Ich kann mich den überschwenglichen Meinungen hier keineswegs anschließen. Hype des Jahres? Ja, defintiv! Meilenstein des Kinos? Mitnichten!
Woran liegts? Nun zuerst einmal ist der Film zu lang. Allein für die Überfahrt eine Stunde zu veranschlagen, halte ich nicht für sinnig. Klar muss man die ganzen Personen vorstellen, doch wird schon hier deutlich, dass da ein paar Charaktere zu viel im Spiel sind. Jedem will man hier gerecht werden, doch hätte es mir gereicht, nur die wenigen wichtigen zu zeigen, also Regisseur, Blondchen (zugegeben hinreissend gespielt von Naomi Watts), Kapitän und Driscoll. Warum aber noch so viele Nebenfiguren. Hier wird eine Tiefe suggeriert, die der Film nicht bietet. Denn warum schaut man King Kong? Na klar, wegen King Kong!
Der sollte dann auch im Mittelpunkt stehen. Das tut er aber viel zu selten. Stattdessen wird auf der Insel erst einmal die ganze Flora und Fauna rumgezeigt und demonstriert, was man alles mit CGI kann. Hier dann auch einer meiner größten Kritikpunkte. Außer King Kong, der lebensecht wirkt, sieht die Horde Dinos, die durch die Schlucht stürmen demaßen unecht aus, dass man meint im Kasperletheater zu sein. Auch vielen Szenen haftet einfach eine Künstlichkeit an, die der Film nicht verdient hat. Warum hat man da nicht einfach einen stinknormalen Dschungel genommen und den etwas digital aufgepeppt. Stattdessen meint man in vielen Szenen, die Künstlichkeit mit Händen greifen zu können.
Die Flucht durch den Canyon ist das perfekte Beispiel. Völlig überflüssig. Diese Szene bringt den Film nicht voran. Sie wirkt wie Jar Jar Binks in Episode 1. Nur eingefügt, weil man es kann.
Und warum muss Kong gegen drei T-Rex gleichzeitig kämpfen? Hätte einer nicht gereicht? So wirkt die Szene total an den Haaren herbeigezogen. Auch das Fallen in die Schlucht mit Kampf in den Lianen. Vier tonnenschwere Kreaturen kämpfen in hundert Metern Höhe in Lianen. Nee, is klar!
Dann aber der Oberhammer. Die Überlebenden des Schiffes müssen sich gegen Riesenegel, Ameisen und Spinnen wehren. Das sieht so bescheuert aus und passt überhaupt nicht in die Story. Warum den ganzen Aufwand? Nur um zu zeigen, dass man auf einer Insel mit Monstern ist? So verliert Kong viel von seiner Einzigartigkeit. Nebenbei kämpft der auch noch gegen Riesenfledermäuse. Da war mir das aber auch schon fast egal. Dann noch die fehlende Erklärung, wie man Kong per Schiff transportiert hat. Es passt einfach nicht so recht.
Später in New York dann wieder ungeheure Künstlichkeit mit leuchtenden Farben und schnieken Taxis. Jedes Auto sieht überdies so aus, als wäre es direkt vom Händerhof gefahren. Alle Menschen in New York, ob arm oder reich, sind perfekt gekleidet. Kein Müll, keine Penner. Ich dachte, das spielt zur Zeit der Rezession? Die inzenierte Liebesgeschichte zwischen Ann und Driscoll wirkt auf mich ebenso künstlich. Die Pappflieger in bunten Farben (welche Armee der Welt hat grün-rot-gelb-blaue Flugzeuge?) störten mich dann nur noch am Rande.
Warum aber mag ich Kong Kong trotzdem? Einfach weil die beiden Hauptdarsteller, Kong und Ann so perfekt inszenierte Begegnungen haben, dass man weinen könnte. Den Beiden nimmt man ihre Liebesgeschichte ohne Frage sofort ab. Kong wirkt verletzlich und gewaltig zugleich. Eine Kreatur, die der Mensch nur zerstören kann. Ann will die wahre Liebe und Ehrlichkeit und findet sie nicht bei einem Menschen, sondern bei dem gewaltigsten Untier der Welt. Die Szenen im Dschungel oder später in New-York muss man lieben. Hier zeigt Jackson uns ganz großes Kino, das man gesehen haben sollte. Deshalb ist meine Enttäuschung auch so groß. Was hätte dieser Film für ein Potential gehabt? Ein Meilenstein hätte er werden können, doch viele kleine Mängel reduzieren ihn auf gehobenes Mittelmaß. Selten war ich nach Besuch des Kinos traurig über so viel Verschenktes. Schade.
6,5/10 Punkten