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Ein Freund, eine Hochzeit, ein Chef und ein Concierge - was haben sie alle gemeinsam? Man kann sich, jedenfalls in Deutschland mit passendem, eingedeutschtem Titel, in alle (oder auf jeder) verlieben. Und jetzt kommt auch noch der Trauzeuge an und möchte die Liebe seines Lebens kennen lernen. Die einfallslosen deutschen Titel spiegeln da aber nur die Einfallslosigkeit in Sachen Drehbuch wieder. Warum Gedanken machen, wenn es die Drehbuchautoren auch nicht machen? So auch bei „The best man“ mal wieder, der ersten, aber bestimmt nicht letzten Liebeskomödie dieses Jahr, die abläuft wie immer und bei der der Ideengehalt bei geschätzten 0% liegt. Aber was einmal klappt, klappt öfter und da Filme dieser Gattung bei Genrefans demnach auch nicht nicht ankommen können, werden sie gedreht und gedreht und man erfreut sich an der hoffnungslosen Romantik oder nicht. Ich freue mich, kann den Film aber wie immer nicht komplett abfeiern, wegen der besagten 0%…

Olly (Stuart Townsend; „About Adam“) ist Schriftsteller – jedenfalls auf dem Papier, doch da steht sonst nicht mehr viel. Er leidet nämlich an einer Schreibblockade, nachdem er zwei der grandiosesten Anfangskapitel schrieb. Doch von da an ging gar nichts mehr und mit dem kreativen Schreiben ist es vorbei, genauso wie mit seiner guten Laune und dem Luxusappartement. Also muss er sich mit einem Job bei einem Verlag für Selbsthilfebücher für Frauen begnügen. Wenn dann wenigstens eine Freundin auf ihn im neuen Heim warten würde, doch auch da hat er bisher kein Glück gehabt, sondern wohnt bei seinem Freund Murray (Seth Green; „Buffy“, „Austin Powers 1-3“). Wie es das Schicksal jedoch will, lernt er auf der Verlobungsfeier seines Freundes James (Steve John Shepard) auch Sarah (Amy Smart; „The Butterfly Effect“, „Road Trip“) kennen. Wie das Schicksal aber auch will, handelt es sich bei Sarah um die Braut – Pech gehabt, schon wieder. Zwischendurch eröffnet James ihm auch noch, dass er Trauzeuge sein soll, also werden die drei sich in nächster Zeit öfter über den Weg laufen. Grund genug für Murray den Vermittler zu spielen. Der hält James für einen Betrüger und will die Hochzeit ins Wasser fallen lassen…

Spätestens wenn man den Titel im Vorspann liest, weiß man, wie der Film ausgeht, wie er abläuft und was passieren wird. Bei RomComs gibt es genau zwei Möglichkeiten: entweder zwei verlieben sich ineinander und müssen nun versuchen, zusammenzufinden, oder anfangs kommen zwei zusammen und müssen nun versuchen, ihr Leben miteinander zu leben. Das geht beides gleich aus: glücklich. Sonst hieße es ja Drama. Und da man dieses Genre hier nicht finden kann, wird es wohl glücklich ausgehen. Für alle, die das anfangs nicht mitbekommen, wird auch mittendrin noch mal verdeutlicht, wie es gehen kann, dass eine Hochzeit nicht das Ende der Liebe bedeuten muss (das klingt nur zynisch, ist so aber gar nicht gemeint, da es mir in diesem Fall nur um die „richtige“ Liebe zwischen Trauzeuge Olly und Braut Sarah geht). Denn Sarah veranstaltet Testscreenings für Filme. Und der Film, der gezeigt wird, als sie das erste Mal mit Olly weggeht, ist natürlich eine Liebeskomödie und wie es der Zufall will, heiratet ein Brautpaar in der Schlussszene. Allerdings schweigen da nicht alle für immer, sondern der Verehrer der Braut kommt samt sprechendem Hund reingestürmt, gesteht ihr seine Liebe und der Bräutigam kann seine gerade erworbene Arschkarte heiraten gehen.
Das nimmt gleich jede Hoffnung, den Wunsch, dass es schlussendlich mal nicht gut ausgeht, sodass von da an wirklich jeder aufhören kann, zu überlegen, wie der Film nach knappen 90 Minuten endet.
Aber ein Plottwist am Ende erwartet in diesem Genre schon keiner mehr. Hier geht es um wenige Dinge: sympathische Charaktere, Humor und wenn man so will auch attraktive Schauspieler/-innen.

Sympathische Charaktere also: das wäre der erste Pluspunkt. So vorhersehbar und klischeehaft die Charaktere gezeichnet sind, so sympathisch ist der Großteil. Dass James dabei weniger gut wegkommt, sollte klar sein. Er ist in diesem Fall das Hindernis, das es für die beiden zu überwinden gilt. Sarah will ihm nicht vor den Kopf stoßen, genauso wenig wie Olly, dessen zweitbester Freund er ist. Also unternimmt man etwas zusammen, sülzt sich manchmal mit Dialogen voll, die auf ihrer eigenen Schmalzspur ausrutschen und in den Kitsch fallen, bleibt jedoch immer auf genügend Abstand.
Allerdings haben alle die Rechnung ohne Murray gemacht. Der Freund von SM-Spielchen und Nutten möchte nämlich, dass sein bester Freund nicht genauso verkommt wie er. Und da er an der Treue James’, ohne Beweise zu haben, zweifelt, setzt er nun alles daran, dass das Brautpaar später nicht James und Sarah heißt, sondern Sarah Olly heiratet. Seine Aktionen sind dabei zwar immer gewagt, doch setzt er sich für seinen Freund mit allen möglichen Mitteln ein und auch wenn seine Sexvorlieben eigenwillig bleiben, ist er doch eine der zwar chaotischsten, aber zeitgleich auch eine der sympathischsten und vor allem lustigsten Personen.
Mit Olly freundet man sich auch schnell an, da ihm anfangs nichts gelingt, er aber das Beste aus seiner Situation machen will und alles mit Galgenhumor nimmt. Also wünscht man ihm, gerade im Gegensatz zu James, das Glück zurück und mit ihm Sarah.
Diese wird, wie sollte es anders sein, vor der Hochzeit von Zweifeln geplagt, welche nicht immer, sondern eher selten die typischen Hochzeitsängste sind und vielmehr auf die Rechnung von Murray gehen, der mal gerne Unterwäsche in James’ Bett verteilt und mit allerhand anderen Schikanen einen Keil zwischen das Brautpaar treiben will.

Was dann neben den Charakteren glänzt, ist der Humor. Mit britischen Komödien tue ich es mir generell etwas schwerer, aber hier haben sich alle meine Klischees von vorher zerschlagen, wenngleich diese im Film oft Anwendung fanden.
Zwar bekommt man auch hier wieder einige Missgeschicke und Tollpatschigkeiten der Protagonisten zu sehen (zweimal muss Olly sich rückwärts gehend hinlegen, was beim zweiten Mal schon einige Abnutzungserscheinungen zeigte, da es auch sonst nicht der groß innovative Gag ist), doch abseits davon bleibt genug Freiraum für weniger innovationslose Szenen, meistens eingeleitet und getragen von Murray. Dessen Unternehmungen, die Olly seiner Traumfrau näher bringen sollen, sind meistens so abgedreht und verrückt, dass man ein kleines Grinsen schon alleine auf Grund der Präsenz von Murray nicht unterdrücken kann. Immer wenn es besser zwischen James und Sarah zu laufen scheint, schreitet er ein…
Aber auch Olly bleibt mit seiner leicht selbstironischen, anfangs etwas zynischen Art, die leider nach und nach mit dem Kennen lernen Sarahs etwas abschwächt und freundlicher wird, immer wieder für einen Lacher gut.
Dass es mit fortschreitender Laufzeit immer weniger witzig, sondern mehr und mehr romantisch wird, ist ein Problem des Films, aber unter Genrekollegen nichts Neues mehr. Herzschmerz und das „nervenaufreibende“ Finale, werden alle Probleme beseitigt oder nicht, lassen nicht mehr viel Platz für den Humor. Wenn da nebenbei nicht 3-4 absolut kitschige Liebesdialoge, in denen über die Liebe und Beziehungen geredet wird, gewesen wären, wäre das zu verkraften, diese sind aber leider so dick aufgetragen, dass man dann morgen den Zahnarzt aufsuchen muss. Glücklicherweise sind diese Szenen über den ganzen Film verteilt, sodass es nicht übermäßig schmerzt.

Schauspielerisch bewegt man sich hier auf solidem Genreboden.
Wie schon erwähnt ist Seth Green hier der Drahtzieher hinter allem und trumpft damit gehörig auf, während er die Lacher auf seiner Seite hat. Seine Art und Vorlieben sprudeln über vor Spielwitz, der bei Stuart Townsend ein wenig vermisst wird. Er wirkt ein wenig lustloser (dabei darf er doch mit Amy Smart rummachen, da kann es einen aber echt schlimmer treffen) und Green hätte ihm ruhig ein wenig Spielfreude abgeben können.
Amy Smart, hübsch, verzweifelt, sich gerade verliebend und nebenbei heiratend darf ab und an mal gefühlsmäßig ausbrechen, sonst aber nur nett lächeln und gute Laune haben und verbreiten.
Steve John Shepard ist der Antipathieträger, schafft es auch von Anfang an, des Zuschauers Hass auf sich zu ziehen, indem man schon auf der Feier erahnen kann, dass er fremdgeht. Von da an geht es rapide bergab mit den Restsympathien für ihn.
Gut, dass man weiß, dass alles gut ausgeht…

Nichts Neues an der RomCom-Front – Überraschung, Überraschung. Genauso wie die amerikanischen Vorbilder wandelt „The best Man“ auf bekannten und langsam schon totgetretenen Pfaden, bleibt bei der üblichen, charmanten Mischung aus Gefühlen und Humor, wagt nichts, was die Fans ärgern oder die Hasser zum Gucken ermuntern könnte (eine Hochzeit ist fast schon obligatorisch), macht so aber auch nichts falsch. Wer will und sich darauf einlässt, wird nicht enttäuscht. Dass Genreklassiker anders aussehen, sollte aber von vornherein klar sein. Empfehlenswert ist der Film trotzdem für den einmaligen, gemütlichen Film(oder Kino-)abend (vorzugsweise mit der romantisch veranlagten Freundin). Gute Schauspieler, liebenswerte Charaktere, jede Menge Spaß und eine gute Portion Romantik garantieren einen unbeschwerten Abend und lassen über Klischeecharaktere, Vorhersehbarkeit und mit dieser verbundene Storykonstruktionen hinwegsehen…

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