Wie nennt man einen Versuch meine Jugendheroen aus Masters-of-the-Universe in die reele Welt zu übertragen? Leichtsinnige Geldmache? Nö, das trifft es nicht ganz. Majestätsbeleidigung? Ja, das schon eher. He-Man und seine Kumpanen waren in den 80ern in jedem noch so kleinen Kinderzimmer zu finden, sprich auch in Meinem. Umso größer war die Freude als ich von einem Masters-of-the-Universe Realfilm hörte.
Na ja, ganz übel war der Film nicht, aber trotzdem weder das war die Fans erwartet hatten, und darüber Hinaus auch handwerklich ein ziemlich durchmischtes Vergnügen. Aber der Reihe nach…
An Darstellern war – mal von Actionstar abgesehen – eher die B-Riege der Canon Actionstars vertreten. Machen wir es kurz: Es gibt durchaus einige nette Momente, aber richtiggehend gute schauspielerische Leistungen wurden nicht geboten. Dolph Lundgren an sich ist sowieso nicht bekannt für seine virtuose Schauspielerei und dementsprechend wurde wohl auch die Rolle des He-Man auch reduziert. Während He-Man/Adam im Original nicht auslässt, die Gegensätze des Superhelden und seines Alter-Egos aufzuzeigen (tougher Held vs. schüchterner und symphatischer Thronfolger), lässt der Film dies gänzlich vermissen.
Die anderen Darsteller machen ihre Sache halbwegs ordentlich, allerdings tut man sich schwer eine richtige Bindung zu den Charakteren zu entwickeln, was aber auch zu einem guten Teil an dem recht flachen Drehbuch zu liegen schien. Auch hier hat man unendlich Potential verschenkt. Die Charaktere sind im Original allesamt individuell liebenswert und haben spezielle Fähigkeiten die sie vom Rest abgrenzen und für Teamwork prädestinieren. Im Film selbst wirken sie entweder wie hohles Kanonenfutter (Bösewichte), oder wie sinnlose Mitläufer (Gefährten).
Rein optisch gesehen hat man es mehr oder weniger versäumt, den typischen Masters Look auf die Leinwand zu bringen. Die Kostüme wirken teilweise sehr aufgesetzt (was für ein Wortspiel !), die (im Original) muskulösen Kampfgefährten und Bösewichte erinnern mich eher an Schmalspurversionen des 70er Jahre Batmans, und dadurch, dass ein Großteil der Handlung auf der Erde (!!!) spielt, sparte man sich auch eine richtige Darstellung von Eternia, was dem Verantwortlichen für das Budget bestimmt sehr gelegen kam. Einzig und allein die Burghalle von Castle Greyskull wurde in die Handlung mit aufgenommen. Die Fans haben hier wohl eindeutig mehr erwartet…
Die Spezialeffekte sind für die damalige Zeit an für sich ganz gut gelungen. Hoverboards für die Bösewichte oder die ein oder anderen Laser Schiessereien sind ganz gut in Szene gesetzt. Hier kann man die Routine der Canon Filmschmiede erkennen.
Der Soundtrack ist relativ heroisch geraten, was zwar durchaus zu der Comicvorlage passt, gleichzeitig aber nicht ganz dessen Niveau erreicht. Im Großen und Ganzen unterstreicht die Musik an den passenden Stellen die Atmosphäre gut, wenngleich man auch nicht von einer Meisterleistung sprechen sollte.
Großer Schwachpunkt ist einfach die Story, die man – wahrscheinlich um dem Film auch einem erwachsenem Publikum schmackhafter zu machen – mit den üblichen 80er Jahre Actionklischees vollgestopft hat. Das typische 80er Ami-Kleinstadt Setting war schon damals ziemlich ausgelutscht. Unverzeihlich gerade deswegen, weil die Comicvorlage schier endloses Potential und die tollsten Szenarien bot, auf die man aber – wohl aus Budgetgründen – nicht zurück gegriffen hat.
Fazit: Es will einfach nicht so wirklich das richtige Masters-Feeling aufkommen. Der Zeitpunkt für den Film war absolut richtig, aber die Umsetzung ist so gut wie komplett an den Erwartungshaltungen der Fans vorbei gegangen. In einigen Bereichen durchaus ambitioniert, aber unterm Strich blieb nur ein halbwegs ordentlicher Action Streifen in einem Fantasy/SF Setting, den man bereits zwei Stunden nach dem Film vergessen hat.
Wieder einmal hat sich gezeigt, dass eine erfolgreiche Comicvorlage nicht automatisch Garant für eine gute Verfilmung ist. Es braucht auch eine intelligente Story und Rahmenhandlung, charismatische Charaktere mit halbwegs ausgearbeitetem Hintergrund, eine fesselnde Atmosphäre und etwas Sinn für das Original.
Ich gebe dem Streifen 2 von 10 Punkten. In seltenen Fällen kommt ansatzweise manchmal etwas ähnliches wie Stimmung auf, aber wegen den Umsetzungsschwächen und der eindeutigen Themaverfehlung rate ich wirklichen Masters of the Universe Fans davon ab, sich den Film anzusehen. Wer absolut jeden noch so schwachen Actionfilm der 80er sehen muss, oder wer vom zwanzigsten Star Wars Klon immer noch nicht genug hat, sollte sich diesen Film aber nicht entgehen lassen.