Review

"Demons of the Mind", ein eher weniger bekannter Horrorfilm der Hammer-Studios, genießt unter Liebhabern den Ruf eines ungewöhnlichen Grenzgängers zwischen Gothic Horror einerseits, modernem Psychothriller andererseits. Beide Sparten bediente Hammer schon seit Ende der 50er bzw. Anfang der 60er Jahre regelmäßig, aber erst zu Beginn der 70er Jahre fügte man beide mit "Demons of the Mind", allenfalls noch mit "Hands of the Ripper" (1971), zu einer stimmigen Melange. Ihre bisherigen Versuche, die Gebiete des Gothic Horrors auszuweiten, beschränkten sich zunächst auf exotischere Halbwesen und explizitere Gewalt, später auch auf - qualitativ enttäuschende - Übertragungen klassischer Halbwesen in die Gegenwart ("Dracula A.D. 1972" (1972), "The Satanic Rites of Dracula" (1973)).
"Demons of the Mind" bedient sich einmal mehr eines für Hammer typischen Gothic Horror Ambientes (ein deutschsprachiger Landstrich - diesmal Österreich - im 19. Jahrhundert), in dem dann jedoch ein psychologisch orientiertes Kriminaldrama um Wahnsinn und - einem Dämonen zugeschriebene - Morde durchgespielt wird, das sich gegen Ende in einigen ruppigen Splatterszenen ergeht und die Möglichkeit des Wirkens böser Mächte offenlässt. Damit wirkt der Film wie ein spätes - weniger kammerspielartiges, blutigeres und ausgesprochen rauhes - Pendant zu Roger Cormans "House of Usher" (1960) aus AIPs Poe-Zyklus, der ebenfalls vom Wahnsinn eines untergehenden Hauses handelt und einen alten Familienfluch als mögliche Erklärung nicht zur Gänze ausschließt. (Auch die für AIP charakteristischen melancholischen Monologe des Herrn des Hauses vor den Gemälden inzwischen Verstorbener werden hier übernommen.)
Erzählt wird [Achtung: Spoiler!] die Geschichte Baron Zorns, der seine Kinder Emil und Elisabeth bei strenger Überwachung eingesperrt hält und ihnen ziemliche Rosskuren auferlegt, um ein Übergreifen der geistigen Verwirrungen aus der an Wahnsinn und Inzest reichen Familientradition auf sie zu verhindern. Nachdem der Baron (der sich in Alpträumen schonmal als Dämon nach Blut dürstend durch die Wälder schleichen sieht - der Zuschauer weiß bereits, dass er in den Wäldern Leichname im See versenkt -, wie es laut seiner Aussage schon seine Vorfahren taten, deren schreckliches Ende er auch für sich selbst befürchtet) bereits seine Ehefrau in den Selbstmord getrieben hat, scheinen auch seine Kinder - damals zu Zeugen des Suizids geworden - durch die drastische Behandlung eher zu erkranken, als zu gesunden: schweißgebadet, ungesund bleich und leicht benommen taumeln sie durch die Ereignisse und von Betäubungsmittel zu Aderlass - für den Vater ist dieser kränkliche Zustand bloß der Beweis für seine kruden Wahnideen. Dass sich die Kinder tatsächlich mittlerweile mit einem unterschwellig inzestuösen Begehren begegnen, fügt sich ihm ebenso passend ins Bild. Derweil fürchten die Dörfler einen Dämonen in den Wäldern, den sie für die Toten verantwortlich machen, und proben seine Vernichtung.
Der ältere, etwas fanatisch-erfolgssüchtige Gelehrte Falkenberg verspricht - auch schon aus eigenen Interessen - Baron Zorn die Heilung der Kinder, während der jüngere, sich für Elisabeth erwärmende Dr. Richter schnell in den Methoden des Familienoberhauptes das eigentliche Übel ausmacht. Im Laufe der Behandlung durch Falkenberg, die es nach sich zieht, dass Emil eine junge Frau mordet, ahnt dieser die Zusammenhänge: Baron Zorn instrumentalisiert seinen Sohn und lässt ihn des nachts seine eigene wahnhafte Mordlust befriedigen - er selbst beseitigt nur die Spuren. Als Falkenberg den apathisch wirkenden Zorn mit dieser Hypothese konfrontiert, kommt es zur Katastrophe: Zorn erschießt Falkenberg, will dann seine Kinder und schließlich sich selbst aus dieser Welt befördern. Emil befördert derweil auf der Suche nach seiner Schwester erst seine Tante, die dem Baron über die Jahre attestierte, ins Jenseits und geht danach auf den überrumpelten Dr. Richter los - Elisabeths Auftreten verhindert das schlimmste. Gemeinsam fliehen die Geschwister vor dem aufschäumenden Vater, der sie durch die Wälder jagt und Emil letztlich erschießt. Die Dörfler, von Dr. Richter, der mittlerweile auch wieder herbeieilen konnte, auf die richtige Spur gebracht, überwältigen den Baron, verstümmeln ihn und spießen ihn mit einem brennenden Holzkreuz im Erdboden auf. Über Elisabeth, die sich angesichts der drastischen Maßnahmen in panisches Entsetzen flüchtet, läuft schließlich der Abspann.

Dieses Ende steht voll und ganz in der Tradition von Michael Reeves Meisterstück "Witchfinder General" (1968): nicht nur die sich in den Abspann kreischende weibliche Hauptfigur vereint beide Filme, sondern auch ein zynisches Menschenbild, das in Sykes Film so spürbar ist, wie in den früheren Filmen Reeves. "Demons of the Mind" kennt kaum positive Figuren: Abgesehen von Baron Zorn, der hier als Wurzel des Bösen agiert - aber unzurechnungsfähig ist -, erweisen sich seine Helfer als Mittäter, Emil wird vom Opfer selbst zum Täter, Falkenberg handelt nach durchaus egoistischen Motiven, die Dörfler erweisen sich als hämischer, sadistischer, bösartiger Lynchmob - ein völliger Kontrast zu vergleichbaren, aber positiver gezeichneten Ansammlungen in anderen Hammer-Filmen - und auch Dr. Richter, der sie auf die richtige Spur gebracht hat, ist nicht schuldfrei geblieben. Es bleibt gerade mal die passive Elisabeth, die unschuldig bleibt - und über den Abspann hinweg dennoch als Leidtragende präsentiert wird.

Das andere Vorbild scheint - wie erwähnt - AIPs Poe-Zyklus, vor allem "House of Usher" zu sein. Wie dort - und bei anderen AIP-Produktionen, etwa der launigen filmischen Geisterbahnfahrt "Die, Monster, Die!" (1965) - bleibt letztlich offen, ob ein vermuteter Familienfluch nun vorliegt oder nicht.
Auf einen rational nicht zu klärenden Aspekt des Films macht Peter Sykes, der kaum jemals so konzentriert gearbeitet hat, schon sehr früh aufmerksam: wenn Elisabeth zu Beginn des Films nach einem Ausreißer zum Anwesen ihres Vater zurückgebracht wird, schiebt sie ihre Hand durch die Gitter der Kutsche - die Montage lässt ein Bild ihres Bruders folgen, der auf seinem Bett liegend mit der Hand in Richtung der Gitterstäbe seines Fensters greift. Was bloßer Zufall sein könnte, erweckt durch die Inszenierung den Eindruck einer über jede räumliche Distanz hinausgehende nonverbale Kommunikation. Ähnliches wird sich im Film wiederholen - am deutlichsten sicherlich, wenn Emil sein Opfer erwürgt, das er für Elisabeth hielt, während diese sich in ihrem Bett an den Hals fasst. Die enge - inzestuös ausgerichtete - Beziehung der Geschwister bekommt so den Stempel des Unerklärlichen aufgedrückt.
Die Kamera wählt zudem immer wieder sonderbare Perspektiven: wenn Dr. Richter den Dörflern mitteilt, dass ihr Dämon im Anwesen des Barons zu suchen ist, folgt eine schräg aufgenomme Einstellung des Schlosses mit einer Falkenstatue im Vordergrund des rechten Bildrandes. Dieses steinerne Tier wirkt bedrohlich, wie ein das Geschehen im Schloss überwachendes Wesen. Bevor Dr. Richter erstmals das Anwesen betritt, beäugt ihn die Kamera ebenfalls vorbei an zwei Falken (diesmal echte), die im Vorhof auf einer entsprechenden Vorrichtung sitzen. Extreme Vogelperspektiven, die vorbei an den Türmen des Schlosses auf das Geschehen im Freien blicken (etwa wenn Emil wenig später sein Opfer hetzt), wirken in dem Zusammenhang ähnlich beunruhigend. Im Finale wird Sykes diese Signale verdeutlichen: wenn Emil seine Tante mordet - eine erstaunlich wirkungsvolle, blutige Schockszene, in der er mit einem schweren Schlüsselbund auf die Frau losgeht - wird das Geschehen plötzlich durch ein großes Dachfenster betrachtet. Solche Einstellungen, die ein Geschehen distanziert von außerhalb durch Fenster einfangen, erweisen sich nicht selten als subjektive Blicke - im Horrorfilm lassen sie den Verdacht einer diffusen Bedrohung aufkommen. Dass es sich bei dem Fenster um ein bunt verglastes Zierfenster handelt, in welchem ein Falke abgebildet ist, durch dessen Kopf Kamera und Zuschauer auf Täter und Opfer hinabblicken, reizt diesen Hinweis auf eine vorhandene Bedrohung vollkommen aus. Hier lässt Sykes ausdrücklich Zweifel aufkommen, ob die "Dämonen der Seele" - so  der dt. Titel - tatsächlich nur dem kranken Geist entspringen (wie es eine Zeichnung in Falkenbergs Lehrbüchern so schön darstellt), oder ob sie nicht tatsächlich als Familienfluch - keinesfalls bloß als Vererbung - das "Haus Zorn" in den Untergang reißen. (Tatsächlich gab ein erster Drehbuchentwurf noch vor, dass die Familienmitglieder seit Generationen ein Dasein als Wolfsmenschen fristen müssen.)
Auf diese Weise hält der Film noch am Übersinnlichen der vorangegangenen Gothic Horrorfilme der Hammer-Studios fest, wenn es hier auch nur noch als vage Möglichkeit im Raum steht.

Überhaupt erweist sich Sykes Regie als ausgesprochen sensibel: bereits nach der schön gestalteten Titelsequenz verspricht eine Erinnerungssequenz der benommenen Elisabeth ein recht hohes qualitatives Niveau, das später immer wieder dank überlegter Montage, Kameraperspektive und Bildkomposition für kleine Höhepunkte sorgt. Davon war später bei Sykes nicht mehr viel zu spüren: weder die Gruselklamotte "The House in Nightmare Park" (1973), noch das - immerhin teilweise hübsch bebilderte - Remake "To the Devil a Daughter" (1976), das an Terence Fishers Original "The Devil Rides Out" (1968) nicht heranreichen kann, lassen vergleichbare Ambitionen in Bezug auf Handwerk und Konzept erkennen.
Freilich gibt es auch hier die obligatorischen, tagsüber gedrehten Nachtaufnahmen - aber diese lassen sich ebenso verschmerzen, wie auch einige psychologische Unglaubwürdigkeiten, die schon eher ins Gewicht fallen, angesichts des zynischen Weltbildes einerseits, der phantastischen Uneindeutigkeit im Hinblick auf die wahre Natur der Dämonen (Fluch oder Krankheit?) andererseits nicht zu stark im Vordergrund stehen.
Von den Darstellern sticht Patrick Magee besonders hervor, der nach seiner Rolle als Mr. Alexander in Kubricks "A Clockwork Orange" (1971) erneut einen augenrollenden, ekstatischen Fanatiker geben darf.
Alles in allem einer der besseren späten Hammer-Horrorfilme, sicherlich auch einer ihrer grausamsten und vor allem düstersten. Zwar kein Meisterwerk - eine etwas konstruierte, mal wenig glaubwürdige Handlung steht dem dann doch im Wege - aber spannend, inszenatorisch gelungen und mit ein paar treffsicheren Schockeffekten angereichert.
Gute 6,5/10.

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