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„Mein Junge, jedes Mal, wenn dein Gehirn anfängt, Daten auszuspucken, ist öffentliches Eigentum in Gefahr, die Frauen fangen an zu schreien und die Hunde jaulen!“

Der australische Genrefilmer Brian Trenchard-Smith („Die Insel der Verdammten“, „BMX Bandits“) legte im Jahre 1986 mit „Der Geisterjäger“ (im Original: „Frog Dreaming“) ein leicht gruseliges Mystery-Jugendabenteuer vor. Während es im Jahre 1988 in der BRD lediglich eine Videopremiere hatte, konnte es, wie zuvor „BMX Bandits“, einen Kinostart in der DDR vorweisen.

„Da könnten sogar Dinosaurier leben, oder ein alter Negerstamm!“

Der 14-jährige Waise Cody (Henry Thomas, „E.T.“) lebt im australischen Outback zusammen mit seinem Vormund Gaza (Tony Barry, „Coca Cola Kid“) und ist nicht nur von einem ausgeprägten Tüftlergeist beseelt, sondern auch mit viel Neugier gesegnet. Der örtlichen Polizei ist er daher eher ein Dorn im Auge. Bei den Mädchen ist er dafür umso beliebter, insbesondere bei Wendy (Rachel Friend, „Nachbarn“) und Jane (Tamsin West, ebf. „Nachbarn“), mit denen zusammen er einen entlegenen, in keiner Karte verzeichneten See am „Teufelsbrocken“ entdeckt, auf dessen Grund ein Monster hausen soll. Bei seinen Nachforschungen stößt er auf die Aborigine-Legende des Donkegin, wie die Ureinwohner die angeblich unsterbliche Kreatur nennen…

„Mann, ist das hier unheimlich!“

Der Auftakt gerät sehr ruhig; wir sehen schöne Aufnahmen von Reptilien und Amphibien am See, unterlegt von Naturgeräuschen und unheilschwangerer Streichermusik des australischen Soundtrack-Komponisten Brian May (nein, nicht der von Queen). Plötzlich spielt das Wasser verrückt und begräbt das Boot eines Mannes namens Neville (Peter Cummins, „Dakota Harris“), um den Ärmsten anschließend zu Tode zu erschrecken. Nach diesem Prolog lernen wir Cody kennen, der an seinem Fahrrad schweißt, um eine Vorrichtung zu konstruieren, mit der er tollkühn auf Bahngleisen fahren kann. Seine Clique fährt (natürlich) BMX-Räder. Trenchard-Smith zeigt uns einen strahlend blauen Himmel und wunderschöne Landschaftsaufnahmen, arbeitet aber auch viel mit Untersicht und (naheliegenderweise) Froschperspektiven. Am See scheint ein riesiger Froschfuß kurz zu sehen zu sein und von Neville wird nur noch das Skelett gefunden, was die Erwachsenen auf den Plan ruft. Klassischer Spannungsaufbau.

„Dieser Teufel – er ist ein guter Tänzer, findest du nicht?“

Die Familie Wendys und ihrer (sehr herzigen) kleinen Schwester Jane wird leicht komödiantisch vorgestellt. Ihr Vater ist gegen eine Beziehung Wendys mit Cody, der als echter Draufgänger auch schon mal ohne Begleitung Auto fährt. Die Hinweise auf die originaltitelgebenden Frösche verdichtet der Film wenig subtil, indem er Frösche in Nahaufnahmen zeigt. Im Rahmen einer Tanzveranstaltung spielt eine Rockabilly-Combo sehr sehens- und hörenswert zum Tanz auf. Cody freundet sich mit den Aborigines an, die hier erfreulicherweise nur marginal exotisiert werden. Natürlich läuft die Handlung darauf hinaus, dass sich jemand todesmutig in den See stürzen muss, und natürlich wird dies Cody obliegen. Dieser hat den Sheriff gegen sich, ist aber ein verkanntes Genie, das sich sogar eine Art Taucheranzug bastelt, den er – nach viel eher auf Atmosphäre setzender gemächlicher Dramaturgie – in einer hochspannend inszenierten Sequenz einsetzt.

„Der Geisterjäger“ spielt mit der Mystik um die Ureinwohner – und damit indirekt dem schlechten Gewissen der Weißen. Abseits der bereits erwähnten Naturaufnahmen verwöhnt Trenchard-Smith das Auge mit wunderschön, auch artifiziell ausgeleuchteten Szenen, vor allem die surreal anmutende Begegnung Codys mit Charlie Pride (nicht dem Country-/Western-Sänger) sei hier hervorgehoben. Die Geschichte weist starke Anleihen bei der Monster-von-Loch-Ness-Legende auf sowie leichtere bei „Poltergeist“, erinnert mich zudem an den (später entstandenen) „The Cellar“ (hierzulande als „Anthony II“ auf Video erschienen), ist aber einige Nummern kleiner als es beispielsweise „Die Goonies“ war – und in ihrer Auflösung reichlich bizarr. Hier hätte sich etwas sorgfältigere Ausarbeitung bezahlt gemacht. Und ob das Ende so mit dem Umweltschutz vereinbar ist, sei einmal dahingestellt. Dafür wird die scheinbar rationale Erklärung im Epilog remystifiziert, was ein cleverer erzählerischer Clou ist. Alles in allem ein schöner Film inklusiver typisch australischer Verrückheiten in den Details (quarzende kleine Schwester zum beispielsweise), der etwas unter seiner nicht ganz geglückten deutschen Synchronisation leidet.

Als US-Produktion wäre „Der Geisterjäger“ mit seinem Land-Abenteuer, seinen ‘80er-Wohlfühl-Ingridienzien und dem sein junges Publikum zur Identifikation einladenden Cody (den viele zudem noch aus „E.T.“ gekannt haben dürften) zum Kultfilm avanciert. So aber geriet er leider arg in Vergessenheit. Wer offen für diese Art ‘80er-Kino ist, sollte die DVD aus der „Schröder Media“-Bootlegklitsche links liegen lassen und zur Wicked-Vision-Veröffentlichung greifen.

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