Femme Fragile
In diesem eher unbekannten, beigegefärbten und unterschwelligen Psycho-Mystery-Thriller in bester French-70s-Manier verknallt sich ein hartnäckiger Schriftsteller in eine Schönheit, die ihm an einem bewölkten Nachmittag am Strand über den Weg läuft. Doch als er sich (streitbar bis stalkerhaft!) an ihre Versen heftet, offenbaren sich in ihrem Leben einige Leichen im Keller, Verehrer im Schrank und Schäden an der Psyche...
Prätentiöser als er sein müsste
"Les Seins de Glace" (ein augenzwinkerndes Wortspiel im Originaltitel) ist ein Krimi, der seine psychologischen und menschlichen Ebenen und Möglichkeiten nicht nutzt. Zumindest nicht genug. Der Autor, der seine Schöpfung trifft. Der zum Zuschauer spricht. Oder der Realität und Vorstellung, Schein und Sein verschwimmen sieht. All das wird keineswegs ausgeschöpft. Teilweise sogar nur spärlich angeschnitten. Und das war dann doch bitter für meinen Geschmack. Man soll sich die Filme nicht malen und wünschen, wie man es will. Aber hier war einfach viel mehr drin. Und es wird ja auch angedeutet! Doch dann kommt irgendwann nur noch wenig bis nichts. Für Delon-Allesgucker vielleicht noch okay. Das Ende ist bitter und konsequent. Frau Darc hat ihre Vorzüge und erotischen Eitelkeiten. Und die gedimmte, fast vergilbte Farbpallette und die herbstlich-bewölkte Stimmung ist klasse, wie aus einem Guss, hat anfangs durchaus Aura und überträgt Neugier, einen Grauschleier, etwas Traumwandlerisches. Dazu der sensible Pianoscore. Die Machtspielchen der Geschlechter. Und eine Story zwischen Abhängigkeit und Trugschluss hat mehr als Potenzial. Doch Potenzial bleibt das Stichwort. Und das sind ja manchmal die frustrierendsten Filmerlebnisse...
Fazit: eigentlich eleganter und eiskalter Psychothriller, der leider erschreckend vage, oberflächlich, unclever und gehemmt bleibt. Gerade seine anfängliche Undurchschaubarkeit und seine massiven Möglichkeiten werden ihm während der eher eindimensionalen Auflösung zum Verhängnis und jegliche Spannung, jegliches Mysterium, jegliche Neugier gehen flöten. Da gibt's weitaus bessere "Delons". Zurecht im Zug der Zeit verschollen? Nein, das gönnt man keinem Werk. Dennoch nur spärlich mit Mehrwert.