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Eigentlich gilt "Halloween" als Urvater des modernen Slasher-Films. John Carpenters meisterhaftes Gruselstück, um den gesichtslosen Michael Myers, ist schon lange Kult und unter der Slasher-Fan-Gemeinde einfach nicht mehr wegzudenken. Doch wenn man mal wirklich ehrlich ist, dann gibt es Massenmörder-Filme schon wesentlich länger. Bereits in Hitchcocks "Psycho" (1960) gab es einen verrückten Schlitzer, auch wenn man hier noch nicht von einem wirklichen Slasher reden kann. Danach folgte u.a. "Blutrausch des Satans" (1971), der schon ziemlich nah am Schlitzer war und auch "Black Christmas" von 1974, der eigentlich schon nahezu vollkommen als "Slasher" bezeichnet werden kann. Denn die Ähnlichkeiten zu "Halloween" & Co. sind schwer zu übersehen.

In "Black Christmas" versteckt sich ein verrückter Psychopath, an Weihnachten, auf dem Dachboden eines Mädchenheims, um auf die Insassen Jagd zu machen. Am Angfang sind es nur obszöne Anrufe, mit denen er die Mädels triezt, doch dann wird daraus blutiger Ernst und aus dem heiligsten aller Feste, wird hier plötzlich eines der Grausamsten. Bis nur noch eines der Mädels übrig ist und sich dem Killer stellt. Schon die Story zeigt mehr als nur überdeutlich, dass wir es hier eigentlich mit einem Schlitzer der typischsten Art und Weise zu tun haben. Für damalige Verhältnisse war das Ganze sicher auch noch relativ neu, womit man die Geschichte vielleicht nicht unbedingt als Innovationslos abstempeln kann, auch wenn man aus heutiger Sicht sagen muss, dass sie auch nicht viel anders ist, als bei den Meisten ihrer Art. Ein Killer, viele Opfer, eine Heldin, so ist es bei (nahezu) jedem Schlitzer und so auch hier. Für damals sicher völlig in Ordnung, für heute sicher nur eine Schlitzer-Geschichte unter vielen.

Das dieser frühe Schlitzer aber dennoch einer der wirklich Guten ist, dafür sorgen vor allem Spannung und Atmosphäre. Die dunkle Nacht und die unheimlichen Kulissen bringen eine Atmosphäre zum Vorschein, wie man sie auch später bei "Halloween" verspüren sollte. Es knistert und knackt gar an allen Ecken. Wenn der Killer zuerst nur mit perversen Anrufen seine Opfer belästigt und danach, eine nach dem anderen verschwinden lässt, dann darf sich der Slasher-Freund wunderbar davon gruseln lassen. Unaufhörlich wird die Spannungsschraube, von Szene zu Szene, enger angezogen. Und weil die Frage nach dem Täter auch stehts und ständig präsent bleibt und dann so ziemlich genau zum richtigen Zeitpunkt aufgeklärt wird, kann man den Regisseur und den Drehbuchschreiber auch für ihr gutes Timing loben.

Unterschiede zu den modernen Schlitzern findet man aber vor allem in Sachen Morde und Musik. Denn anders als bei den üblichen Slashern, passieren die Morde hier nahezu durchgehend im Off. Blut spritzt nur wenig, es wird sich eigentlich voll und ganz auf die Suggestion und die Vorstellungskraft der Zuschauer verlassen. Meist sieht man nur ein paar bedrohliche Hände, die die kommende Tat andeuten, bevor sie dann, größtenteils verschlossen vor dem Zuschauerauge, im Hintergrund durchgeführt wird und man erst wieder das Ergebnis zu Gesicht bekommt. Das mag einige Slasher-Freaks dann sicherlich enttäuschen, doch wer bei einem Schlitzer schon immer lieber auf Atmosphäre und Spannung gesetzt hat, als auf blutige Morde, der wird sicher sehr zufrieden sein, denn ihre Wirkung verfehlen die einzelnen Szenen auf keinen Fall.

Bei der Musik muss man allerdings wirklich einen Dämpfer einstecken. Denn auf spannungserzeugende Musik wurde leider, zum Großteil, verzichtet. Zwar gibt es schon so etwas wie einen Score zu hören, doch auf den Puls der Zuschauer wirkt sich dieser nur selten aus. Vor allem auch deshalb, weil er bei den entscheidenden Szenen immer vergessen bzw. weggelassen wurde. Die direkte Untermahlung solcher Szenen sollte dann wohl doch erst im Mysers-Klassiker folgen.

Was die Darsteller angeht, so kann man sich über solide Genre-Leistungen freuen. Vor allem Olivia Hussey und Margot Kidder, die später zu sehr gefragten Darstellerinnen werden sollten, machen ihre Sache erstaunlich gut und können in ihren jeweiligen Rollen überzeugen. Dazu John Saxon in seiner Rolle als Cop, die er an dann später, in ähnlicher Form, auch bei den "Nightmare"-Filmen spielen sollte. Kurzum, man kann zufrieden sein.

Fazit: Obwohl "Halloween" als geistiger Urvater der Slasherfilme gilt, so ist eigentlich auch, der vier Jahre ältere, "Black Christmas" schon ein astreines Schlitzerfilmchen, welches sich nur in einigen Details, vom postmodernen Genre-Film, unterscheidet. Spannung und Atmosphäre sind auf einem hohen Niveau und auch sonst wird rundum gute Horrorunterhaltung geboten, die höchstens durch die Tatsachen, dass die Morde größtenteils nur im Off passieren und der Score recht dünn ausgefallen ist, manch einen Zuschauer enttäuschen könnte. Für Freunde guter und dunkler Serienkiller-Streifen aber definitiv einen Blick wert! Wertung: 7/10 Punkte

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