1996: Der Cop John Spartan, der aufgrund seiner brachialen Vorgehensweise nur "Demolition Man" genannt wird, wird auf den Super-Verbrecher Simon Phoenix angesetzt. Während eines Einsatzes kann Spartan diesen zwar auf die übliche, rabiate Art Dingfest machen, aber da dabei offenbar auch eine Busladung Geiseln ums Leben kommt, werden sowohl er als auch Phoenix anschließend in ein neuartiges Cryo-Gefängnis gesteckt und tiefgefroren. Im Jahr 2032 gelingt Phoenix die Flucht aus der Tiefkühltruhe und es vergeht natürlich keine Minute, bis dieser wieder genau da weitermacht, wo er damals aufgehört hatte und die Einwohner von "San Angeles" mit seinem Terror überzieht... und da sich die Gesellschaft in der Zwischenzeit grundlegend gewandelt hat und Verbrechen und Gewalt nun der Vergangenheit angehören, ist man gegen einen solchen archaischen Kriminellen nicht gewappnet. Um Phoenix erneut zu fassen, wird auch der "Demolition Man" wieder aufgetaut und in den aktiven Polizeidienst übernommen, doch dieser ist aufgrund seiner brutalen Methoden seinen Vorgesetzten fast ebenso sehr ein Dorn im Auge. Gemeinsam mit der jungen Polizistin Lenina Huxley kommt Spartan dahinter, dass die ganze Sache ein abgekartetes Spiel ist und Phoenix vom obersten Stadtvater Dr. Cocteau persönlich reaktiviert wurde, um Edgar Friendly, den störenden, freigeistigen Anführer einer Untergrund-Bewegung, auszuschalten... "Demolition Man" ist ein ultra-merkwürdiger Film: Simultan ziemlich clever und saudämlich, gleichzeitig visionär und mal ganz schlecht gealtert. Die heutigen gesellschaftlichen Befindlichkeiten inklusive völlig übersteigerter Political Correctness hat man hier Anfang der 90er auf jeden Fall schon ziemlich genau vorhergesehen und in den Mittelpunkt einer satirischen Zukunfts-Utopie (oder -Dystopie, je nach Sichtweise) gestellt. Das Problem: Aus der Prämisse des Streifens hätte man einen "ernsthaften" Science-Fiction-Film machen müssen... und kein Action-Comedy-Krawall-Vehikel für Sylvester Stallone! Das hier präsentierte Szenario ist gänzlich unglaubwürdig und die geschilderte Welt einfach nicht plausibel: Der zeitliche Sprung von 36 Jahren ist zu knapp kalkuliert, die Handlung von "Demolition Man" hätte mal MINDESTENS noch 100 Jahre später in der Zukunft spielen müssen, damit man ihm das verlorengegangene Wissen über das ausgehende 20. Jahrhundert abkauft... denn es laufen überall noch alte Leute rum, die eben jene Zeit noch selbst erlebt haben müssen. Das ist ungefähr so, als wüsste heutzutage niemand mehr über die 80er Bescheid (und genau das Gegenteil ist ja der Fall, die sind präsenter als je zuvor!). Die echt drängende Frage, ob der Rest der USA - oder gar der Rest des Planeten - außerhalb des Mikrokosmos "San Angeles" ebenfalls komplett pussifiziert ist und Gewalt und Krieg nun generell der Vergangenheit angehören (wie das?!?), wird da übrigens niemals gestellt und sogar gänzlich ausgeklammert, da die gesamte Konstruktion des Streifens sonst spontan wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen würde. Was in "Demolition Man" stattdessen zählt, sind laue Fish-out-of-water-Gags und aufgeblasene Radau-Set-Pieces, in die da wesentlich mehr Aufwand geflossen ist, als in einen sauber ausgearbeiteten Plot. Stallone erhält dabei immerhin noch die Gelegenheit, sein markiges Image als Action-Star ein wenig auf die Schippe zu nehmen, was hier zugegeben besser funktioniert als bei "Stop! Oder meine Mami schießt", auch wenn die Humor-Einlagen doch generell eher ätzend sind. Okay, ununterhaltsam ist "Demolition Man" ja wirklich nicht (was auch erklärt, warum er heutzutage als halber Kultfilm über Wert gehandelt wird), aber man merkt dem Streifen doch permanent an, dass die Drehbuchautoren eine gewisse Weitsicht besessen haben, diese jedoch hinter dem Drang nach läppischem Sci-Fi-Larifari hintenanstehen musste... und genau diese innere Zerrissenheit ist es, die ihn niemals wirklich funktionieren lässt. Fazit: Mit den üblichen Brutalitäten aufgepeppter Multi-Millionen-Dollar-Trash made in Hollywood für die ganze Familie, der nur von der spektakulären Action und einem Hauch Selbstironie gerettet wird.
6/10