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Zum Aufwärmen mal ein kleines Wortspielchen:
“Half Light”, das bedeutet Halblicht, schwaches Licht, Licht im Verborgenen, Zwielicht, ein Licht, das zum Teil vom Schatten verborgen wird. Licht und Dunkel sozusagen auf einem Raum. Das Licht, es scheint, von der Sonne, aus einer Taschenlampe, dem Papst aus dem Arsch, ganz egal woher. Auf einen Punkt gebracht: die Prozedur des “Light”, das, was es macht, ist das “Shining”.
Und was ist mit dem dunklen Element im Titel, das durch das Wort “Half” suggeriert wird? Auf welche Art scheint das Licht? Auf eine düstere Art, genau, man muss schließlich die Mystery-Elemente schon in der Kopfzeile integrieren. Verleihen wir dem scheinenden Licht also das Attribut “dunkel”, dann haben wir den dunklen Schein. Und nun her mit den Anglizismen, so ersetzen wir “Half Light” für “The Dark Shining” - ein perfektes Synonym.

Und genauso ist “Half Light - der Film” ein Synonym für die Filme “The Dark” - der mit den Zombieschafen - und “Shining” - der von Stephen King. “The Dark Shining” halt.

Wozu braucht man nun ein Synonym? In der Sprache für gewöhnlich, um ihre Artenvielfalt zu bewahren, oder um kulturelle Muster zu markieren. Im Film bedeutet ein Synonym in der Regel ein “Re-Imagining” (wenn es schon kein Remake per se ist), die Neubebilderung altbekannter Inhalte. Das ist nun noch nicht direkt eine Beleidigung, so langsam kommen wir im Filmbusiness aber zu dem Punkt, wo es aus künstlerischer Sicht als Beleidigung geltend gemacht werden kann und so viel bedeutet wie “Einfallslosigkeit”. Filmen wie “Half Light” zum Dank.

Demi Moores in den 80ern so hell strahlender Stern ist ohnehin schon lange im “Half Light”-Modus und im Grunde genommen überrascht es nicht wirklich, dass sie heute an Filmen mitwirkt, die weniger durch ein gutes Drehbuch auffallen als vielmehr durch die Eigenschaft, so einiges für die Hauptdarstellerin zurecht zu drehen, um sie angemessen zu präsentieren. Im vorliegenden Fall wird man jedenfalls das Gefühl nicht los, dass sie wieder einen Rollentypus gesucht hat, der dem ihrer frühen Jahre entspricht. Da ist eine junge, ausgesprochen unschuldige und zurückhaltende Frau, die durch äußere Umstände in eine schlimme Lage gebracht wird. Damals wurde das mit ihrer Jugendlichkeit erklärt, hier ist wohl der im Prolog gezeigte Verlust ihres Sohnes durch Ertrinken der Grund. Dennoch wirkt sie wieder sehr auf Jugendlichkeit getrimmt und geht auf ihr Alter in keinster Weise ein. Die Tatsache, dass sie sich in einen Mann verlieben soll, der wesentlich jünger ist als sie selbst, bleibt im Dialog sowie zwischen den Zeilen unerwähnt, ebenso der Umstand, dass ihre Rolle - immerhin eine Autorin - über sehr wenig Lebenserfahrung zu verfügen scheint. So muss man leider konstatieren, dass sich Demi Moore als Schauspielerin mit Rollen wie diesen eher ins Schneckenhaus zurückzieht, anstatt nach vorne zu blicken, neue Herausforderungen anzunehmen und sich schauspielerisch weiterzuentwickeln.

Die obigen Bezüge zu “Shining” sind damit zu erklären, dass sich die Hauptfigur in die Einöde zurückzieht, um ein Buch zu verfassen, dort scheinbar wahnsinnig wird und Visionen hat. Zum einen von ihrem verstorbenen Jungen, zum anderen von einem einheimischen Leuchtturmwärter, der vor sieben Jahren angeblich Selbstmord begangen haben soll, nachdem er seine Frau mit einem anderen erwischt hat und keiner der Drei den Tag lebend überstand.
Nummer zwei: der seinerseits schon einfallslos plagiierende “The Dark” ist in den zugegeben wunderschönen Örtlichkeiten der walisischen Küstenlandschaft wiederzuentdecken - in beiden Fällen überzeugen eher die herrlichen Landschaften als die Geschichte, die sich auf ihnen zuträgt.

Der Verlauf ist absolut klassisch für einen Mysterythriller dieser Kategorie: Nach dem Verlust des Sohnes zieht sich die trauernde Mutter aus der Stadt aufs Land zurück, um Abstand vom Ort des Geschehens zu bekommen und endlich wieder arbeiten zu können. Doch die Geister der Vergangenheit lassen sie nicht in Ruhe, fallen mit Gruselvisionen, Schockeffekten und der Tür ins Haus. Zu allem Überfluss hat der aufgesuchte Ort scheinbar auch noch seine eigenen Leichen im Keller und so begibt sich die Mutter auf die Suche nach der erlösenden Wahrheit.

Ein gewaltiges Problem hat der Plot schon damit, die Geschichte um den ertrunkenen Sohn mit dem Selbstmörder aus dem walisischen Ort unter einen Hut zu bringen, welchen die Protagonistin glaubt in Fleisch und Blut gesehen zu haben, was die Einheimischen aber in Zweifel ziehen. Sicher wird die Verbindung in der Auflösung der Story hergestellt, aber bis dahin steht zunächst mal ein unbeholfener Versuch der Zusammenfügung, der zu keinem Punkt funktionieren will. In einem Moment findet die Mutter noch Botschaften ihres Kindes aus dem Jenseits, im anderen Moment wird das Kind komplett von der Leuchtturmwärter-Geschichte verdrängt und spielt offenbar gar keine Rolle mehr.

Auch finden keinerlei einprägsame Szenen statt, so dass alles geradlinig vorbeirauscht und sich gemütlich “entwickelt”, wenn man das so sagen darf. Das mag zuträglich für das In-Szene-Setzen der Drehorte sein, in Bezug auf den Film ist es aber einfach weitestgehend uninteressant. Wenn dann doch mal ein paar Momente mit leicht erhöhtem Puls auftauchen, sind sie sehr banal und ohne tieferen Sinn. Sollte man beispielsweise annehmen, das wiederholte Entlarven der Realität als Alptraum solle dem Zuschauer die Fähigkeit nehmen zu erkennen, was real ist und was nicht (vgl. etwa “Die Mächte des Wahnsinns” oder “Caché”), dient es hier lediglich einem zweifachen Schockeffekt, der zu allem Übel nicht einmal besonders gut funktioniert.

Als sich dann langsam die Auflösung anbahnt, haut das auch nicht mehr vom Hocker, auch wenn es angenehm ist, mal nicht mit einem plötzlichen Twist überrumpelt zu werden, sondern gezeigt zu bekommen, dass die Enttarnung der Geschichte durchaus auch gemächlicher, weniger übereilt stattfinden kann.

Vor dem totalen Untergang wird “Half Light” letztlich durch die schönen Bilder und die altmodische und überlegte Inszenierung gerettet, die dafür sorgt, dass man es sich bei allen Unzulänglichkeiten zweimal überlegt, ob man wirklich den Schalter betätigen und auf die Küstenimpressionen verzichten soll. Der Nährwert allerdings tendiert ebenso wie der “Must See”-Faktor gegen Null.

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