Review

Der Drehbuchautor Elliot Callahan steckt in einer argen Zwickmühle, denn sein Agent droht damit, ihm den Geldhahn zuzudrehen, falls er seinem letzten, erfolgreichen Skript kein ebenbürtiges Werk folgen lässt. Um nun in Ruhe an einem neuen Drehbuch arbeiten zu können, zieht sich Elliot deshalb von New York auf ein abgelegenes Strandhäuschen auf Nantucket-Island zurück. Aufgrund einer ausgeprägten Schreib-Blockade wollen die kreativen Säfte dort allerdings auch nicht so richtig fließen. Erst als der durchgeknallte Junkie Henry den ausgebrannten Hollywood-Schreiberling dazu überredet, mal einen Blick auf dessen selbstverfasstes Drehbuch "Island Escape" zu werfen, hat dieser eine rettende Idee: Elliot klaut kurzerhand das zu aller Überraschung tatsächlich brillante Amateur-Skript und gibt es als sein eigenes aus... und hat sich damit unwissentlich in eine arge Bredouille geritten. Nicht nur, dass Henry von dem dreisten Plagiat gar nicht begeistert ist und schon bald bei ihm auf der Matte steht, der scheinbar fiktive Serienkiller-Stoff entpuppt sich zu allem Überfluss auch noch als durchaus wahre Lebens-Beichte eines echten Mörders, der Elliot nun natürlich auf dem Kieker hat... Sieh an, sieh an, es gibt sie wohl doch noch, die ambitionierten, cleveren Erwachsenen-Krimis, die sich gänzlich von dem Wust an Teenager-in-Angst-Slasher-Kram unterscheiden. Mit genau so einem hat man es nämlich bei John S. Johnsons "Death Script" zu tun, der sich auf angenehme Weise zwischen den verschiedensten Genre-Eckpunkten positioniert. So spielt die ausgeklügelte Story munter mit Bausteinen aus den Bereichen Film Noir, Psycho-Thriller und einigen Elementen der allseits beliebten Serienkiller-Movies... und dass auch ein paar Anklänge an die Sex-and-Crime-Masche eines "Basic Instinct" ihren Weg in den fertigen Streifen gefunden haben, stellt dabei kein größeres Problem dar, denn die Chose gestaltet sich insgesamt besehen wesentlich verzwickter und abgründiger als der doch arg durchschaubare Verhoeven-Blockbuster. Regie-Debütant Johnson, der auch das - sorry - mörderisch gute Skript geschrieben hat, hat es nämlich fertig gebracht, seine Figuren in ein feines Wechselspiel verschiedenster Obsessionen zu verstricken, durch das man sich als Zuschauer erst einmal durchwurschteln muss, denn irgendwie hat hier doch jeder Dreck am Stecken. Dass der Protagonist da keinen allzu sympathischen Eindruck machen will, ist irgendwie nur logisch und sorgt zumindest mal für eine Abwechslung zu den ganzen gelackten Major-Produktionen. "Death Script" kommt stattdessen komplett unaufwendig daher und verlässt sich zur Gänze auf seine schwarzhumorigen Dialoge und das zwischenmenschliche Hin und Her der handelnden Charaktere. Was denn nun wirklich hinter den mysteriösen Vorgängen steckt, in die der arrogante Drehbuchautor Elliot Callahan nach und nach verwickelt wird, bleibt auf diese Art und Weise lange genug im Dunkeln, um das Zuschauer-Interesse bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Die Spannung wird dabei besonders in der zweiten Hälfte ohne großen Effekt-Aufwand unterschwellig forciert, was wieder mal ein Beweis dafür ist, dass die Multi-Millionen-Dollar-Blockbuster nun wirklich nicht immer die Nase gegenüber den gut gemachten, kleinen B-Movies vorne haben. Der gemächliche Handlungs-Aufbau verlangt vom Zuschauer zugegeben ein gewisses Maß an Konzentration und Aufmerksamkeit ab, aber dafür wird man mit einer ständig überraschenden, wendungsreichen Geschichte und einer höchst gewitzten Schluss-Pointe belohnt, die einen durchaus passenden Kommentar zu dem eitlen Hollywood-Gehabe abgibt. Dass die unbekannten Darsteller über weite Strecken glaubhaft agieren, ist da nur ein weiterer Pluspunkt eines Films, der so irgendwie gar nicht in die üblichen Schemata passen wil und gerade deshalb eine echte Alternative zu den modernen, überkonstruierten und bisweilen hektischen Mainstream-Thrillern dastellt und gänzlich anders gelagert ist als die üblichen "Sieben"-Derivate. Hübsch fies, böse und in seiner unaufgeregten Lässigkeit fast schon genial... deshalb mehr als nur sehenswert. Müsste eigentlich mal dringend wieder-, beziehungsweise überhaupt erstmal ENTdeckt werden.

8/10

Details
Ähnliche Filme