Review

„Und jetzt… machst du die Beinchen breit!“

Offenbar unter dem Eindruck der ein Jahr zuvor erschienenen pornographischen „Alice in Wonderland“-Musical-Adaption stehend, drehte US-Regisseur Michael Pataki nach seinem Horrorflick „Das Haus mit dem Folterkeller“ 1977 seinen zweiten und zugleich letzten Spielfilm, die Softsex-Musical-Variante des Grimm‘schen Märchens „Aschenputtel“. Ursprünglich wurde sie hierzulande als „Die tolle Geschichte der C.“ ausgewertet, die DVD-Fassung trägt hingegen den Titel „Cinderellas unmoralische Abenteuer“.

Die hübsche junge Cinderella (Cheryl Smith, „The Incredible Melting Man“) leidet unter ihren garstigen Stiefschwestern (Yana Nirvana, „Stunt Rock“ und Marilyn Corwin, „Heißhunger“) und der bösen Stiefmutter (Jennifer Stace), für die sie die Drecksarbeit erledigen muss und kaum am schönen Leben teilhaben darf. Als das Königspaar (Boris Moris und Pamela Stonebrook, „Samstag, der 14. schlägt zurück“) für seinen mit Potenzproblemen hadernden Prinzen (Brett Smiley) einen großangelegten Ball zwecks Brautschau respektive Orgie für den Filius plant und einen Boten entsendet, der alle paarungswilligen jungen Dinger zusammentrommeln soll, stößt dieser auch auf Cinderella. Natürlich bereitet die Stiefverwandtschaft wieder Probleme, dennoch gelingt es ihr mit Hilfe einer tuntigen schwarzen „Fee“ (Sy Richardson, „Sid & Nancy“), an den Prinzen zu geraten…

Gesangseinlagen in Filmen nerven meist, Ausnahmen sind herausragende Auftritte oder ironisierende Beiträge. Die discopoppigen Songs in dieser Softsex-Schwarte sind wie der ganze Film in erster Linie albern und wurden zudem für die deutsche Fassung weder übersetzt noch untertitelt, sodass evtl. vorhandener inhaltlicher Witz auf der Strecke bleibt. Wegen dieser Stücke wird sich den Film jedoch ohnehin niemand ansehen, weshalb sie wie so vieles in dieser Farce zum Füllwerk verkommen. Für Ausstattung und Kostüme wurden offenbar ein Karnevalsladen und ein Sex-Shop geplündert, für die Handlung pubertäre Fantasien zusammengemischt. So nimmt der Prinz eine Dame nach der anderen durch, um die richtige zu finden, die ihm sexuelle Befriedigung bereitet. Bei dieser handelt es sich dann natürlich um Cinderella, deren Vagina sich seit ihrer Begegnung mit der „Fee“ als „Schnapper“ herausstellt, deren Muskeln beim Geschlechtsakt also so sehr verkrampfen, dass sie eine zusätzliche stimulierende Wirkung auf den Penis ausüben.

Der Weg dahin ist lang und enervierend, weil gespickt mit unmotivierten Softsex-Szenen, auf ein paar wenige erotische Einstellungen kommen dutzende flache Gags, chargierende Knallchargen, geträllerte Liedchen und sonstige Zeitschindereien, die jeglichen Erzählfluss vernichten. In einem visualisierten Traum Cinderellas poppt Popcorn auf ihrem Intimbereich auf… Natürlich sieht Cheryl Smith recht schnuckelig aus und bringt eine gewisse naive Unschuld mit, etwaig darüber hinausgehend vorhandene Ausstrahlung geht jedoch im Schmierentheater unter. Allem Exhibitionismus und Gerödel zum Trotz gibt’s lediglich (buschige) Vulven zu sehen, das männliche Pendant auch mal mit der Kamera einzufangen sahen Regisseur und Kamera offenbar keinen Anlass. Oftmals hat man zudem den Eindruck, nicht dem Blick professioneller Voyeure zu folgen, sondern dem präpubertärer Dreikäsehochs, die erstmals die Unterschiede zwischen den Geschlechtern entdecken. Dies trägt zum Gesamteindruck bei, es hier mit einer eigentlich verdammt verklemmten Geschichte zu tun zu haben, die sich auf dem Niveau über jegliche sexuelle Konnotation kichernder Fünftklässler bewegt – was beschämenderweise ja so oft der Fall war, als seinerzeit Filmemacher westlicher Staaten den Erotikbereich für sich und fürs Portemonnaie entdeckten. „Cinderellas unmoralische Abenteuer“ will witzig sein, ist aber nur unfreiwillig komisch und lächerlich.

Details