Nach zwanzig Jahren im Ausland kehrt der Verbrecher Joe Legge nach London zurück um mit seinen Handlangern einen spektakulären Eisenbahnüberfall durchzuführen. Die Beute plant er anschließend auf dem Besitz seines alten Bekannten, des Politikers Robert Marley, der Legge damals notgedrungen zur Flucht verholfen hatte, zu verstecken. Um sich der Mithilfe Marleys zu versichern, droht Legge mit der Ermordung von dessen junger Tochter Denise. Um diese zu beschützen, engagiert Marley nun den Privatdetektiv Johnny Gray, der den Fall auch prompt übernimmt. Derweil geht ein Mörder um, der seinen weiblichen Opfern mit einem Rasiermesser die Kehle durchschneidet... und der im "Highlow"-Nachtclub, der Legge und seiner Bande als Unterschlupf dient, sogar auf offener Bühne zuschlägt und eine der Strip-Tänzerinnen vor Publikum ins Jenseits befördert. Gray kommt schließlich dahinter, dass die Mordserie wohl irgendetwas mit Denises Mutter zu tun haben muss, die vor zwanzig Jahren kurz nach dem Verschwinden von Joe Legge auf mysteriöse Weise ums Leben kam... Harald Reinl, der die hiesige Grusel-Krimi-Welle mit seinem "Der Frosch mit der Maske" losgetreten hat, inszeniert zwischen seiner 1963er-CCC-Konkurrenz-Produktion "Der Würger von Schloß Blackmoor" und seinem nächsten "echten" Edgar Wallace-Streifen der Rialto "Der unheimliche Mönch" mit "Zimmer 13" einen etwas aus der Reihe fallenden Beitrag, der ohne augenfällige Genre-Elemente größtenteils eine "realistische" Kriminal-Geschichte rund um eine Zugräuber-Bande erzählt (inspiriert von dem am 8. August 1963 stattgefundenen "Great Train Robbery")... dafür aber immerhin noch mit einer Neben-Handlung rund um einen behandschuhten Rasiermesser-Mörder aufwarten kann, die fast schon Assoziationen zu den gerade aufkommenden italienischen Giallos weckt (und auch die beiden Beiträge zur Wallace-Spätphase "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" und "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" ein wenig vorwegnimmt). Von der Warte eines typischen (Proto-)Schlitzer-Streifens oder "Psycho"-Nachziehers aus betrachtet ist "Zimmer 13" demnach um einiges interessanter denn als überzogenes Kintopp-Spektakel mit latentem Trash-Appeal, gerade wenn man die Handlung ausgehend von der finalen Auflösung rückblickend nochmal Revue passieren lässt. So gerät das Ganze ähnlich wie der vorhergehende "Das indische Tuch" doch glatt zur frühen Slasherfilm-Randerscheinung... dort noch als Murder-Mystery überdeutlich von Agatha Christie beeinflusst, hier nun fast schon gleichauf mit Mario Bava und seinem "Blutige Seide". Okay, für das zeitgenössische Publikum gibt es da zwar noch die Stamm-Darsteller Joachim Fuchsberger, Siegfried Schürenberg und Eddi Arent, die allesamt ihren gewohnten Rollen-Typus zum Besten geben, aber dass das Ganze damals mehr geschockt haben muss, als man es von so 'nem Edgar Wallace-Filmchen eigentlich erwartet hat, merkt man schon daran, dass die FSK da zum Kino-Start eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt hat (by the way: heutzutage isser FSK 12!). Dank Harald Reinls wie immer routinierter Inszenierung funktioniert das alles in seiner Gesamtheit denoch gut und die Krimi-Plotte sowie das sachte Body-Count-Gebalge kommen sich nicht wirklich gegenseitig ins Gehege, auch wenn "Zimmer 13" dem Vernehmen nach wohl kein Fan-Fave ist. Dennoch: Der deutsche Genre-Film ganz ungewohnt zum ersten Mal seit alten Stummfilm-Tagen wieder seiner Zeit ein wenig voraus...
7/10