Die Eltern zweier Kinder werden ermordet und ihre Tante Marcia übernimmt mit ihrem Mann das Sorgerecht. Sie wollen das alte, große Haus, das Marcia gruselig findet, verkaufen, doch die Kinder sträuben sich. Und das Haus hat auch etwas dagegen.
Das Haus des Bösen zählt zu den späten Werken Fulcis, der sonst für seine atmosphärischen Horrorlandschaften und expliziten Gore-Exzesse bekannt ist. Etwas Splatter kann er sich auch hier nicht verkneifen und auch einige atmosphärische Szenen gelingen ihm, doch die Kinder-Mystery und mancher überraschend slapstickartige Moment will einfach nicht zu ihm passen.
Die Handlung hat im ersten Drittel noch Potential. Die Villa wirkt geheimnisvoll und man hat kurz das Gefühl, einen atmosphärischen, aufgrund der grafischen Morde harten Giallo zu Gesicht zu bekommen. Dann kommen die krähenden Kinder ins Spiel, Geister sorgen für etwas paranormale Aktivität, doch dann driftet das alles immer mehr in Richtung Kinder-Mystery. Es mag zu einem guten Teil der eher missratenen Synchro geschuldet sein, doch die meisten Dialoge der Kids rauben einem die Geduld. Die Kinder nerven permanent und ziehen den Film spürbar in die Länge.
Mittendrin schiebt Fulci dann wieder eine Splatterszene ein, was er ja beherrscht, die aber plötzlich wie ein Fremdkörper wirkt. Und das in einem Fulci-Film? Verkehrte Welt. Kurz vor Schluss setzt Fulci dann dem zwiespältigen Treiben die Krone auf.
Auftritt Bagger. In den ersten Momenten wirkt das rote Teil tatsächlich bedrohlich, wie ein Monster aus der Hölle. Das ist wirklich gut und nur durch gute Kameraarbeit gemacht. Doch auch diese Szene kippt, und zwar ins überdreht Absurde. Zugegeben, der Slapstick macht schon Spaß, aber so seltsam lustig die Szene ist, so unpassend wirkt sie auch.
Fulci baut aber auch eine Séance ein, die atmosphärisch dicht und unterhaltsam ist und zeigt, was aus diesem Film hätte werden können, wenn Fulci seine düstere, atmosphärische Horrorästhetik durchgezogen hätte. Dann würden die drei Splatterszenen auch nicht wirken, als hätten sie sich verlaufen und wären im falschen Film.
Die Villa ist stimmungsvoll, die Kameraarbeit und Beleuchtung sind solide und die Fulci-typische düstere Atmosphäre blitzt stellenweise immer mal durch. Doch der Film hat seine Höhepunkte eher punktuell: die Séance, der Bagger, die Splatterszenen. Nur leider passt das einfach nicht zusammen, wirkt nicht wie aus einem Guss, insbesondere nicht mit Blick auf die beiden jungen Hauptpersonen. Das ist handwerklich ordentlich, aber insgesamt einfach ziellos episodenhaft, als wären mehrere Regisseure am Werk gewesen.
Das Haus des Bösen ist ein seltsamer Spagat zwischen Kinder-Mystery, klassischen Horror-Elementen und etwas Slapstick. Die Kinder nerven, der Mittelteil zieht sich und die Splatterszenen wollen einfach nicht zum Rest. Das Ergebnis ist irritierend, aber irgendwie auch leidlich unterhaltsam. Für Fulci-Kenner ist das wohl eher eine Enttäuschung, für Kuriositätensammler vielleicht interessant.