Bei „Scar“ ist nicht nur das Timing schlecht, sondern alles...
Ei ei ei, was für eine belanglose Zelluloidleiche. Dass es in letzter Zeit mehr und mehr dieser Billigproduktionen in die Videotheken schaffen (man muss allerdings zugeben, dass die Cover immer ganz nett aussehen, was als einziger Vorteil zu werten ist), lässt Schreckliches erahnen. Gehen den Leuten, die gute Filme drehen können, die Ideen aus oder werden solche Streifen wie „Scar“ wirklich gekauft/ausgeliehen? Nach dem letztwöchigen Desaster "Forest of the Damned", das noch nicht ganz so dilettantisch daherkam, war es diese Woche nun "Scar". Mein Vorteil ist, dass meine Videothek gerade Gutscheine an die Kunden verteilt, sodass ich für beide nichts bezahlt habe. Andernfalls hätte ich auch mein Geld wieder eingeklagt.
Ein Wanderausflug von Zack (Brad Pennington) und Tom (Randy Wayne) endet für ersteren auf einer gut aussehenden Blondine, Cassie (Klara Jolesz). Diese will aber nur spielen, aber niemanden unter ihre Unterwäsche lassen. Das passt Zack gar nicht, weshalb er mit aller Gewalt vorgeht. Das passt wiederum der Mutter Daphne (Rochelle Vallese) nicht, weshalb diese schon mal die Axt zückt und munter ihn, und auch sonst alle, die sich an ihrer Tochter im Laufe des Films vergehen, zerhackt (wobei das Wort reißerischer klingt, als es dann letztlich im Film passiert). Tom, der erst draußen gewartet hatte, aber jetzt "kacken" muss, spaziert dann locker herein (Schreie hatte er direkt vor der Tür natürlich nicht gehört) und findet erstmal gar nichts. Dann die erste Blutlache; plötzlich ein tropfendes Geräusch. Doch es ist nur die Jalousie, die gegen einen Bilderrahmen stößt. Dann die nächste Blutlache. Er geht weiter, wieder eine Blutlache. Langsam beginnt man sich zu fragen, wie die anscheinend stark blutende Leiche die Wege zwischen den Blutlachen überstanden hat. Dann die Füße seines Freundes (komisch wie nicht blutend der Freund durch die Gegend gezerrt wird). Also besser flüchten und mit der Schaufel eins auf die Fresse bekommen…
Ein Jahr später (der Schriftzug bedeutet nie etwas Gutes) lebt er in seiner Wohnung wie ein Penner, in einem Müllhaufen, keine sozialen Kontakte, immer nur Pizza essend und schlafend. Dann kommt die Exfreundin Zacks, Jenny (Ashley Nelson), herein (Kommentar von Tom:„Gott sei dank, die Putzfrau ist da...“) und will wissen, was damals passierte. Er kann sich an kaum was erinnern und das, was er noch weiß, will er ihr nicht sagen (er kann ihr ja nicht sagen, dass Zack sie betrügen wollte). Deshalb machen sie sich auf die Suche nach Hinweisen in der Gegend von damals...
Was sich auf dem Papier (ohne meine Kommentare) noch halbwegs spaßig anhört, verkommt schon in der beschriebenen Eingangssequenz zu einem Trauerspiel. Dümmliche Dialoge stellen da nur den Eingang zum Dilettantismus dar: der Drehbuchautor hatte beim Schreiben nicht seinen besten Tag. Aber das kann man in "Horror"-Filmen noch verkraften. Doch das nicht vorhandene Gespür für Spannung ist da schon ein folgenschwererer Fehler. Als Tom in die Hütte eintritt ist erstmal niemand da. Dann die erste Blutlache - was ein Schock. Dabei bleibt es aber nicht: er findet noch zwei (!) weitere Blutflecken und einen ganz spaßigen Twist zwischendrin, als sich ein verdächtig nach tropfendem Blut anhörendes Geräusch als etwas anderes erweist. Genial, wie das Drehbuch mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Nachdem er dann ohne irgendwas zu entdecken zwei Minuten sinnlos durch das Haus geirrt ist, und der Zuschauer vielleicht schon schläft, sieht er dann doch noch einen Teil seines Freundes. Bis dahin konnte sich keine Spannung aufbauen (wird sie auch im gesamten Film nie), da die Szenen, die spannend sein sollen, sich ewig lange herauszögern und man beim "Schock" schon lange abgeschaltet hat.
Und dann befinden wir uns erst wieder ein Jahr später im Geschehen. Tom wurde mit einer Schaufel erschlagen, kann sich von da an an nichts erinnern und wollte deshalb nichts mehr richtig machen. Also holt Jenny ihn aus seinem Tiefschlaf und fährt mit ihm zu der alten Unglücksstelle. Da wird dann, ebenfalls ewig lange, nach des Rätsels Lösung geforscht und eine Menge anscheinend stark beschränkter Charaktere läuft ihnen über den Weg: der Videothekenangestellte (eigentlich beide), die Motelbesitzerin, die Schwester von Daphne, die glücklicherweise nebenan residiert und für den weiteren Verlauf eine entscheidende Rolle spielen sollte, wäre sie nicht gerade in einem unglücklichen Moment tot, ein durchgeknallter Sheriff usw. Da erscheinen die beiden Protagonisten fast noch normal gegen und es ist erstaunlich wie schnell Tom sich rehabilitiert und wieder sonnyboy-mäßig an Jenny rumgraben kann. Diese läuft auch passend immer in kurzer, knapper Jeans und bauchfreiem Top rum, Tom kann nicht aufhören zu sabbern, aber mehr als zwei Küsse sind nicht drin. Genauso wenig wie bei Cassie. Da ist auch bei der Unterwäsche Schluss. Damit haben wir auch keinen Sexbonus, obwohl das Aussehen der beiden jüngeren Darstellerinnen noch das Passabelste am ganzen Film ist.
Was dann auch noch ganz tief einschlagen lässt, sind die Effekte. Da hatte wohl einer viel Spaß beim letzten Paint-Workshop. Die Bluteffekte sind das Lächerlichste, was ich in letzter Zeit bestaunen durfte. Erstes ist das Rot des Bluts viel zu knallig und noch dazu übertrieben. Als eine Hand abgehackt wird, dachte ich erst, es gäbe einen Bildfehler, aber das scheint des Machers voller Ernst zu sein. Denn als der Kehlenschnitt folgte, sah es genauso erbärmlich aus, ähnlich wie die Blutfontäne aus dem Bauch. Wenn man kein Geld für ordentliche Effekte hat, dann sollte man vielleicht einen anderen Film drehen, den man mit den Mitteln realisieren kann. Das haben sie sich wohl auch gedacht und deshalb kaum solche Effekte eingebaut und sich ein Highlight für den Schluss ausgedacht, als zwei Charaktere (ich will nicht spoilern wer) zerhackt werden, aber wegen der Tatsache, dass sie Geister sind, nur in banale, lilafarbene Staubwölkchen zerschnitten werden und in grellen Lichtstrahlen verschwinden. Viel mehr als die hier aufgezählten Effekte gibt es auch nicht. Auf Grund der Bescheidenheit der Effekte geht auch die Freigabe ab 16 in Ordnung, was bei ordentlichen Effekten unter Umständen anders ausgesehen hätte.
Die Schauspieler reihen sich da nur noch in die Liste ein. Wahrscheinlich aus einem Porno direkt übernommen, hat hier noch nie einer die Schauspielschule von innen gesehen. Dass sie sofort überfordert sind, sieht man besonders an Jenny, die bei den zwei-drei aufgesetzt-kitschigen Gefühlsdialogen gleich überreagiert, um zwei Sekunden später schon wieder das alte, ausdruckslose Mädchen zu sein.
Dass lockerflockige Teeniesprüche hier nicht ziehen, sollte klar sein, obwohl der Film es das ein oder andere Mal versucht, aber nur in unfreiwilliger Komik endet. Logik ist Mangelware, der Szenenschnitt scheint willkürlich und das gänzliche Wegfallen irgendeiner Art von Spannung zerstören den Film komplett. Ich habe kurze Zeit versucht, einen positiven Aspekt zu finden, tat dies aber nicht. Also gibt es völlig zu Recht für „Scar“ nur die Minimalwertung. Bitte meiden und nicht von hübschen Covern in der Videothek täuschen lassen…