Review

Obwohl gegen Ende der Glanzzeit Stallones entstanden ist „Judge Dredd“ nur ein mittelmäßiger Film, nur fiel das damals zwischen Hits wie „Cliffhanger“, „Assassins“ und „Demolition Man“ gar nicht auf.
Das Setting spielt mal wieder in der Zukunft nach dem Big Bang: Die Menschen leben dichtgedrängt in Megacitys, vor den Toren herrscht tödliche Wüste. In den Megacitys sorgen so genannte Judges für Recht und Ordnung, die Ankläger, Richter und Urteilsvollstrecker in einer Person sind. Die futuristische Welt entpuppt sich als eine der Stärken des Films, denn vom Setdesign her ist „Judge Dredd“ ein echter Hingucker. Zwar stellenweise etwas sehr bunt, aber die Vorlage ist ja ein Comic und dementsprechend gelungen ist die leicht an „Blade Runner“ erinnernde Bebilderung der Zukunft.
Der beste der Vollstrecker trägt den Vornamen Joseph, doch die meisten kennen ihn nur als Judge Dredd (Sylvester Stallone). Mit gnadenloser Härte setzt er das Gesetz durch und da erhält „Judge Dredd“ stellenweise schon leicht faschistoide Züge, denn nur in wenigen Szenen wird das rigorose Regime kritisiert, am Ende sogar fast in der anfangs vorherrschenden Form wiederhergestellt. Andrerseits sollte man bei Actionspektakeln, die eh meist nach dem Law-and-Order-Prinzip funktionieren, eh meistens nicht nach derartigen Hintergründen fragen.

In der Stadt brechen seit neuestem immer mehr Bürgeraufstände aus, die Dredd und die anderen Judges nur schwer unter Kontrolle zu kriegen. Einige Verschwörer schieben Dredd in der Situation auch noch einen Mord unter, entmachten den alten Polizeichef und versuchen im entstehenden Chaos die Macht an sich zu reißen…
Soweit der Plot, der aus altbekannten Versatzstücken besteht, aber kaum etwas richtig bedient. Die Story vom diskreditierten Polizisten spielt nach dem Prozess nur noch eine untergeordnete Rolle, die Unschuld wird auf fast läppische Weise bewiesen, mit einer kurzen Wanderung durch die Wüste bedient man Motive aus „Mad Max“ und „Der Omega-Mann“, danach nicht mehr, gegen Ende tauchen Klone auf, die aber nur eine untergeordnete Rolle spielen (auch wenn dies ursprünglich wohl im Film prominenter hätte sollen sein, dann aber doch herausgenommen wurde) usw. Eine klare Linie verfolgt der Plot kaum und es ist fast schon entsetzlich unglaubwürdig, wie ganz wenige Verschwörer den kompletten Zukunftsstaat aus den Fugen hebeln.
Zudem sind die Fieslinge selten wirklich bedrohlich. Ex-Judge Rico (Armand Assante) mag massig Leute umnieten (ist so in seinen Genen verankert, wie man später erfährt), besonders bedrohlich wirkt er nicht und Judge Griffin (Jürgen Prochnow) sieht man eh direkt an, dass er ein Intrigant ist, sodass diese Offerte niemanden mehr überrascht. Der Held verfolgt das absurde Law-and-Order-Programm mit wenigen, immerhin halbwegs lustigen Oneliner und ist meistens so übertrieben ernst, dass man sich über Herman 'Fergie' Ferguson (Rob Schneider), einen kriminellen Hacker, als Sidekick freut. Der Spaßvogel übertreibt es zwar, lockert aber das hölzerne Agieren der Heldenfigur immerhin mit etwas Ironie auf. Immerhin stellt man den beiden mit Judge Hershey (Diane Lane) eine Frau zur Seite, die nur als Love Interest taugt, sondern auch gerne mal ein paar Ärsche breittritt.

Leider ist „Judge Dredd“ actiontechnisch keine Sause wie diverse andere Stallones und es geht viel zu selten rund. Einige Feuergefechte mit futuristischen Wummen (scheinbar aus dem Spielzeugland) sind ganz nett anzusehen und auch ein paar kleine Nahkampfaktionen machen Laune. Die Verfolgungsjagd auf den fliegenden Motorrädern stinkt hingegen wegen (selbst für die damalige Zeit) mäßiger Effekte ab und der Showdown ist viel zu kurz geraten. Zudem gibt es wohl kaum einen Film, in dem so häufig kurz vor dem Tode stehende Figuren durch plötzlich auftauchende Andere gerettet werden (ganz extrem in der Mutantenhöhle und im Showdown).
Sylvester Stallone guckt als futuristischer Gesetzeshüter mit derartigem Stoneface durch die Gegend, dass Steven Seagal wie ein hypereifriger Akteur aussieht. Rob Schneider hingegen könnte sich etwas zurücknehmen, gerät aber nicht so sehr in den Bereich der Selbstparodie wie Stallone. Armand Assante ist blass, Joan Chen bekommt als Bitch vom Dienst kaum Screentime, sodass lediglich Jürgen Prochnow als Schurke im Standardmodus und die wirklich gute Diane Lane hier noch im Gedächtnis bleiben.

Somit ist „Judge Dredd“ nur Mittelmaß, trotz schicker Ausstattung und guter Action. Leider gibt es von letzterer zu wenig und der Plot ist einfach zu verbraucht, um wirklich jemandem vom Hocker zu hauen.

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