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General Idi Amin kommt 1971 in Uganda durch einen Putsch an die Macht. Seine acht Jahre anhaltende Schreckensherrschaft fordert das Leben zahlreicher Politiker, Journalisten, Ausländer und eines großen Teils der eigenen Zivilbevölkerung. Diverse Menschenrechtsorganisationen schätzen die Anzahl der Opfer zwischen 100.000 und 500.000. Idi Amin bekommt den Spitznamen "Schlächter von Afrika".


Der Film "Idi Amin-Der Schlächter" (1981) stellt die Geschehnisse während der achtjährigen Amtszeit dar. Folglich soll das Werk einen biografischen Anspruch beinhalten. Die Darstellung eines Diktators und Massenmörders scheint immer ein wenig problematisch zu sein. Der kürzlich realisierte Film „The Last King of Scotland“ beweist jedoch auf eindrückliche Weise, dass auch bei einer so komplexen Thematik eine seriöse Wiederspiegelung der Realität durchaus umzusetzen ist.


„Idi Amin-Der Schlächter“ unterscheidet sich tiefgreifend im Vergleich zur respektvollen Abhandlung der Thematik mit Oscar-Gewinner Forest Whitaker. „Der Schlächter“ kann man als ein sehr pietätloses Werk ansehen, als ein prädestiniertes Produkt für die Vertriebswege der Exploitation-Filme. Denn einen anderen Sinn kann man hinter der Fassade nicht entdecken. Die heuchlerische Widmung des Films „an die Opfer von Idi Amin“ erscheint dem reflexionsfähigen Zuschauer unglaubwürdig.


Der Exploitation-Film Charakter zieht verschiedene Konsequenzen mit sich. Zum einen wäre die verfälschte Darstellung historischer Geschehnisse erwähnenswert, zum anderen die Fokussierung des Regisseurs auf die sehr grafische Zurschaustellung von Massakern und Exekutionen.


Bis zu einem gewissen Grad spiegelt das Gezeigte die historische Entwicklung durchaus wieder. Beispielsweise fanden die Eroberung Tansanias und die Befreiung von Gefangenen durch israelische Militäreinheiten durchaus statt. Andere Geschehnisse, besonders die partikularen Verhaltensweisen des Diktators dürfen jedoch hinterfragt werden. So scheint es eher unwahrscheinlich, dass Idi Amin jemals ein Hautstück seiner Opfer verzehrt hat und somit eine kannibalistische Neigung offenbarte. Dies wird nämlich in einer Szene des Films suggeriert. Nun, ich möchte mich an dieser Stelle nicht als Afrika-Experte hochstilisieren, wenn jemand andere Informationen bezüglich der Neigungen des Diktators besitzt, kann er mich ja darüber informieren.


Die detailierten Folterszenen haben mich (zumindest teilweise) an Naziploitation-Werke erinnert, obwohl der Sleaze-Pegel dieser Filme zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Den Vergleich mit Nazi-Exploiter finde ich an dieser Stelle aber sehr treffend und ich würde „Der Schlächter“ ohne Zweifel in die Selbe Kategorie einordnen.

Ferner wird die Person Idi Amin kaum differenziert dargestellt. Die Rede ist nur von einem übergewichtigen, brutalen Tyrannen, der sich sehr gern mit mehreren Frauen gleichzeitig vergnügt (was in mehreren Szenen auch gezeigt wird).


Rückblickend betrachtet, funktioniert der Film auf keiner Ebene. Als seriöse Abhandlung ist er aus den oben genannten Gründen völlig ungeeignet. Auch die atavistischen Bedürfnisse von Gorehounds oder Exploitationfans vermag „Der Schlächter“ zu keinem Zeitpunkt zu befriedigen. Dafür scheint er mir einfach zu harmlos im Vergleich zu anderen, verwerflichen Vertretern seiner Zunft. Was übrig bleibt ist ein ziemlich belangloses Filmchen, das historische Fakten rücksichtslos verfremdet und variiert und seine langweilige Entwicklung bis zum Ende der 95 Minuten frönt.


Subways Wertung: 3 kleine Punkte.

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