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Es gibt ihn wirklich – den witzigen Stallone, der trotz Selbstironie unterhalten kann und sich dabei nicht zum Affen macht. Sly versuchte sich, genau wie Arnold Schwarzenegger seinerzeit mit „Twins“ und „Kindergarten Cop“, Anfang der Neunziger umzuorientieren und verschuldete katastrophalen Ergebnisse wie „Oscar“ und „ Stop! Or My Mom Will Shoot“ auf dem Komödiensektor. 1993, vier Jahre nach „Lock up“ und „Tango & Cash“, sollte er mit „Cliffhanger“ und eben „Demolition Man“ noch einmal zu alter Stärke zurückfinden. Was danach folgte war bis „Copland“ meist kaum noch der Rede wert („The Specialist“, „Judge Dredd“, „Daylight“).

Marco Brambillas erstaunliches Regiedebüt zeigt Sly ein letztes Mal in bestechender Form als „One Man Army“ – mit dem Unterschied, dass „Demolition Man“ von vorne herein als Parodie auf Stallones Image konzipiert worden ist und genau daraus seinen Unterhaltungswert bezieht. Bereits in der fulminanten Eröffnungssequenz, die, im Jahr 1996 spielend, Sly sogleich beim Plätten diverser Handlanger des Bösewichts Simon Phoenix (Wesley Snipes, „Blade“, „The Art Of War“) in dessen Unterschlupf zeigt, ist definitiv noch dem brachialen, politisch inkorrekten Actionkino der Achtziger zuzuordnen. Unverwundbar und unaufhaltsam ballert sich Spartan (Sly) den Weg frei, um schließlich von seinem Erzfeind ausgetrickst zu werden. Beide werden lebenslänglich verurteilt und kryogenisch eingefroren – bis ins Jahr 2032. Da gelingt Phoenix die Flucht. Aber wer soll ihn aufhalten? Genau...

Die utopische Zukunft in „Demolition Man“ ist eine zutiefst pazifistische – eine „Brave New World“, in der alle Menschen fröhlich, glücklich und zufrieden sind. Eine Gesellschaft in der Rauchen, Fluchen und Sex verboten sind, in der eine totalitäre Kontrolle und das Diktat des Anführers Dr. Raymond Cocteau (Nigel Hawthorne) akzeptiert worden sind. Waffen werden nur noch in Museen ausgestellt, Fahrzeuge steuern sich selber, alles ist sauber, hell und friedlich. Wo ist da noch Platz für einen fluchenden, alles demolierenden, Chaos verursachenden Cop wie John Spartan?

Eigentlich nirgends, doch dank Phoenix Ausbruch bekommt Spartan eine Bewährungschance und die will er nutzen. Der Versuch zu Beginn nebenher noch so etwas wie Gefühle einzubringen (Spartans Familie, etc.) bricht Brambilla schnell ab und konzentriert sich ganz auf das Duell der beiden Erzfeinde. Spartan findet sich zunächst natürlich kaum in dieser Zukunft zurecht, hat einen Oneliner nach dem anderen auf den Lippen, flucht, versteht den Trick mit den drei berühmten, inzwischen wohl schon Filmgeschichte schreibenden, Muscheln nicht und muss feststellen, dass sich die Gesellschaft nicht nur zum Guten entwickelt hat. Die ihm implantierte Fähigkeit des Nähens, lässt ihn zudem stark am Fortschritt zweifeln. Sex, hier Austausch von Körperflüssigkeiten, ist genau so untersagt wie Küssen – der Ersatz ist für Sly dann etwas gewöhnungsbedürftig.

Simon Phoenix, mit allen Fähigkeiten zum Superverbrechen (Martial-Arts, Waffenkunde, etc.) ausgestattet, besorgt sich derweil die ersten Waffen und sieht sich schnell mit seinem alten Gegner konfrontiert. Die dabei auftretende Action stellt eine Schneise der Zerstörung quer durch Los Angeles dar und setzt sich aus einer Vielzahl von Schießereien, Schlägereien und Verfolgungsjagden zusammen. Brambilla erzeugt hier keinen Actionoverkill, inszeniert die Einlagen jedoch hübsch altmodisch, ohne zu Spektakuläres zu zeigen. Das Sahnehäubchen sind hier auch die Oneliner, die sich die beiden um die Ohren knallen. Selbst der sonst nicht so eloquent daherkommende Sly ist mit einem für Ohrenschlackern sorgenden Vokabular ausgestattet – einige davon sind inzwischen wirklich unvergessliche Klassiker.

So genial Wesley Snipes hier als böser, nie um einen lockeren Spruch verlegener, psychopathischer Bösewicht auch ist, der wahre Star ist der ein letztes Mal zu großer Form auflaufende Sylvester Stallone. Mit sichtlichem Spaß an seiner selbstironischen Rolle zitiert er „Star Wars“, kann nicht glauben, dass Arnold Schwarzenegger Präsident geworden ist (aus heutiger Sicht natürlich noch eine Spur witziger, weil gar nicht mehr unmöglich) und stößt mit seiner direkten, ungehobelten, pietätlosen Art überall auf Unverständnis. Nur die nostalgisch veranlagte und ständig Sprichwörter verdrehende Polizistin Lenina Huxley (Sandra Bullock, „Speed“, „The Net“) scheint sein Denken und Handeln, zumindest im Ansatz, zu verstehen.

Später wird zwar ein wenig Gesellschaftskritik eingebracht, doch wirklich Interessieren tut dieses möglichst knapp gehaltene Element niemanden. Wenn der Film eine Schwäche hat, dann ist das der spannungsfrei erzählte Plot. Denn wo man sich auf Humor und Action konzentrierte, kam die Spannung mit der Lupe suchen. Doch das ist in diesem kurzweiligen Unterfangen auch längst nicht mehr von Belang. Wichtig ist hier nur eins – der Filmspaß und der ist bei „Demolition Man“ in jeder Sekunde vorhanden.


Fazit:
Dank zweier gut aufgelegter Hauptdarsteller, ist „Demolition Man“ ein actiongeladener Science-Fiction-Streifen mit reichlich Anspielungen (u. a. auch „Rambo“) und jeder Menge Wortwitz. Meinetwegen hätte Stallone von dieser Sorte noch 2 bis 3 Streifen machen können, denn die Selbstironie steht ihm gut. Marco Brambilla lässt in seinem Regiedebüt nichts vermissen und so glänzt der Streifen nicht nur mit harter Action, comichaften Elementen und einer nicht ernst zu nehmenden Zukunft, sondern auch einem überdrehten Psychopathen, einer süße Sandra Bullock und einem unkaputtbaren Sly in Bestform.

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