Sonntagnacht in New York City: zwei unangenehme, pöbelnde Gangster (Tony Musante und Martin Sheen in ihren Debüts!)machen den Chef einer Billardhalle an, überfallen einen älteren Mann und beklauen ihn um 8 Dollars, nicht ohne ihn bewusstlos zu schlagen, krakeelen hinter einem Pärchen hinterher und landen schließlich in der U-Bahn. Hier treffen sie auf die unterschiedlichsten Personen, die wir als Zuschauer zuvor schon etwas kennengelernt haben: zwei junge Soldaten (u.a. Beau Bridges), ein junges Liebespärchen, eine Kleinfamilie, deren Tochter wohl ein "Unfall" war, ein Ex-Alki, ein wütender Schwarzer mit seiner besonnenen Freundin u.a...
Die beiden Asis fangen rasch an, die Reisenden im Wagen zu drangsalieren, blöde Scherze mit ihnen zu treiben, schlimmer ist jedoch die Apathie, mit der die Passagiere dies hinnehmen bzw.sich fast gar nicht wehren...
Was ein Film! Ich hatte schon einiges über ihn gelesen, ihn jedoch nie irgendwo auf DVD gefunden, bis ich auf eine australische Veröffentlichung traf. Larry Peerce, den ich bislang eher als gediegenen Konfektionsregisseur ("2 Minuten Warnung" mit Charlton Heston und John Cassavetes, den ich allerdings durchaus mag) kannte, liefert hier eine wirklich beklemmende Psychostudie ab. Die beiden Kleinkriminellen, beeindruckend gut gespielt von Sheen und Musante, sind ganz gewiss widerliche Typen, doch die anderen Passagiere sind zum Teil, so wie wir sie zuvor kennengelernt haben, mindestens ebenso erbärmliche Menschen, Feiglinge, Schwächlinge, Wutbürger ohne Mumm...und das Verhalten der Beiden bringt ihre Schwächen auf verstörende Weise ans Licht. So z.B. bei einem sich beständig streitende Ehepaar, das am Ende sich gegenseitig ohrfeigt, angestachelt von Tony Musante, der nur wenig dafür tun musste.
Oder das junge Liebespaar: der stürmische Lover Tony, der die süße Blondine permanent in die Kiste bekommen will, wird im Angesicht der Beiden zu einem Waschlappen, dem es schon schwer fällt, zuzugeben, dass er mit ihr zusammen ist.
Klar, manche Dinge passen nicht ganz sauber zusammen, so sind die U-Bahnstopp aus dramaturgischen Gründen sicher viel zu weit auseinander und so ein Film könnte heute mit Handies und Überwachungskameras gar nicht funktionieren - wenn man sich auf den Film jedoch einlässt, so wird man von einem spannenden, beunruhigende Kammerspiel überrascht, welches nie im Tempo nachlässt, dessen hervorragende Schwarzweiß-Fotografie den grimmigen Realismus noch unterstreicht und dessen Ensemble hervorragende Arbeit leistet. Am Ende, ich werde nichts spoilern, hat der Film noch einen extrem galligen Kommentar zur Polizei parat, der auch heute, 49 Jahre später, leider immer noch hochaktuell ist.
Große Sache!! 9/10.