Ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das zwar effektiv, aber völlig unmodern daherkommt. Wer jetzt denkt, dass von "Demolition Man" die Rede ist, der irrt. Gemeint ist natürlich Protagonist John Spartan, der Cop, der wegen einer vermeintlichen Straftat eingefroren wird, um auf eine Welt losgelassen zu werden, die gewaltfrei ist und auf solche auch nicht vorbereitet ist. "Demolition Man" ist zwar mit den einleitenden Worten nicht gemeint, dennoch handelt es sich um einen altmodischen Film, allerdings im besten Sinne des Wortes, markiert er doch einen der letzten großen Actionfilme der einstigen Ikone dieses Genres: Sylverster Stallone. Sein kürzlich erschienener "John Rambo" soll von dieser Aussage ausdrücklich ausgenommen werden.
"Demolition Man" erschien in einer Zeit, in der Stallones Filme schon mit recht viel Kritikerschelte zu leben hatten. "Stirb Langsam" hatte einen solchen Einfluß auf das Genre, dass die einstigen Supermänner Stallone und Schwarzenegger wie ausgediente Recken wirkten. Die Masse und auch die Kritiker wollten lieber verletzliche und irgendwie realere Helden sehen, den Typus, der von Bruce Willis in dem Hochhaus-Actioner und seinen Fortsetzungen so glaubhaft dargestellt wurde. Folgerichtig war "Demolition Man" auch an den Kinokassen kein Erfolg vergönnt. Bei Betrachtung des Streifens (ob damals oder auch heute) fragt man sich allerdings, wieso er nicht gezündet hat.
"Demolition Man" hat eine interessante Ausgangsbasis. Die Idee der friedfertigen Zukunft, die auf die Taten eines Supervebrechers aus der Vergangenheit nicht annähernd vorbereitet ist, bietet neben der immer enorm sehenswert inszenierten Action ein großes Potenzial für Humor und leicht parodistische Züge. Dieses Potenzial wird in dem genau richtigen Maße genutzt. Der Film ist stellenweise durchaus hart (man denke einfach an das Auge des Gefängnisdirektors), um daraufhin wieder mit witzigen und originellen Szenen zu glänzen. Zudem ist er angenehm selbstironisch und nimmt sich nicht zu ernst, ohne allerdings den Fehler zu begehen, zu albern zu werden.
Zu dieser gelungenen Mischung kommt zudem das glaubwürdige und reichhaltige Setdesign. "Demolition Man" war eine Big Budget-Produktion und das sieht man dem Film auch zu jeder Zeit an: Die futuristischen Austos wirken nicht, wie umgebaute Alltagskisten, sondern wirklich einzigartig. Genau das gleiche gilt für Gebäude, Bauten und Waffen. All dies erzeugt eine überzeugende Zukunftsvision, die von den beiden Hauptdarstellern nach Herzenslust zerlegt wird.
Ein weiterer großer Pluspunkt dieser Produktion sind die Darsteller. Sylvester Stallone ist körperlich auf der Höhe der Zeit. Er wirkt sehr präsent, durchtrainiert und jederzeit hellwach. Man muß den Hut vor diesem Mann ziehen, wenn man bedenkt, welche Leistung er mit "John Rambo" abgeliefert hat, doch 1993 sah er einfach (und selbstverständlich) anders aus. Sein Antagonist wurde von einem jungen, aufstrebenden Actiondarsteller gespielt, dessen beste Tage mittlerweile vorbei sind (ganz im Gegensatz zu dem unverwüstlichen Stallone): Wesley Snipes. Er spielt den fiesen, aber dennoch charismatischen Verbrecher Simon Phoenix durchtrieben und enorm prägnant. Die so entstehenden Duelle lassen zu jeder Zeit die Leinwand brennen und zwar nicht nur aufgrund der Special Effects, sondern wegen der körperlichen, wie charismatischen Präsenz der beiden. Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt, besondere Erwähnung soll an dieser Stelle die bezaubernde Sandra Bullock finden, die vor ihrem großen Durchbruch mit "Speed" (einem weiteren Actioner "der neuen Generation") eine charmante zweite Geige spielt.
Dass der Film trotz des ganzen Production-Bling-Bling und den Special Effects kein dummer Streifen geworden ist, sondern sich sogar traut, gesellschaftskritische Töne anzustoßen, macht ihn einzigartig. Natürlich sollte niemand erwarten, dass jede Couchkartoffel nach Betrachten von "Demolition Man" als Aktivist auf die Straße geht, doch es tut dem Gesamtwerk sehr gut, dass es viele Anspielungen (der Charakter Sandra Bullocks heißt Lenina Huxley... Schöne neue Welt, ick hör dir trappsen) und inhaltliche Substanz gibt, denn dies verleiht dem Film eine Tiefe, die im Actiongenre nicht alltäglich ist. Diese wird verpackt mit viel Humor, knackiger Action und einem Stallone in Höchstform. Was will man mehr? Also: Film anschauen und registrieren, dass Relikte aus vergangenen Zeiten nicht unbedingt schlecht sein müssen...
Fazit:
9 / 10