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Als einer der Wegbereiter des Slasher-Genres ist der von Bob Clark inszenierte Horrorfilm nicht nur aus historischer Sicht interessant. „Black Christmas“ ist ein feiner kleiner Horror-Krimi, in welchem um die Weihnachtszeit bei einer Schwesternschaft auf dem Campus obszöne Anrufe eingehen. Und als wäre das für die Beteiligten nicht schon unangenehm genug, nimmt die Geschichte für die jungen Damen bald eine tödliche Wendung. Die Polizei ermittelt, das Umfeld macht sich verdächtig, die Inszenierung schraubt zum Ende hin spürbar an der Spannung. 

In der ersten Hälfte ist das Ganze ordentlich, aber noch nicht fesselnd. Hier kümmert sich „Black Christmas“ etwas zu lange um die Zeichnung von Figuren wie der Hausleiterin, atmosphärisch baut sich hier allerdings  schon was auf und im Gegensatz zu manch anderen Genrekollegen steigert sich „Black Christmas“ im weiteren Verlauf noch und liefert mit fortschreitender Spielzeit einen wohligen Grusel. Clark bietet Sequenzen aus der Sicht des Schurken à la Gialli, verstörende Anrufe und nutzt oft den begrenzten Schauplatz des Wohnheims. Hier und da gibt es etwas Humor, der merkwürdig platziert anmutet, die Atmosphäre aber nicht bricht. Diverse Zutaten eines Slashers, wie er später en masse produziert wurde, finden sich hier und wirken dennoch nicht abgenutzt, wobei man keinen vergleichbaren Härtegrad erwarten sollte. Und gerade in der ersten Hälfte fehlt ihm nach der Einführung hier und da auch mal etwas Zug. Dabei bietet der Streifen, gerade im Vergleich zu später entstandenen Slashern, interessante weibliche Charaktere und spricht durchaus interessante Themen (Schwangerschaft, Selbstbestimmung) an – die sich aber mehr als erzählerisches Instrument denn als Statement herausstellen. 

Olivia Hussey macht in der Hauptrolle eine gute Figur, Margot Kidder ist durchweg breit, John Saxon schaut ernst in die Gegend und Keir Dullea mimt einen zu alt wirkenden toxischen Freund. Besetzung und Figuren sind brauchbar, audiovisuell ist der Streifen ebenso kompetent eingefangen und kann mit einem gelungenen Ende punkten. 

„If you blow this, I'll kill you.“

Weihnachtlich-besinnlich wird es in „Black Christmas“ nicht, dafür aber zunehmend spannend mit fortschreitender Laufzeit. Dieser frühe Wegbereiter des Slashers von Bob Clark baut seine Atmosphäre langsam auf, zahlt sich aber später aus und kann mit einem guten Ensemble sowie Ende punkten und bietet manch bemerkenswerte Szene mit dem Killer, wobei der Härtegrad eher mild ist. Er braucht in der ersten Hälfte eine Weile und überzeugt erst später so richtig, ist in seiner Gesamtheit aber dennoch ein sehenswerter Genrebeitrag.

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