Review

1983. Deutschland. Köln. Eine Zeit der Rebellion. In Deutschland bilden und prägen sich immer mehr subkulturelle Jugendszenen. Thomas Schmitt zeigt uns mit dieser Dokumentation die Lebensweisen verschiedener Jugendweisen. Besucht sie dabei in ihren angesagten Clubs, in ihren Behausungen oder Treffs, führt mit ihnen Gespräche, handelt Diskussionen aus und versucht mehr als interessiert auf deren Normen und Ideale einzugehen. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf die damals überschwappende Punkszene aus England, sondern schildert auch noch vehement die angeblichen Verfeindungen deren gegenüber den vermeintlichen Teds (Rock n' Rollern), der Rocker und der Popper. Dabei sind seine Recherchen so glaubwürdig, vorallem weil er eben wirklich versucht diese Szenen und deren Lebensweisen zu verstehen. Ein Grossteil macht dann aber eben doch die Punkszene aus, eine Szene, die in ihrer Extreme immer noch existiert, damals eine ganze Gesellschaft ins Beben und in Entsetzung brachte. Eine derartige rohe, aggressive und unauthoritäte Szene wird hier dermaßen perfekt dem Zuschauer nahe gebracht, und das liegt bisweilen sicherlich nur daran da man Leute befragt und dokumentiert, die auch wirklich all jene Lebensgefühle leben. So ist vorallem diese Dokumentation für jene überraus interessant, die sich eben in jener Zeit und diesem Lebensgefühl wiedererkennen oder eben dieses Zeitgefühl auf heutigem Zeitstandard vertreten oder fasziniert. Und dabei ist es nur mehr als symphatisch, wenn beispielsweise verschiedene Bandmitglieder der Kölner Band Cotzbrocken interviewt werden. Schon charmant und ebenfalls höchst unterhaltend mit welcher intelligenter Ausdruckskraft und bodenständiger Überzeugung und gleichermaßen jugendlicher Naivität der Sänger seine Ansichten schildert. Aus heutiger Sicht wirkt das allerdings sehr befremdlich, nicht weil er sich Punk schimpft sondern weil eben das Ausdrucksvermögen heutiger Jugendlicher um ein vielfaches geringer ist. Würde man heute eine Dokumentation über deutsche Subkulturen drehen, was wäre das für ein Desaster. Eine Doku über Hip Hopper, Emos und Hardcorekids? Ich würde dabei schwarz sehen, auch wenn sowas sicherlich in 25 Jahren so seinen Reiz hätte in welchem Lebensgefühl man sich damals selbst so gelebt hat, auch wenn man in keinster Weise jemals damit symphatisieren konnte. Und dass ist der Unterschied, der diese Doku vorallem für mich interessant macht. Als Anhänger und gleichermaßen Symphatisant von 80er Jahre Deutschpunk, der in seiner Umsetzung einfach bloss roh, berechenbar und simpel war, ist Ventil für eben jenes minimalistische und grundrebellische Lebensgefühl. Und so ist es auch mehr als interessant, wenn man eben jene Verhaltensmuster von diesen Leuten erkennen und nachvollziehen kann. Schön auch, wie der Moderator auf die Konflikte der vereinzelten Szenen eingeht und es scheint als wäre da die Punkszene die Verurteilten unter jenen. Und doch scheint es, als wären keine der Vertreter verschiedener Szenen wirklich grundlegend verfeindet. Schliesslich ist Sinn und Zweck einer Jugendszene, immer rudimentär und in seinen Grundfesten eine Zuflucht aus dem normalen Leben, weg von der Gesellschaft und in Gemeinschaft zu sein. Eine Organisation gegen das Leben und deren zwanghaften Normen. Eine Auflehnung und Rebellion, und das sind eben Grundsätze egal ob Punk, Teds, Rocker oder Popper, die alle inne halten. Und dass ist wohl der grundlegende Charakter der Doku, was sie so interessant und glaubwürdig werden lässt. Durch Konzertmitschnitte, Unterhaltungen und Aktivitäten der einzelnen Jugendlichen, die sich wohlbemerkt wirklich stellenweise wirklich intelligent und auch glaubwürdig auszudrücken vermögen, erfährt man in diesem Film über eine Jugendkultur die einzigartig schien, aber eben heute doch noch genauso weitergeht. Die jugendliche Rebellion stirbt nie, und doch ist es dabei genau so traurig zu sehen, wie aus vermeintlichen Aussätzigen heute doch die geworden sind, was sie damals bekämpften. Und das lässt uns wieder einmal zeigen, dass egal welcher Rebellion wir nachgehen, die Kapitualion eines jeden ist vorprogrammiert.

Fazit:
Randale und Liebe ist ein phänomenal glaubwürdige Dokumentation über Jugendkulturen der 80er Jahre. Vorallem Fans von Punkmusik und den Werten der Punkkultur kann ich diese Dokumentation nur ans Herz legen. Fans von der Band Cotzbrocken kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten. Sehr rarer Film, der mir als VHS oder DVD  leider nicht bekannt ist, aber im Internet kostenlos abrufbar ist.
Sowas hätte wirklich eine DVD verdient.

100%

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