.

Die Musik aus der Hand von Alan Silvestri möchte ich garnicht mehr ansprechen. Ich wage mal zu behaupten jeder von euch kennt sie bereits. Sie versprüht einfach eine kleine Glückseligkeit. Am Ende des Films bringt eben jene Melodie den Film zum ruhigen und verdienten Ende einer aufopferungsvollen und schweren Geschichte und kann in dieser Kompositionen zu Tränen rühren. Das ist Musik.

Von mir gibt das 9 Punkte, da ich tatsächlich an einigen Stellen kleine Längen ausmachen kann, was aber mMn nicht ins Gewicht fällt, weil der Film ein schweres Thema super behandelt. Es ist also trotzdem ein Meisterwerk, dass bereits Generationen überdauert. Tom Hanks in seiner besten Rolle!

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