Review

In den 80ern regierten He-Man und seine Mannen die Kinderzimmer der Jungs als Spielzeug, Comic und Zeichentrickserie – kein Wunder, dass irgendwann jemand daraus einen Realfilm machen wollte und die Aufgaben übernahm die Actionschmiede Cannon.
Auf dem Planeten Eternia tobt Krieg und derzeit liegt Schädelkopf Skeletor (Frank Langella) in Führung. Die Zauberin des Guten hat er in ihrem Schloss Grayskull festgesetzt, der Zivilbevölkerung werden Unterwerfungsbotschaften vor den Latz geknallt, nur He-Man (Dolph Lundgren) und seine Freunde Man-at-Arms (Jon Cypher) und Teela (Chelsea Field) müssen noch umgebracht werden. So geht es dann direkt zur Sache, die Fans wissen worum es geht, der Rest der Welt kann immerhin an Aufmachung und Gebaren der Figuren erkennen, wer hier gut und wer hier böse ist.
Mitten in der Not liest die kleine Rebellentruppe dann den Zwerg und Tüftler Gwildor (Billy Barty) auf, der kosmische Schlüssel baut und sie mit einem solchen auf die Erde der Gegenwart transportiert. Doch Skeletors Schergen besitzen ebenfalls ein solches Gerät...

Aufgrund einiger Änderungen zur Vorlage waren nicht alle He-Man-Fans mit „Masters of the Universe“ zufrieden, teilweise gar richtig erbost ob des Eingriffes an solch wertvollem Kulturgut. Doch auch unter anderen Zuschauer ist der Film als Trash verschrien, wobei das doch etwas ungerecht ist – campy bis zum Anschlag ist der Cannon-Streifen dennoch, gerade ob mit völligem Ernst vorgetragener Schwachsinnsdialoge oder Szenen, in denen Gwildor auf dem Synthesizer-ähnlichen Schlüssel rumklimpert als wolle er sich als neues Mitglied der „Star Wars“-Cantina-Band bewerben.
„Star Wars“ ist sowieso ein gutes Stichwort, denn hier holt sich „Masters of the Universe“ mehr als nur eine Inspiration: Skeletors Truppen sind eine Mischung aus Storm Troopern und Darth Vader, Gwildor erinnert arg an Yoda und auch zu den meisten anderen Figuren kann man ein Pendant in George Lucas’ Sternenkrieg-Saga finden. Doch nicht nur am Ideenklau merkt man, dass das Script von „Masters of the Universe“ bestenfalls halbgar ist; die ach so wichtige Zauberin verbringt den ganzen Film über mit nutzlosem Rumstehen im einem Kraftfeld, die Eigenheiten der angeheuerten Mutantensöldner werden gar nicht genutzt, da sie kaum zum Zuge kommen, im Kampg arg schnell die Segel streichen und teilweise nur mit Laserpistolen rumballern wie die normalen Truppen auch usw.

Auch im Bereich Action, sonst die Stärke der meisten Cannon-Produktionen, ist „Masters of the Universe“ zwischendrin etwas schwachbrüstig. Der Auftakt gibt noch ordentlich was her, danach sind die meisten Konfrontationen gut vs. böse leider relativ kurz und auch den Showdown hätte man sich ausladender gewünscht. Zudem ist das Hauen, Stechen und Schießen zwar ordentlich in Szene gesetzt, herausragende oder spektakuläre Momente lässt das Ganze vermissen, auch wenn die Schwertkampfeinlagen immerhin was hermachen.
Jedoch kann man „Masters of the Universe“ trotz seiner Schwächen eines nicht nachsagen: Langeweile. Ständig ist was los auf dem Bildschirm, auch wenn die Helden auf der Erde landen: Mit Hilfe der Teenager Julie (Courteney Cox) und Kevin (Robert Duncan McNeill) versuchen sie den kosmischen Schlüssel wieder startklar zu machen und prügeln sich derweil noch mit dem Feindvolk. Das interessiert auch nach diversen Zerstörungsorgien weder Bürger noch Medien, selbst die Polizei greift nur ein, weil einer der ihren, Detective Lubic (James Tolkan), sich so sehr dafür interessiert. So ist die Schlüsselhatz zwar nicht besonders wendungsreich, jedoch stets recht kurzweilig, was nicht zuletzt an der ebenso großen wie illusteren Gegnerschar liegt.

Denn im Bereich von Kostümen und Locations hat man sich deutlich mehr Mühe gegeben als auf dem Feld des Script-Writing. An Echsen oder Werwölfe erinnernde Söldner, Truppen auf fliegenden Boards und ähnliche Scherze sorgen für bonbonbuntes eye candy, das von den weniger gelungenen Dialogen ablenkt, ebenso wie das gewisse Maß an Humor: So haben Touris von Eternia ganz besondere Erlebnisse mit Dingen wie einer Kuh oder Spare Ribs und Lubic wirft beim Ballern mit dummen Sprüchen nur so um sich.
Mimisch ist Dolph Lundgren hier nicht wirklich gefragt, aber für He-Man ist der blonde Hüne quasi eine Idealbesetzung, sodass er trotz Sparmimik immer noch in der Rolle zu gefallen weiß. Frank Langella muss unter seiner Maske nur mit der Stimme spielen, hat aber Spaß an der Rolle, und Jon Cypher sowie Chelsea Field supporten ganz ordentlich. Courteney Cox, noch ganz am Anfang ihrer Karriere, zeigt bereits hier ihr Talent und James Tolkan spielt mit viel Freude, sodass auch die Darsteller ein paar der Drehbuchschwächen ausgleichen können.

Ein Referenzprodukt für Cannon mag „Masters of the Universe“ vielleicht nicht sein, doch ein dumm-lustiger und knallbunter Spaß mit hohem Camp-Faktor ist trotzdem dabei herausgekommen: Ständig ist was los, über gewollte wie ungewollte Komik darf gelacht werden und die optische Gestaltung hilft dabei das wenig aufregende Script und die mäßig gelungenen Dialoge zumindest teilweise zu ignorieren.

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