Der Ethnologe Max Scarry ist seit einiger Zeit spurlos verschwunden, nachdem es ihn auf eine kleine, abgeschiedene Insel vor Neuseeland verschlagen hatte, wo er der Legende des "Lost Tribe" - ein sagenumwobener Maori-Stamm, um den sich so einige Geschichten ranken - nachgehen wollte. Nun steht die Polizei plötzlich bei Max' Zwillingsbruder Ed vor der Tür und bittet ihn zu einer Gegenüberstellung, denn offenbar hat ein Mann, auf den haargenau seine Beschreibung passt, vor Kurzem eine Prostituierte ermordet... und da Ed für die Tatnacht ein wasserdichtes Alibi vorweisen kann, kann es sich bei dem wahren Mörder ja eigentlich nur um Max handeln. Gemeinsam mit dessen Ehefrau Ruth reist Ed auf die besagte Insel, um dort selbst nach seinem vermissten Bruder zu suchen. Ruths kleine Tochter Katy ahnt bereits, dass dieses Vorhaben kein gutes Ende nehmen wird... Ganz schön mysteriös und unheimlich geht es in John Laings "The Lost Tribe" zu, der durchaus das Potenzial dazu gehabt hätte, Neuseeland als Film-Nation schon lange vor Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Trilogie und sogar auch seinen frühen Splatter-Epen auf die Landkarte zu hieven, wenn er denn nur ein wenig bekannter wäre... und der es auch heute noch verdient hat, entdeckt und gewürdigt zu werden, denn trotz eines völligen Verzichts auf veräußerlichte Effekte oder das übliche F/X-Brimborium erzeugt der Streifen insbesondere in der zweiten Hälfte nur durch seine geschickte Fotografie und den stimmigen Einsatz der Musik eine latent beunruhigende Atmosphäre, der man sich irgendwie nur schwer entziehen kann. Die Handlung, die sich da in aller Ruhe und geradezu bedächtig vor dem Zuschauer abspult mündet da nämlich in einen Schluss-Akt, der auch ohne Blut- und Gewalt-Einlagen echt nervenaufreibend daherkommt und bei dem der innewohnende Schrecken nur vage Formen annimmt. So baut "The Lost Tribe" ergo auf ein Publikum, das bereit ist, sich auf eine schlafwandlerisch langsam erzählte Geschichte einzulassen und welches zudem auch in der Lage ist, die einzelnen Puzzle-Teilchen im Kopf selbst zusammenzusetzen... und es einem Film darum auch nicht übel nimmt, wenn nicht alle Fragen beantwortet werden, die man im Nachhinein noch so haben könnte. Die Prämisse an sich ist dabei hochgradig simpel, erhält durch die kontrastierende Gegenüberstellung des aufgeklärten Stadt-Menschen Ed mit der für ihn (und sicherlich auch für den deutschen Zuschauer) fremdartigen Maori-Mystik aber einigen Tiefgang sowie ein entsprechend reizvolles, exotisches Flair. Unterm Strich ein - nicht nur in Hinblick auf sein Herkunftsland - gänzlich andersgearteter Horrorfilm, der einem irgendwie unter die Haut geht und, was die Art und Weise anbelangt, auf die hier eine tiefgreifende (fast schon verstörende) Spannung erzeugt wird, in einem Atemzug mit einem ebenso eigenwilligen Genre-Vertreter wie etwa "Zeder - Denn Tote kehren wieder" genannt werden muss. Bringt den endlich auf Scheibe, ey!
8/10