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An dieser Stelle muss es endlich mal gesagt werden: Die Griechen sind nicht das beliebteste Völkchen auf unserem Kontinent, zumindest nach den letzten Turbulenzen, die unsere nur langsam lieb gewonnene Einheitswährung weich werden ließ wie ein Schafskäse in der Sonne von Mykonos. Und überhaupt: Ein beschissen spielender Ex-Europameister, minderwertige Weinsorten, bekloppte Schlagerstars, die im Dschungel übernachten müssen und ein Essen, bei dem sich der Magen umdreht, wahlweise nicht nur in der ursprünglichen Heimat zu genießen, sondern auch hier bei uns, wo jedes zweites griechische Restaurant „Athen" oder „Helios" heißt - warum auch nicht, schmeckt ja eh alles gleich. Und damit wären wir auch gleich bei einem brisanten Thema.

Denn die Griechen bescherten uns diesen, ähm Film, in dem es um ein griechisches Nationalgericht geht. Eine riesige Moussaka, die sich höchst unappetitlich durch die Straßen wälzt und alles platt macht, was langsamer ist als sie selbst. Nun, selbst Schnecken müssten hier zwar davonkommen, denn der dampfende Batzen voller Hack und dem üblichen Zeug ist in etwa so schnell wie Heiner Bremer beim Sprechen und es ist schon unfassbar, wenn sich Leute kreischend auf den Boden schmeißen, um sich mit verzerrtem Gesicht dem unvermeidlichen Ende hinzugeben. Manche lassen sich auch von Fett voll spritzen, welches absolut tödlich ist.

Der Titel lässt es schon erahnen, dass hier - ähnlich wie bei den berühmten Killertomaten - eine Trash-Granate im Anrollen ist. Und deshalb lasse ich auch alle Zutaten durchgehen, die zu so einem Fest für schlechte Geschmäcker nötig sind: Eine völlig bescheuerte Handlung, unlogisches Verhalten der Mitwirkenden und billige Tricktechnik, wohin das geschundene Auge auch blickt. All das ist in diesem Film anzutreffen, doch geht der Schuss so ziemlich nach hinten los: Wer hat verdammt noch mal gesagt, dass Trash auch langweilig sein muss?

Denn dramaturgisch ist hier alles am Abkacken. Die Gefahr des außer Kontrolle geratenen Auflaufs wird ausführlich in den Medien ausgeschlachtet, wobei man wohl an „Dawn Of The Dead" gedacht haben musste, doch konnte man sich nicht entscheiden, auf welchen Höhepunkt der Katastrophe man zusteuern wollte; die Kameras werden einfach laufen gelassen und gut ist. Und wo waren denn all die Gegenmaßnahmen? Polizei oder Militär? Ein Krisenstab? Das Chaos in den Straßen, die hier aber zumeist leergefegt aussehen? Sagt jetzt nicht, dass das zu teuer war, wenn es sogar zu einem bunten Ufo gereicht hat.

Und ein weiterer Punkt, den ich den Machern ankreide, ist die inkonsequente Art, mit dem zweifellos tuntigen Image dieses Filmes auf breiter Linie zu punkten, oder wahlweise auch Missfallen zu erregen. Denn solche Brüller wie die beiden in pinkenen Kitteln arbeitenden Angestellten der örtlichen Sternwarte, eine dicke Transe, deren Namen mir gerade nicht einfällt und eine Schwulenparty stellen unverrückbares Volksgut der Griechen dar, gelten die selbigen doch in der Antike als die Erfinder der Liebe durch das Hintertürchen. Was soll dann das mainstreamige Anbiedern mit solchen Szenen, in der ein mittelmäßiger Minister seine mittelmäßig aussehende gelangweilte Blondine im Bett rannimmt? Und was hat das mit der - kaum vorhandenen - Story zu schaffen, wenn sich die Reporterin vom Kanal HI-TV im Klo knallen lässt? Warum befinden sich im rosa UFO scharfe Miezen statt schwule Astronauten? Habt ihr Griechen denn gar keine Ehre im Leib?

Die griechische Selbstironie ist dabei durchaus in Ansätzen bewundernswert. Wenn man bedenkt, welchen Stellenwert die Moussaka genießt, ist die Reaktion der Menschen, die das übergroße Monstrum erst gar nicht definieren können, gerade zu demaskierend für ein Nationalgut: Die befragten Augenzeugen berichten von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, und der Geruch soll einfach nur fürchterlich sein. Doch das kann letztlich nicht genügend Substanz für eine gekonnte Persiflage abgeben, genauso wie die Gesellschaftssatire in Form der Selbstinszenierung eines machtbesessenen Politikers in vagen Ansätzen stecken bleibt. Da muss man schon eher schmunzeln, wenn seine frustrierte Ehefrau von seinem Ableben über das Autoradio erfährt und infolgedessen erst mal auf einen Sender mit fröhlicher Popmusik umstellt. Doch solche auf den Punkt gebrachten Momente sind rar gesät.

Nach fast 100 Minuten komme ich nun zu folgendem Schluss: Ich kann das Zücken des Tiefstbenotungstäfelchen durchaus verstehen, und ich habe lange gegrübelt, wie man hier überhaupt bewerten kann. Irgendwie finde ich, dass der Film gegenüber dem zumindest thematisch verwandten „Blob" nur unwesentlich blöder und langweiliger ist. Eine gewisse Einzigartigkeit, die dieses Machwerk verströmt, sollte man zwar nicht unbedingt als Aufwertungsgrund nehmen, aber ich kann einfach nicht anders. Der dritte Punkt steht für die Hoffnung, dass nicht Uwe Boll eines Tages das Gleiche versucht, wenn z. B. eine Armee Riesenbratwürste auf Berlin zu marschiert mit dem Ziel, den Reichstag durch gezieltes Zerplatzen in Schutt und Asche zu legen. Aber noch sind seine Leidenschaft ja Computerspielverfilmungen und nicht außer Rand und Band geratene Lebensmittel. Noch mal Glück gehabt, würde ich sagen.

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