Die insgesamt 38 Verfilmungen von Edgar Wallace sind aus dem Archiv deutscher Filmgeschichte kaum mehr wegzudenken. Speziell Alfred Vohrer als Regisseur und Joachim Fuchsberger als Inspektor prägten die zuweilen recht frei erzählten Stoffe, die Ende der Sechziger teils skurrile Züge annahmen.
Unter großer Anteilnahme wird Sir Ramsey beerdigt, doch am Ende der Trauerfeier scheint ein schallendes Lachen aus dem Sarg zu dröhnen. Kurz darauf wird das Umfeld des Verstorbenen erschüttert, als weitere Menschen einem maskierten Killer zum Opfer fallen. Inspektor Higgins (Fuchsberger) und die Journalistin Peggy (Siw Mattson) nehmen ihre Ermittlungen auf…
„Im Banne des Unheimlichen“ zählt zu den weniger populären Wallace-Verfilmungen, obgleich sie den klassischen Mustern einiger Vorgänger folgt: Ein Polizeichef (Hubert von Meyerinck) macht sich zum Affen, indem er beispielsweise heimlich Ballett übt, es gibt mindestens ein Love Interest des Ermittlers, ein Großteil der Handlung spielt sich in düsteren Gewölben ab und ein maskierter Mörder lädt zum Whodunit. Allerdings wundert man sich über einen vermeintlichen Inder mit grüner Haut, wodurch der Typ an Hulk ohne Muckis erinnert, - das Phänomen scheint nicht einmal den mitmischenden medizinischen Personal aufzufallen.
Ansonsten fährt Vohrer ein angenehm flottes Tempo und beweist erneut ein gutes Timing hinsichtlich einiger Temposzenen, so mancher Auflockerung und der reinen Ermittlungsarbeit in Form einiger Befragungen. Zeit für einen Bühnensong von Hauskomponist Peter Thomas bleibt ebenfalls und ein Inspektor in der Bibliothek nutzt die Gunst der Stunde, wenn eine Angestellte mit luftigem Kleid eine Etage drüber hantiert.
Das Erscheinungsbild des Killers mit Totenkopfmaske, langen Haaren und schwarzem Umhang ist weitgehend stimmig, nur hätte man ihn nicht einige Male vom Tatort wegrennen lassen sollen, was beinahe an Otto Waalkes in Verkleidung erinnert und dem Tunichtgut einiges von seinem Schrecken nimmt. Die Morde in Nahaufnahme verfehlen ihre Wirkung nicht, zumal ein Giftring in Skorpionform erstaunlich häufig eingesetzt wird „Wir haben ja bald mehr Leichen als in Hamlet“.
Darstellerisch sind wie gewohnt einige bekannte und routiniert aufspielende Gesichter an Bord: Fuchsberger bildet einen angenehmen Ruhepol gegenüber seinem komplett drüber agierenden Vorgesetzten, während sich der Kreis der Verdächtigen aus Leuten wie Wolfgang Kieling, Pinkas Braun oder Siegfried Rauch zusammensetzt. Bei den Damen überzeugt indes nur Claude Farell als zwielichtige Krankenschwester.
Die Nummer 31 aus der Edgar-Wallace-Reihe ist in einigen Momenten nicht ganz ernst zu nehmen und die Auflösung zählt gewiss nicht zu den großen, kniffligen Highlights der Reihe. Dennoch ein charmanter Reigen, bei dem die Nebelmaschine zumindest nicht überstrapaziert wird, die hübsch gestalteten Sets für eine angemessene Stimmung sorgen, während das Ratespiel um den Killer eher überschaubar bleibt.
6,5 von 10