Review
von Leimbacher-Mario
Jingle Hell
It's a Classic! Und das nicht nur an Xmas! "Black Christmas" entstand noch weit vor "Halloween" und "Freitag der 13." und er gehört (mindestens) auf deren Stufe des Slasher-Olymp. Nix da zweite Reihe, nix da Geheimtipp, nix da veraltet, nix da das Remake ist besser - "Black Christmas" ist der Real Deal. Ein böser Mix aus Home Invasion und Slasher, aus Angst und Unwissenheit, aus Klaustrophobie und Schrecken. In dieser kanadischen Perle, die einem ganzen Subgenre in Nordamerika den Weg ebnete und sich viel etwa vom europäischen Giallo hat abgeguckt, wird eine weibliche Studentenverbindung von einem Stalker terrorisiert. Zuerst durch obszöne Anrufe, doch schnell wird klar - der Psychopath macht blutigen Ernst. Und scheint dabei den jungen Damen näher zu sein, als die sich in ihren grauenvollsten Alpträumen ausmalen...
"Black Christmas" kriegt mich jedes Mal und ich finde er ist, trotz körnigem 70er-Look, extrem gut gealtert. Wer auf Slowburn-Spannung klassischer Schule steht, der kann hier Gänsehaut-Strichliste führen. Grausam. Brutal. Packend. Werbesprüche wie: "da gefriert das Blut in den Adern" oder "das Atmen wird ihnen schwer fallen" sind hier mal nicht nur hohle Phrasen. Ein Weihnachtsgrauen, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Nicht nur durch eines der härtesten Enden in der Slasher-Historie. Der Spaß weicht hier ganz dem realen Schrecken und der Grundangst, dass das Böse in deinem trauten Heim sein könnte. Unterm Bett, im Wandschrank, im Gartenhaus. Im Grunde ist "Jessy" (blöder deutscher Titel) die Duschszene in Psycho, nur durchgehend. Lange Kamerafahrten gen Tod, Verwesung auf dem Dachboden, ein krankes Hirn am anderen Ende der Leitung. Nicht der brutalste, nicht der lauteste und nicht der berühmteste seiner Art - und dennoch wichtiger als man sich je hätte vorstellen können. Wäre die Protagonistin doch nur etwas tiefer gezeichnet und sympathischer oder der Soundtrack ausdrucksstärker, dann hätte ich nichts zu meckern und würde ohne Frage die Höchstnote ziehen.
Fazit: ein nahezu perfekter Slasher der A-Klasse, dessen Bedeutung und Einfluss man kaum hoch genug hängen kann. Sau gruselig, wunderschön grieselig, sehr atmosphärisch. Prototyp, Wegweiser, Grundstein. Hochspannung auf engstem Raum. Danach waren Telefonklingel und Dachboden nie mehr dasselbe.