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1993 war das letzte Jahr, in dem Stallone wenigstens ansatzweise seine filmischen Qualitäten (Action, Physis, Präsenz) noch einmal wirkungsvoll auf der Leinwand einsetzen konnte, in dem er mit „Cliffhanger“ die Actionfans bediente und mit „Demolition Man“ einen der wenigen Filme dreht, die komödiantische Bestandteile haben und nicht vollends in die Hose gegangen sind.

Hier treffen das auslaufende und das neue Zeitalter aufeinander: Stallone als kantiger Kracher mit Mumm in den Fäusten und stoischem Blick und Snipes als Actionstar der kommenden Jahre, agil, kampfsporterprobt und wendig.

Die Story, gottja, die vergisst man am liebsten – denn hier haben sich die USA (oder ein Teil davon zumindest) in eine friedliebende Gesundheitszone verwandelt, in dem all die alten Hollywoodwerte (Sex, Gewalt, Waffen, Schimpfworte, Berührungen, echter Sex, scharfes Essen (?)) verboten sind. Während John Carpenter das drei Jährchen später zu einer düsteren Snake-Plissken-Utopie umstrickte, wirkt die Realität 2032 hier wie ein albernes Lala-Wunderland mit ironischen Untertönen; etwa, wenn man erfährt das Taco Bell (im Deutschen Pizza Hut) die Franchise-Kriege als einzige überlebt haben oder man in der Präsident-Schwarzenegger-Bibliothek historische Infos gibt.
Wie schnell die Gesellschaft die Realität vergessen und ins Museum verdammt haben soll, ist schon ein Hammer, hier laufen nur grenzdebile Weicheier durch die Botanik.

Unter der Oberfläche brodelt es natürlich, da leben die wilden unorganisierten Freigeister und arbeiten nach dem Robin-Hood-Prinzip, in Gestalt des Anführers Denis Leary.
Ja, und den soll Snipes natürlich ausschalten, deswegen kommt dieser Punk-Soziopath überhaupt nur frei, doch der politische Rädelsführer schießt sich mit diesem Amokläufer natürlich selbst in den Rücken, denn kontrollierbar ist der nicht.
Gut, dass jemand auf die Idee kommt, den „Demolition Man“ freizuschmelzen…

Die meisten Jokes gehen sicherlich von den Gegensätzen zwischen dem „harten Cop“ Stallone und der neuen Gesellschaft aus, für realistische Bezüge ist da wenig Platz, da darf der Protagonist allerhöchstens mal nach dem Verbleib der Ehefrau fragen, später kommt das Thema nicht mehr auf.
Stallones stoischer Charakter passt gut zu Sandra Bullocks Euphorie, mit dem Historienidol arbeiten zu dürfen, spätestens wenn er nach Hypnoschulung anfängt, nächtens Pullover zu stricken, trifft der Humor den richtigen Ton.
Ansonsten gibt’s reichlich Fights und Ballereien, aber die wirken genauso aufgesetzt und albern, wie die Dystopieansätze (eine solche Gesellschaft wäre vom Rest der Welt locker überrollt worden).
Dennoch wirkt der Film enorm unterhaltsam, weil er sich a) nicht ernst nimmt und b) das auch noch bisweilen zusätzlich unterläuft. Man kann „Demolition Man“ einfach so konsumieren und sich amüsieren und sich dabei wundern, wie dieser Zwitter von einem Film überhaupt gedreht werden konnte.

Anders darf man da aber nicht rangehen, sonst platzt ggf. die Seifenblase und entpuppt sich als hohles Product-Placement-Konstrukt, dass von den Autoren praktisch überall und nirgends in der SF-Geschichte bruchstückhaft zusammengeklaut wurde.
Teurer Fast Food, der sein Unterhaltungspotential mehr aus der Plattheit und den amüsanten Zwischentönen bezieht, als aus dem Bombast. (7/10)

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