Einen diabolischen Ruf in Sachen 30er Jahre hat auch „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, wobei der Film die heutigen Erwartungen sicher nicht mehr erfüllen kann.
Gedreht während der Drehpausen zu „King Kong“ und darüber hinaus auch noch in den gleichen Kulissen, präsentiert er eine knappe, stringente und bösartige Erzählung, die allerdings mehr verspricht, als sie halten kann.
Der Graf beliebt zu residieren und zwar auf einer wilden Insel, vor der er mittels falscher Positionslichter öfters mal ein Schiff kentern läßt. Unser Held erleidet so ein Schicksal und wird als Gast und Gästen begrüßt, Gastgeber ist der osteuropäische Zaroff, der hier von einem selbstgeschaffenen Jagdparadies schwärmt, in dem auf das gefährlichste Wild der Welt Jagd macht: dem Menschen, wie man bald erfährt.
Was den Leuten in den 30ern wirklich die Schuhe ausgezogen haben dürfte, sind die sexuellen Untertöne der Story, denn Zaroff bedeutet die Jagd und das Töten von Menschen die einzige Befriedigung, im übertragenen Sinn bedeutet das, sein Orgasmus beruht auf dem Töten. Die Dialoge sind entsprechend geschliffen und es gibt kaum Leerlauf, mal von dem lächerlichen Begleiter Fay Wrays abgesehen, der vor unserem Helden ins Gras beißen muß.
Spannend auch die Jagd auf die beiden in der zweiten Filmhälfte, allerdings kann die angeblich mit Fallen gespickte Insel dieses Versprechen nicht einlösen und zeigt uns nichts davon, der Studiourwald an sich ist jedoch beeindruckend konstruiert und in einer Szene greift der Film sogar zur subjektiven Jagdperspektive durch Lianen und Farne.
Wer ein wenig hinter das gesprochene Wort zu schauen vermag, wird seine Freude an der knappen Stunde haben, alle übrigen werden wohl „unspektakulär“ sagen. Dennoch: so direkt indirekt wurden Perversitäten selten in einem Studiofilm angerührt. (7/10)