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Und wer tötete nun die großen Chefköche Europas? Die ziemlich haarsträubende Auflösung sättigt einen nur bedingt für die sonst recht wohlschmeckende filmische Mahlzeit, kostet aber mindestens einen Stern! Derer verteilt sonst ein englischer Restaurantkritiker (hervorragend gespielt von Robert Morley) an namhafte Köche, die nach und nach auf besonders pikante Art umgebracht werden. So wird z.B. der französische Chefkoch ganz nach seiner Spezialität - Ente - durch zerquetschen des Kopfes mittels einer Entenpresse umgebracht oder der italienische Hummerkoch in seinem Hummer-Bassin ertränkt. Da tauchen doch glatt Allegorien zu einer Szene aus “Theater des Grauens” auf, wo Vincent Price als gedemütigter Schauspieler einen seiner Kritiker seine in Blätterteig zubereiteten Pudel essen lässt.

Obwohl “Die Schlemmerorgie” extrem schwarzhumorig ist, so ist der Film nicht annähernd so “böse” wie sein englischer Quasi-Pedant. Die Morde finden allesamt im Off statt, graphischer Höhepunkt ist ein verschmorter Arm der aus einem Ofen lugt - also wer ein sadistisch-fieses Treiben erwartet wird enttäuscht; Freunde des englischen Humors kommen aber dennoch sehr auf ihre Kosten, vor allem der Wortwitz ist hier grandios und vor allem Robert Morley weiß in dieser Hinsicht zu brillieren. Seine Rolle als Restaurantkritiker und Feinschmecker ist ihm auf den Leib geschrieben, auch spielte er bereits in “Theater des Grauens” einen ähnlichen Part - er ist der erwähnte Pudel-Liebhaber!

Auch der sonstige Cast ist gut aufgelegt, George Segal als durchtrieben wirkender Dandy aus Texas mit einem Lächeln das verblüffend dem des George W. Bush ähnelt - ernsthaft! Er und Jacqueline Bisset als seine (leider nicht sehr modisch gekleidete) Ex-Frau sind nach einer kurzen Einführung Hauptpersonen, quer in Europa unterwegs - neben den ermittelnden Kommissaren teils selber Ermittler, teilweise auch Verdächtige. Also Abwechselung wird einem durch die verschiedenen Orte wie England, Paris, Venedig schon geboten, wenn auch nur Venedig durch schöne Aufnahmen am ehesten optische Abwechselung bietet.

Auch ist der Film stellenweise einfach zu lang, es passiert in manchen Abschnitten einfach zu wenig, dafür aber ist der Wortwitz wirklich schön lakonisch und trocken (“Ich habe eine Idee: wie wäre es mit der Nachbildung der Speisen des letzten Abendmahls Jesus?! - “Und was kommt als nächstes: Rezeptideen der Überlebenden des Ardennen-Absturzes?!”), wenn auch nicht in England gedreht. Eine skurrile Atmosphäre (z.B. der Texaner der im vegetarischen Restaurant Propaganda für seine Hamburgerkette macht) wird schon aufgebaut, auch - besonders vor den Morden - etwas Spannung geboten, doch wie gesagt manch Länge oder der leicht enttäusche Schluss kosten Punkte - Krimifans die nach dem “gewissen Etwas” suchen werden aber sicher gut unterhalten.

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